DFB-Aufgebot Löw beruft Khedira und Tasci

Mit zwei kleinen Überraschungen hat Bundestrainer Joachim Löw das Aufgebot für das Länderspiel gegen England benannt. Er berief zwei "Junge Wilde" aus Stuttgart für den Klassiker im Wembley-Stadion - und muss mit einigen Absagen leben.

Angesichts großer Personalprobleme setzt Bundestrainer Joachim Löw seinen Erneuerungskurs bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft auch zum Start in die EM-Saison unbeirrt fort. Beim Klassiker gegen England ist der DFB-Coach praktisch zu Experimenten gezwungen und nominierte die Nachwuchshoffnungen Sami Khedira und Serdar Tasci vom VfB Stuttgart in seinen Kader für den "Prestigekampf" am nächsten Mittwoch in neuen Wembley-Stadion. Nach dem Ausfall von Kapitän Michael Ballack, Torsten Frings, Lukas Podolski und Tim Borowski erhielt Löw am Donnerstag auch noch eine Absage von VfB-Stürmer Mario Gomez. Der "Fußballer des Jahres" kann wegen einer Muskelverletzung nicht zum brisanten Testländerspiel nach London reisen. Fraglich ist zudem das Mitwirken des Bremers Clemens Fritz.

"Die Situation ist angespannt. Es ist sicher so, dass man in einem solchen Spiel gerne die beste Mannschaft auf dem Platz hätte. Aber wir wollen nicht jammern", sagte Löw bei der Präsentation des 20 Spieler umfassenden Kaders in Frankfurt/Main. Auch ohne sein Führungspersonal erwartet der 47-Jährige in London eine Fortsetzung "unserer offensiven Spielphilosophie" - und setzt auf einen echten Härtetest für die Fortsetzung in der EM-Qualifikation am 8. September in Wales.

"Reinschnuppern lassen"

Gleich in der ersten Partie der EM-Saison zahlt sich für den Bundestrainer aus, dass er im Vorjahr insgesamt 35 Profis, darunter 13 Neulinge, einsetzte. "Wir können uns freuen über die jungen Leute, die nachgekommen sind", sagte Löw. Khedira und Tasci erhielten schon vorab Lob. "Die fußballerischen Voraussetzungen sind bei beiden gegeben. Wir haben uns entschieden, sie reinschnuppern zu lassen. Sie haben das Talent, unseren Anforderungen zu genügen."

Etwas überraschend verzichtete Löw auf die Nominierung der nach langen Verletzungspausen wieder genesenen WM-Akteure Gerald Asamoah und Sebastian Kehl. Für Schalkes Asamoah erhielt der Leverkusener Stefan Kießling den Vorzug. Der Dortmunder Kehl wäre ein Kandidat für die durch den Frings-Ausfall vakante Position im defensiven Mittelfeld gewesen, auf der nun Khedira sogar in der Startelf stehen könnte. "Wenn ein Spieler lange weg war, braucht er ein bisschen Zeit", sagte Löw. Für schon vor der WM aussortierte Spieler wie Fabian Ernst dürfte die Nominierung der 20-jährigen Khedira und Tasci letztes Signal sein, dass auch der EM-Zug praktisch abgefahren ist.

Prestige-Kampf im Wembley-Stadion

Eine deutliche Warnung richtete Löw an Ersatztorwart Timo Hildebrand. Trotz seines Reservistendaseins beim FC Valencia wurde der Ex-Stuttgarter zwar für England nominiert. Doch ein dauerhafter Platz auf der Ersatzbank des spanischen Spitzenclubs würde den 28-Jährigen die EM-Teilnahme kosten. "Sollte er das ganze Jahr nicht spielen, haben wir ein Problem", sagte Löw und kündigte schon für die Tage in London ein intensives Gespräch mit Hildebrand an.

Zur Präsentation des Kaders hatte der DFB auch Uwe Seeler und Paul Breitner geladen, die aus ihren eigenen Erfahrungen über die Tradition des brisanten Duells mit England berichteten. Auch Löw, der erstmals zu einem Länderspiel auf die Insel reist, betonte die Bedeutung des Kräftemessens. "Es ist eine Ehre, im Wembley-Stadion spielen zu dürfen. Es ist ein Prestigekampf", sagte der Bundestrainer, behielt aber vor dem ersten von noch sieben Länderspielen in diesem Jahr das eigentliche Ziel im Blick: "Der EM- Countdown beginnt, die EM ist in Sichtweite. Für uns beginnt eine kleine, neue Reise."

Arne Richter/DPA DPA

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