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Champions-League-Finale: And the winner is: Deutschland!

England liegt uns zu Füßen. Die Briten mussten am Wochenende in London ihr oft klischeehaftes Deutschland-Bild revidieren - in erster Linie wegen Bayern München und Borussia Dortmund. Aber nicht nur.

Von Klaus Bellstedt

Wie geprügelte Hunde schlichen die Dortmunder Spieler am späten Samstagabend nach der bitteren Niederlage gegen die Bayern durch die Mixed Zone im Keller des Wembley-Stadions. Keiner wollte reden, zu groß die Enttäuschung. Ein paar hielten dann doch an und ließen sich von den Journalisten befragen. Neven Subotic oder Marco Reus zum Beispiel und natürlich auch der Kapitän der Borussia: Sebastian Kehl reflektierte bereits mit dem nötigen Abstand das, was er in den Stunden zuvor erlebt hatte. Die Analyse des Endspiels war das eine ("Es war eines der besten Finals der vergangenen Jahre"), aber Kehl hatte auch das Ganze im Blick: "Das hier heute war ein großer Tag für den deutschen Fußball."

Wie recht Dortmunds Anführer doch hatte. Beide Mannschaften demonstrierten in London das, wofür der deutsche Fußball neuerdings steht: Tempo, Raffinesse, Kombinationen. "Bayern München und Borussia Dortmund errichten dem Fußball ein Monument. Es ist nicht wichtig, wer der Sieger war. Gewonnen hat der Fußball. Gewonnen hat Deutschland. Alle Spieler, alle, hätten auf Schultern vom Platz getragen werden müssen", schrieb die spanische Zeitung "Sport" in ihrer Sonntagsausgabe. Aber es waren ja nicht nur die Spieler.

"All you need is Klopp"

Wer am Wochenende in London dabei war, der konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass sich ganz England an diesen beiden Tagen zumindest für 48 Stunden in die Gäste aus Deutschland verliebt hat.

Zum Beispiel in die beiden Trainer.

Jürgen Klopp hatte sich schon in der Woche vor dem Endspiel in zwei Interviews im "Guardian" und in der "Sun" in die Herzen der Briten geplaudert. Offen wie nie zuvor gab der BVB-Trainer Einblicke in sein Trainer- aber auch in sein Privatleben. Auf den Pressekonferenzen in Wembley ging Klopps Charmoffensive weiter. Er belustigte mehr oder weniger freiwillig die internationalen Medien mit einem bizarren Kauderwelsch bei der Pressekonferenz nach dem Spiel - auch das ist das neue Deutschland aus Sicht der Briten. "All you need is Klopp", lautete eine Titelzeile von der "Daily Mail" in den Tagen des Champions-League-Endspiels. In der Beliebtheitsskala rangiert der Trainer in England gefühlt gerade weit vor der Queen.

Aber auch Jupp Heynckes hat sich als glänzender Botschafter für Deutschland erwiesen - wegen seiner bescheidenen und ruhigen Art. "Wie kann man als Trainer eines Champions-League-Siegers nur so gelassen unaufgeregt, ja fast schüchtern reagieren?! Das kennt man von euch Deutschen sonst gar nicht", meinte ein Engländer im Arsenal-Trikot nach dem Spiel in der U-Bahn auf dem Rückweg vom Wembley Park in die Innenstadt.

Befremdlich blieb nur die Eröffnungshow

Und erst die Fans! Rund 150.000 deutsche Fußballanhänger fielen am Wochenende in London ein. Sie verhielten sich bis auf ganz wenige Ausnahmen vorbildlich, unterstützen ihre Mannschaften - ob im Stadion oder auf den Straßen von London - leidenschaftlich. Am Piccadilly Circus spielte sich nach dem Schlusspfiff ein eindrucksvoller Farbenwechsel ab. Der Brunnen inmitten des Platzes mit der weltberühmten Leuchtreklame war zunächst weiterhin in schwarz-gelb getaucht. Erst nach und nach übernahm rot-weiß das Kommando. Lange Zeit feierten Bayern-Fans und Borussen-Anhänger ausgelassen gemeinsam. "Hey, super Bayern ...", erklang es pausenlos auf der Südseite des Platzes. "Football's coming home" stimmten beide Lager gemeinsam an. Die Londoner Polizei schaute gelassen zu.

Befremdlich blieb an diesem Wochenende eigentlich nur die von der Uefa organisierte Eröffnungsshow, bei der Laiendarsteller in den Vereinsfarben beider Clubs mit Pfeil und Bogen schossen und mit Schwertern aufeinander losgingen. Nur stumpfsinnig kämpfende Germanen - dieses klischeehafte Deutschland-Bild wurde anschließend in 90 beeindruckenden Spielminuten, charakterstarken Protagonisten und einer langen Partynacht endgültig widerlegt. And the winner is: Deutschland.

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