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Champions League Bayern schlägt Marseille erneut 2 -0

Ohne sich zu verausgaben, fast ohne Zweikämpfe zu bestreiten, aber nicht ohne die Zuschauer zu begeistern, gewann Bayern München auch das Viertelfinalrückspiel gegen Olympique Marseille und steht verdient im Halbfinale der Champions League. Aber war der Gegner so schwach oder Bayern so stark?

Sagt die totale Dominanz, die Bayern, ohne sich wirklich zu verausgaben, beim 2:0-Rückspielsieg im Viertelfinale der Champions League gegen Olympique Marseille an den Tag legte, etwas über die Halbfinalperspektiven der Münchner aus? Schwer zu sagen, denn zu einfach konnte Ivica Olic, der für den geschonten Mario Gomez spielte, seine beiden Tore vor der Pause erzielen.

Und zu schlecht präsentierte sich OM, ein Team, das bis in den Februar hinein noch von vier Titeln träumte, bevor es in unerklärlicher Weise implodierte und inzwischen einen so kläglichen Eindruck hinterlässt, dass selbst APOEL Nikosia sich Chancen ausrechnen könnte, sie aus dem Wettbewerb zu werfen, wenn das Los die beiden Clubs denn zusammengeführt hätte.

Das soll aber den sehr souveränen Eindruck nicht schmälern, den Bayern vor 66.000 Fans in der Allianz Arena, unter denen sich nur einige hundert unentwegte OM-Fans befanden, abgab. Schöne Passkombinationen und gutes Spielverständnis konnten gegen eine im Defensivverbund nicht mit letzter Konsequenz gegen den Ball arbeitende Gästeelf zelebriert werden. Hätte der ins Tor zurückkehrende OM-Kapitän Steve Mandanda nicht vor der Pause ein paar Chancen vereitelt, hätte das Spiel auch durchaus höher als 2:0 für den deutschen Rekordmeister enden können.

Heynckes schonte einige Stars

Jupp Heynckes kann es sich in den englischsprachigen Wochen dieser Tage leisten, etwas zu rotieren, zumindest, bis es zu den mutmaßlich entscheidenden Spielen gegen Dortmund und Real Madrid kommt. Gegen OM änderte der Coach die Startelf des Nürnbergspiels auf vier Positionen und brachte David Alaba, Franck Ribéry, Luiz Gustavo und Ivica Olic für Diego Contento, Arjen Robben, Danijel Pranjic und Mario Gomez.

Didier Deschamps bot eine nominell sogar offensivere Formation als im Hinspiel auf. Den gesperrten Alou Diarra ersetzte er durch Benoit Cheyrou, und Brandao, der Held von Mailand, kam für Morgan Amalfitano. Die positivste Nachricht aus OM-Sicht war die Rückkehr von Keeper und Kapitän Steve Mandanda für den im Hinspiel doch sehr unsicheren Elinton Andrade.

Die Bayern waren über das gesamte Spiel überlegen, aber Marseille hatte tatsächlich auch zwei Chancen in der ersten Hälfte. Jérémy Morel scheiterte nach elf Minuten an einer Fußabwehr von Manuel Neuer, im direkten Gegenzug fiel dann das Bayern-1:0. Franck Ribéry trieb den Ball über die rechte Seite nach vorne und bediente Olic perfekt, der nur noch in die Hereingabe rutschen musste, um die Entscheidung über den Halbfinaleinzug früh zu untermauern.

Olic wie einst in Lyon

Fünf Minuten später prüfte Stephane Mbia Neuer noch mit einem guten Schuss, den der Münchner Schlussmann über die Latte lenkte. Davon abgesehen, spielte aber nur noch der FC Bayern, der nach zahlreichen vergebenen Chancen, bei denen Mandanda mehrfach Gelegenheit bekommen hatte, sich auszuzeichnen, und einem Pfostenschuss von Toni Kroos acht Minuten vor der Pause endlich zum 2:0 kam.

Wieder war Olic erfolgreich, diesmal nach schöner Flanke von Alaba. Ebenso beeindruckend aber war der Ballgewinn nahe der eigenen Eckfahne von Kroos und die Weiterleitung von Ribéry gewesen. Heynckes schaltete die Maschine nun endgültig in den Schonwaschgang und nahm Müller aus dem Spiel. Rafinha kam für den Offensivspieler.

Nach dem Seitenwechsel stand Marseille dann wesentlich besser und stabiler. Da das Viertelfinale ohnehin entschieden war, setzte Deschamps nun auf Verhindern eines Debakels. Vernünftig, und erfolgreich, weil Bayern kein Interesse daran haben konnte, vor den wichtigen anstehenden Spielen und angesichts von vier gelbvorbelasteten Profis alles auf eine Karte zu setzen.

So blieb es beim 2:0 gegen eine Marseille-Mannschaft, die am Ende den Eindruck hinterließ, dass der FC Augsburg am Ostersamstag wohl auch keine kleinere Hürde darstellt als der Französische Meister. Für die anstehenden Halbfinals macht eine andere Statistik Mut. Nicht einmal zehn Fouls begingen Bayern-Spieler im Laufe des Spiels. Für das statistisch gesehen unfairste Team des Viertelfinals eine wichtige Leistung, denn gegen Madrid und Cristiano Ronaldo sollte man gewiss nicht all zu viele Freistöße verursachen.

Daniel Raecke

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