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Champions League: Bayerns würdeloser Abgang

An ein Weiterkommen hatten sowieso nur die kühnsten Optimisten geglaubt. Wichtiger war es, nicht erneut so unter die Räder zu kommen wie im Hinspiel. Und das gelang - weil sich der FC Barcelona nicht verausgabte. Viel interessanter als das 1:1 war die Stimmung in der Münchner Arena.

Von Wigbert Löer, München

Die gute Nachricht: Sie ließen sich nicht noch mal abschießen. Die schlechte: Der FC Barcelona wollte das auch gar nicht. Die Abschiedsvorstellung des FC Bayern aus der Champions League, wieder mal bereits im Viertelfinale, hätte garstiger ausfallen können. Nach dem 0:4-Untergang im Hinspiel reichte es für ein 1:1-Unentschieden. Von einem Abgang in Würde mochten allerdings in München nur wenige sprechen.

Die Bayern-Fans unter den 66.000 Zuschauern waren fest entschlossen, sich einen schönen Champions-League-Abend zu machen - erst einmal feuerten sie ihr Team an. Dass die Mannschaft von Jürgen Klinsmann nicht gleich überfordert und nicht durchgehend verunsichert wirkte, war ja auch schon ein Fortschritt gegenüber dem Hinspiel. Über Ribery gelangten die Bayern ein ums andere Mal in Strafraumnähe, dem Franzosen gelang es, bei dem Klub vorzuspielen, mit dem ihn sein Agent immer wieder in Verbindung bringt. Hinten ließ Bayerns Viererkette sich nicht allzu sehr durcheinander wirbeln.

Kleineres Spielfeld kein Problem

Das lag auch daran, dass Barca wie eine Mannschaft auftrat, die engagiert erscheinen, sich aber nicht allzu sehr anstrengen will. Der Tabellenführer der Primera División ging kein Champions-League-Tempo, spielte kaum den steilen Pass. Dass das Spielfeld in der Münchner Arena vier Meter schmaler und damit rund 400 Quadratmeter kleiner war, kam Barcelonas Offensive zwar nicht entgegen. Doch Lionel Messi und der auf links außen vorgezogene Andrés Iniesta tanzten sich auch auf engem Raum ein ums andere Mal nach vorne.

Barcelona spielte maßvoll, zuweilen gar gelangweilt. Das 1:0 der Bayern, für das Franck Ribery in der 47. Minute nach Pass von Ze Roberto frei vor Victor Valdéz auftauchte und den Torwart lässig austrickste, änderte daran zuerst nichts. In der 73. Minute kombinierte sich der Barca-Angriff aber dann doch einmal durch den Strafraum von Jörg Butt. Der Ball landete vor Keita, der ihn aus etwa 16 Metern Entfernung hereindrosch. "Klinsmann raus", schallte es dann aus dem Ultra-Block, einmal auch "Vorstand raus". Und dann riefen die Fans fast vergnügt nach Ottmar Hitzfeld und feierten Udo Lattek.

Keine Entspannung für Klinsmann

Spannung verströmten ansonsten noch die Anzeigetafeln, auf denen der Torhagel vermerkt wurde, der über das andere Viertelfinalspiel in London hineinprasselte. Chelsea und Liverpool trennten sich 4:4.

Entspannung dürfte das Unentschieden dem umstrittenen Bayern-Trainer nicht bringen. Jürgen Klinsmann kann erstmal nur bis zum nächsten Samstag denken. Die Prüfung, die er dann zu bestehen hat, dürfte deutlich schwieriger werden. Man muss zu Arminia Bielefeld.

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