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Champions League: Zittersieg für nachlässige Bayern

Zur Halbzeit mit 3:0 geführt, am Ende mit Müh und Not noch gewonnen: Der FC Bayern München spielte in Lyon lange überragend, machte den Gegner dann aber richtig stark. Mit dem Sieg stehen den Bayern jetzt in der Champions League alle Wege offen - besonders wenn einer weiterhin brilliert.

Der FC Bayern München hat sich in einem mitreißenden und torreichen Duell mit Olympique Lyon den Gruppensieg in der Vorrunde der Champions League gesichert.

Trotz eines beruhigenden 3:0-Pausenvorsprungs und einer beeindruckend souveränen Vorstellung in den ersten 45 Minuten musste der deutsche Fußballmeister am Mittwoch beim 3:2 gegen die nie aufsteckenden französischen Gastgeber aber länger zittern, als ihm lieb war. Nachdem der überragende Nationalstürmer Miroslav Klose (12. Minute/37.) und der erneut brillierende Spielmacher Franck Ribéry mit seinem ersten Champions-League-Tor (34.) den Vorsprung rausgeschossen hatten, kam Lyon in seinem 150. Europacupspiel vor 38 349 Zuschauern im Stade Gerland durch Sidney Gouvou (52.) und Karim Benzema (68.) noch einmal heran.

Am Ende aber jubelten die Bayern, die im Achtelfinale im Februar und März in der K.o.-Phase nun im Rückspiel Heimrecht haben werden. "Das ist ein kleiner Vorteil", meinte Trainer Jürgen Klinsmann. Die Auslosung findet am 19. Dezember statt.

Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt und dauerhaften Schneeregens kamen beide Mannschaften sofort auf Betriebstemperatur. Den besseren Start erwischten allerdings die Hausherren: Nach nur anderthalb Minuten hatte der Brasilianer Ederson die Führung auf dem Kopf, scheiterte aber an Bayern-Keeper Michael Rensing. 180 Sekunden später versuchte es der 15-Millionen-Einkauf von Lyon mit einem Distanzschuss - verfehlte das Ziel jedoch knapp.

Die ohne Lucio und Zé Roberto sowie Nationalstürmer Lukas Podolski nach Lyon angereisten Bayern überstanden unbeschadet die erste Druckphase der ersatzgeschwächten Franzosen. In der Abwehr konnte das komplett in kanariengelb angetretene Olympique-Team das Fehlen von Cris nicht kompensieren. Eine Verwirrung nutzte Klose mit einem Schuss mit der rechten Innenseite zum 1:0. Tim Borowski verfehlte es wenig später (18.), auf 2:0 zu erhöhen.

Dafür zielte Ribéry, der von den einheimischen Fans teilweise ausgepfiffen wurde, genau: Mit diesmal ebenfalls kanariengelben Schuhen schlenzte er den Ball bei seinem ersten Spiel in Frankreich mit einer deutschen Mannschaft ins lange Eck.

Doch nicht nur ob des Tores verdiente sich der flinke Franzose mal wieder Bestnoten. In einer in der ersten Hälfte souverän auftretenden Bayern-Mannschaft versprühte er von der linken Seite aus fußballerisches Esprit. Etwas weniger in Szene konnte sich auf der rechten Seite der ganz kurz vor einer Vertragsverlängerung stehende Nationalspieler Bastian Schweinsteiger setzen.

Nach dem zweitem Tor des sehr lauffreundigen und engagierten Klose war den kurz zuvor durch Ederson gescheiterten Franzosen der Glaube an den Sieg fast geraubt. Bayern-Präsident geriet ganz im Gegensatz zu seiner legendären Brandrede von 2001 schon nach der ebenso effektiven (vier Schüsse - drei Treffer) wie spielerisch gelungenen ersten Halbzeit ins Schwärmen. "Alles ist in Bewegung. Ganz im Gegensatz zu den Spaziergängern von vor sieben Jahren", sagte der Fußball-"Kaiser" beim Pay-TV-Sender Premiere.

Kurz nach dem Seitenwechsel hatte Ribéry seinen zweiten Treffer auf dem Fuß, Jubel brandete aber wenig später bei Lyon auf, als Gouvou das 1:3 erzielte. Nun war es Olympique, das das Heft in die Hand nahm. Und den zweiten Treffer nur knapp verpasste, als Schweinsteiger auf der Linie und Rensing retten mussten (60.). Die Souveränität war so gut wie verflogen: Auch bei Benzemas Treffer war die Defensive nicht ganz auf der Höhe. Zehn Minuten vor Schluss hielt Rensing den Sieg mit einer weiteren starken Parade fest.

DPA / DPA

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