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Champions League: Jetzt bloß nicht abheben, Bayern!

Kantersieg in Lissabon, die Bayern sind im Aufwind. Aber Vorsicht: Sporting Lissabon war schwach und machte gegen die Bayern wirklich alles falsch. Jetzt warten die nationalen Aufgaben - und die werden ungleich schwerer. Überwunden haben die Bayern ihre Krise noch lange nicht.

Ein Kommentar von Jens Fischer

5:0 - der FC Bayern München hat in der Champions League bei Sporting Lissabon einen unerwarteten Kantersieg eingefahren und sich damit den Frust vom Leib geschossen. Das Viertelfinale der Königsklasse ist so gut wie erreicht, und den Kritikern wurde vorerst der Wind aus den Segeln genommen. Vorerst. Denn noch ist bei den Bayern nicht alles Gold, was glänzt.

Zum einen ist Sporting Lissabon wahrlich nicht der Maßstab, an dem sich die Bayern in ihrer derzeitigen Situation messen sollten. Zum anderen haben gerade die ersten 30 Minuten im José-Alvalade-Stadion von Lissabon bewiesen, dass die Bayern speziell in der Defensive weiter mit großen Problemen zu kämpfen haben. Man stelle sich vor, Philipp Lahm hätte in der 12. Minute nicht für seinen geschlagenen Torwart Michael Rensing auf der Linie geklärt - eine erneute Blamage der Klinsmann-Truppe wäre denkbar gewesen.

Ein Gegner ohne Klasse

Zum Glück trafen die Münchner diesmal mit den Portugiesen auf einen Gegner, der sein Pulver schnell verschossen hatte. Und der sich - wie vor dem bahnbrechenden 1:0 durch den herausragenden Franck Ribéry - viele unerklärliche Fehler leistete, die anderen Mannschaften, übrigens auch in der Bundesliga, nur sehr selten unterlaufen. Lissabon hatte kein Format und war daher der perfekte Aufbaugegner. Das sollten die Bayern nicht vergessen.

Der eigentliche Matchwinner der Bayern war an diesem Abend nicht Ribéry, nicht Luca Toni, sondern Paulo Bento, der Trainer des Gegners. Denn der machte alles falsch, was man gegen diese Bayern falsch machen kann. Während in der Bundesliga niemand so verrückt wäre, gegen die Bayern voll auf Angriff zu spielen, entschied sich Bento für diese fatale Taktik. Er versuchte es mit Künstlern wie Romagnoli oder Izmailov, deren große Stärke es ist, ihren Körper gänzlich in Watte zu packen. Da können sich die Bayern sicher sein: Dieses Schonprogramm wird sich am schon am Sonntag bei Werder Bremen in einen Schnellwaschgang verwandeln.

Härtere Brocken warten

Und derart lehrbuchmäßige Konter wie in Lissabon werden sie auch lange nicht mehr zelebrieren dürfen. Nicht umsonst war nach dem Sieg bei den Spielern von Euphorie nichts zu spüren. Beinahe beschwörend verwiesen sie auf die anstehenden nationalen Aufgaben. Weil sie wissen: Daran werden sie gemessen - da ist Lissabon schnell vergessen und die Krise wieder da.

Jetzt also bloß nicht abheben, Bayern München! Zuversichtlich stimmt, dass Klinsmann gegen Lissabon vieles richtig gemacht hat. Sein offensiver "Hurra-Stil" wich einer geordneten, wenn auch immer noch fehlerhaften Abwehrleistung. Seine Spieler wirkten konzentriert und die Angreifer machten endlich das, wozu sie da sind: Tore. Und, nicht ganz unwichtig: "Trainer-Buddy" Landon Donovan saß auf der Tribüne.

Nun ist Lissabon vorbei, der große Traum "Champions-League-Triumph" muss aus den Köpfen. Sonst droht ein böses Erwachen. Die Realität heißt ab sofort: Werder Bremen, danach Bayer Leverkusen. Nun muss Bayern den sportlichen Alltag in den Griff bekommen und auch in der Bundesliga motiviert zur Sache gehen. Erst dann ist die Krise endgültig überwunden. Lissabon war nur der Anfang – und Sporting keine Reifeprüfung.

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