Champions League Hetzjagd auf Chelsea-Coach Mourinho


Bedrängt, bepöbelt, bespuckt: Den Spielern des FC Chelsea - aber vor allem ihrem Trainer - schlug beim Empfang in der katalanischen Hauptstadt vor dem Duell gegen Barcelona der blanke Hass entgegen - damit war zu rechnen.

Einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale zwischen dem FC Barcelona und Chelsea ließen die aufgebrachten Barca-Fans am Flughafen ihrer Abneigung gegen Jose Mourinho freien Lauf. Es war eine Hetzjagd mit Ansage auf den Portugiesen, der heute Abend mit seinem Team das 1:2 aus dem Hinspiel wettmachen will.

Schon in der letzten Champions-League-Saison trafen die beiden derzeit spielstärksten Mannschaften Europas aufeinander. Chelsea zog damals im Hinspiel den Kürzeren, und Mourinho erwies sich - mal wieder - als schlechter Verlierer. Nach der Niederlage erhob er den Vorwurf, dass die Katalanen vom Unparteiischen bevorzugt worden seien. Daraufhin gingen beim Schiedsrichter Anders Frisk Morddrohungen von Chelsea-Fans ein. Für seine falschen Anschuldigungen wurde Mourinho vor einem Jahr für zwei Europacup-Spiele gesperrt.

Mourinho bleibt cool

Selbst die harte Strafe der Uefa hielt den 43-jährigen Portugiesen aber nicht davon ab, auch dieses Mal wieder den Schiedsrichter öffentlich zu kritisieren. "Natürlich glaube ich, dass es keine Rote Karte war", sagte er nach der 1:2-Heimniederlage vor 14 Tagen gegen den spanischen Meister. Wieder gab es Morddrohungen gegen den Schiri, der Chelseas Verteidiger Asier del Horno nach einem üblen Foul an Lionel Messi "Rot" gezeigt hatte. Mourinho meinte, Messi habe "Theater gespielt" - und sich unter anderem deshalb den Unmut der Katalanen zugezogen.

Der Portugiese nahm den "herzlichen Empfang" rein äußerlich übrigens mit britischer Coolness auf und war bemüht, die Emotionen nicht weiter überschäumen zu lassen. Tief im Inneren dürfte es allerdings im vom bewunderten Meistertrainer zum Bösewicht des europäischen Fußballs mutierten Coach brodeln. Denn sein Team läuft Gefahr, am ungeliebten ehemaligen Arbeitgeber (Mourinho verrichtete bei Barca einst den Job des Übersetzers) zu scheitern.

Markus Merk leitet "Hass-Duell"

"Wir brauchen schon ein Wunder, um noch weiterzukommen", gab Stürmer Hernan Crespo zu. Auch die Statistik spricht gegen die Engländer: Barcelona gewann alle vier Europacup-Heimspiele gegen Chelsea und hat in den jüngsten elf CL-Partien im Nou Camp nur sechs Tore kassiert. "Wir sind noch nicht durch", warnte Barca-Verteidiger Sylvinho, dessen Trainer Frank Rijkaard wieder auf alle Stars wie Ronaldinho, Eto'o, Deco oder den im Hinspiel überragenden Messi zurückgreifen kann.

Einem Deutschen wird beim "Hass-Duell" zwischen Barca und Chelsea eine ganz besondere Aufgabe zukommen: Fifa-Referee Dr. Markus Merk. Der Zahnarzt aus Kaiserslautern steht vielleicht vor der schwierigsten Aufgabe seiner bis dato steilen Schiedsrichter-Karriere. Jose Mourinho äußerte bereits eine Bitte an Merk: "Lassen Sie uns spielen, ohne Elfmeter und ohne Platzverweis." Vor allem Chelseas Coach wäre das zu wünschen.

Klaus Bellstedt mit DPA

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