HOME

Chelsea siegt im Champions-League-Finale: Den Bayern versagen die Nerven

Der FC Bayern am Boden: In einem hochdramatischen Champions-League-Finale hat sich der FC Chelsea mit Mauertaktik ins Elfmeterschießen gerettet - dort versagten den Bayern die Nerven.

Von Tim Schulze

Der Traum ist zerplatzt. Als Bastian Schweinsteiger als letzter Schütze der Bayern im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales an Chelsea-Keeper Petr Cech und am Pfosten scheiterte, sackten ihm kurz die Knie weg. Auf dem Rasen der heimischen Allianz Arena, wo die Bayern ihren Traum vom Champions-League-Titelgewinn wahr werden lassen wollten, waren es jetzt nur noch wenige Augenblicke, bis die Saison für den Rekordmeister und Bastian Schweinsteiger ganz ohne Titel ihr traumatisches Ende fand. Nämlich in dem Moment, als Didier Drogba zum finalen Elfmeter schritt. Der große, alte Stürmer von Gegner FC Chelsea trat wahrscheinlich zum letzten Mal den Dienst für seinen langjährigen Arbeitgeber an – und das machte er perfekt. Drogba verwandelte den entscheidenden Strafstoß sicher und schoss Chelsea zum Champions-League-Sieg 2012.

Am Ende stand es also 3:4 im Elfmeterschießen, in das sich die Engländer durch ein 1:1 nach 120 Minuten gerettet hatten. Zwar parierte Torhüter Manuel Neuer gleich den ersten Schuss der Engländer von Juan Mata und schoss sogar selbst einen erfolgreich, doch vor Schweinsteiger hatten schon Ivica Olic die Nerven versagt.

Erster Schock durch Drogbas Ausgleich

In der ganzen Stadt feierten die Fans schon den ganzen Tag über eine große Party. Als die Partie schließlich vor 62.500 Zuschauern angepfiffen wurde, übernahmen die Münchner sofort das Kommando und rannten in beeindruckender Manier gegen das Tor der "Blues" an. An diesem Bild sollte sich 120 Minuten fast nichts ändern. Die Bayern waren haushoch überlegen, vergaben aber zu viele Torchancen, während Chelsea mit zwei Vierketten mauerte und auf schnelle Vorstöße setzte. Allerdings blieben die wenigen Versuche bis auf eine Ausnahme wirkungslos - aber die war mit spielentscheidend. Drogba erzielte zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den Ausgleich und versetzte den Bayern einen Schock. Denn zuvor hatte Thomas Müller den hoch verdienten Führungstreffer erzielt (83.) und die Bayern - so dachten alle - auf die Siegerstraße geschossen.

Die Bayern-Abwehr versagte nur in diesem Moment. Mit den Aushilfskräften Anatoli Timoschtschuk und Diego Contento für die gesperrten Holger Badstuber und David Alaba war sie ansonsten nur selten ernsthaft gefordert. Im Gegenzug bot Chelseas Coach Roberto di Matteo den Champions-League-Debütanten Ryan Bertrand als zusätzliche Absicherung auf der linken Abwehrseite auf, um die Vorstöße von Philipp Lahm zu unterbinden. Denn auch Chelsea musste mit Verteidiger John Terry und den Mittelfeldspielern Raul Meireles und Ramires auf drei Stammkräfte verzichten.

Bayerischer Sturmlauf

Zu Beginn des bayerischen Sturmlaufs waren Distanzschüsse von Bastian Schweinsteiger (4.), der kurz zuvor wegen eines überflüssigen Handspiels im Mittelfeld die gelbe Karte gesehen hatte, und Toni Kroos (5.) zunächst die ganze Ausbeute. In der 19. Minute trat Mario Gomez nach Müllers Rückpass aus aussichtsreicher Position am Ball vorbei. Dann vereitelte Chelsea-Keeper Cech mit einer prächtigen Fußabwehr gegen Robbens Schuss das eigentlich verdiente 1:0 (21.).

7:0 Ecken nach 24 Minuten verdeutlichten die Überlegenheit der Hausherren, die allerdings in Strafraumnähe zu häufig die Präzision vermissen ließen. In der 37. Minute war Bayern-Keeper Manuel Neuer hellwach, als er einen Schuss von Salomon Kalou aus der kurzen Ecke fischte. Sekunden zuvor hatte Müller per Direktabnahme die große Chance zum 1:0 für die Bayern verpasst. Unglücklich im Abschluss war bei allem Engagement Mario Gomez. Der Nationalstürmer, mit zwölf Treffern Zweiter in der Champions League-Torschützenliste hinter Barcelonas Lionel Messi (14), vergab in der 42. Minute seine beste Chance, als er den Ball freistehend über den Kasten der Engländer jagte.

Robben scheitert ebenfalls mit Elfmeter

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte erhöhten die Münchner noch einmal Tempo und Druck. Als Ribéry den Ball nach 54. Minuten im Tor des Tschechen Cech unterbrachte, kam der Jubel der Bayern-Fans zu früh. Der Franzose hatte beim vorausgegangenen Robben-Schuss im Abseits gestanden. Bei weiteren Möglichkeiten der Gastgeber verhinderte entweder Eigensinn oder das Bein eines Chelsea-Abwehrspielers das längst überfällige Führungstor.

Erst Thomas Müller erlöste das Team von Jupp Heynckes in der 83. Minute. In diesem Augenblick sahen die Bayern wie der sichere und vor allem verdiente Sieger aus. Doch zwei Minuten vor dem Ende gelang Didier Drogba per Kopf der nicht mehr erwartete Ausgleich für die Londoner.

Die große Chance, die Bayern in der dramatischen Verlängerung auf die Siegerstraße zu bringen, vergab Arjen Robben. Wie schon im Bundesligaspiel im April in Dortmund versagten dem Niederländer im entscheidenden Moment die Nerven. Nach einem Foul des Torschützen Drogba an Ribery schoss Robben den Strafstoß in der 95. Minute in die Arme von Chelsea-Keeper Petr Cech. Ribéry musste danach verletzt vom Feld und wurde durch Ivica Olic ersetzt. In der 108. Minute verfehlte der Kroate das Chelsea-Tor um Haaresbreite. Auch in der Verlängerung lief wie in den 90 Minuten der regulären Spielzeit. Die Bayern scheiterten in erster Linie an ihrer mangelnden Chancenauswertung.

Wissenscommunity