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Javid Hüseynov: Die DFB-Elf spielte gegen einen Mann, der einen Journalisten totschlagen ließ

Sportlich hatte das Spiel von Deutschland gegen Aserbaidschan am Sonntagabend keine wirkliche Relevanz. Brisant war aber die Aufstellung des Gegners. Dort spielte Javid Hüseynov, der eigentlich noch in Haft sitzen müsste. 

Javid Hüseynov (blau) im Hinspiel gegen die DFB-Elf im März im Zweikampf mit Joshua Kimmich

Javid Hüseynov (blau) im Hinspiel gegen die DFB-Elf im März im Zweikampf mit Joshua Kimmich

Als die DFB-Elf am Abend gegen Aserbaidschan die letzte Gruppenpartie der WM Qualifikation spielte, stand beim Gegner ein Mann auf dem Platz, der vor gerade einmal zwei Jahren einen Journalisten totschlagen ließ, weil dieser sich kritisch zu seinem Verhalten geäußert hatte: Javid Hüseynov vom FK Qäbälä. Der 29-Jährige wurde von einem Gericht als Mittäter schuldig gesprochen und eigentlich zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Strafe wurde jedoch nach kurzer Zeit auf 14 Monate verkürzt und nicht einmal die saß er ab, wie der WDR in einer Doku über den Fall berichtet. Bereits im Hinspiel gegen Deutschland im März stand er auf dem Feld, spielte bei der 1:4-Niederlage 90 Minuten durch.

Die Tat, für die er verurteilt wurde, ereignete sich im August 2015. Nach der gewonnen Europa-League-Qualifikation von Qäbälä gegen den zyprischen Fußballklub Apollon Limassol hatte Hüseynov mit der türkischen Flagge gejubelt. Die Provokation - der Nordteil Zyperns ist seit den 70er-Jahren von der Türkei besetzt - hatte damals viel Kritik in ausgelöst. Auch der Journalist Rasim Aliyev kritisierte den Spieler hart und warf ihm in einem Facebookpost vor, "ignorant" zu sein und "sich nicht benehmen zu können". Von so jemandem wolle er sein Land nicht auf der internationalen Fußballbühne vertreten wissen. Die Kritik sollte sein Todesurteil sein.

Journalist stirbt nach Prügel im Krankenhaus

Wenig später wurde der Journalist aus Hüseynovs Umfeld kontaktiert und um ein Treffen gebeten. Dem WDR zufolge soll ihm eine Versöhnung angeboten worden sein. Am vereinbarten Treffpunkt tauchte aber statt des Nationalspielers ein Schlägertrupp samt Hüseynovs Cousin auf und prügelte den Journalisten Aliyev krankenhausreif. Ein Überwachungsvideo hat den brutalen Angriff dokumentiert. Vom Krankenhausbett aus gab der Journalist noch ein TV-Interview, sprach von Rippenbrüchen und Schmerzen beim Atmen, die Ärzte hätten ihm aber gesagt, dass die Verletzungen nicht lebensbedrohlich seien. Einen Tag später war er tot.

Aliyev war dem zufolge ein kritischer Journalist, der regelmäßig über Demonstrationen gegen das autokratische Regime des Landes berichtete. In der Pressefreiheitsrangliste steht Aserbaidschan im Jahr 2017 auf Platz 162, hinter Staaten wie dem Irak oder Afghanistan.

DFB-Präsident fordert "rückhaltlose Aufklärung"

Sechs Männer wurden 2015 im Zusammenhang mit dem Fall festgenommen, unter ihnen auch Hüseynov, der Kapitän des FK Qäbälä. Sein Cousin wurde als Hauptschläger zu 13 Jahren Haft verurteilt, er selbst bekam vier Jahre, wurde aber ohne Nennung von Gründen vorzeitig entlassen und spielt seit diesem Jahr wieder Fußball für Qäbälä und die Nationalmannschaft. 

DFB-Präsident Reinhard Grindel nahm deshalb vor dem letzten WM-Quali-Spiel die Regierung des Landes in die Pflicht. "Ohne gesicherte Erkenntnisse ist eine Bewertung dieses Falles sehr schwierig", sagte Grindel am Samstag in Mainz. "Deshalb fordern wir die Regierung Aserbaidschans auf, für rückhaltlose Aufklärung zu sorgen und nachvollziehbare Gründe zu nennen, die für die Haftentlassung gesorgt haben."

fin

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