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Nachwuchs-EM in Italien: Trotz des U21-Erfolgs: Cheftrainer der DFB-Junioren sieht deutschen Nachwuchs in der Krise

Trotz einer starken U21-Mannschaft sieht der Junioren-Chef des DFB, Meikel Schönweitz, den deutschen Fußballer-Nachwuchs in der Krise: Andere Nationen hätten aufgeholt, und die Ausbildung setze falsche Schwerpunkte, kritisiert er.

Meikel Schönweitz weist auf gravierende Mängel in der Nachwuchsausbildung hin

Meikel Schönweitz weist auf gravierende Mängel in der Nachwuchsausbildung hin

DPA

Bis zum Sonntagabend war es eine echte Erfolgsgeschichte. Die U21-Nationalelf, trainiert vom 96er Europameister Stefan Kuntz, begeisterte bei der Europameisterschaft in Italien. Der Titelverteidiger stand kurz davor, den Erfolg von 2017 zu wiederholen, aber Gegner Spanien erwies sich im Finale von Udine als zu stark. Mit 1:2 ging die Partie verdientermaßen verloren. Dennoch: Die erste Nachwuchsmannschaft hat bewiesen, dass in dieser Generation wieder Spieler nachwachsen wie Jonathan Tah oder Luca Waldschmitdt, die das Potenzial für die A-Elf haben. 

Aber wie ist der Erfolg einzuordnen? Zeigt der achtbare Auftritt der U21 und der erfolgversprechende Erneuerungsprozess in der Nationalmannschaft von Joachim Löw, dass der deutsche Fußball überhaupt nicht in der viel beschworenen Krise steckt? Ganz und gar nicht, meint Meikel Schönweitz, DFB-Cheftrainer aller deutschen Juniorenteams. Denn es stehe alles andere als gut um den Nachwuchs. "Wir müssen das ganze System mal wieder hinterfragen", sagte der 39-Jährige dem "Kicker". Die U21 sei nicht das Problem. Sorge würden vielmehr die darunter liegenden Spielergenerationen machen. 

Andere Nationen sind weiter

"Da sind uns andere Nationen im Moment schon ein Stück voraus. Da müssen wir viel arbeiten und neu justieren, damit wir das kompensieren", sagte Schönwitz. Statt vieler Spitzentalente gingen zu viele gleichförmige Spielertypen aus dem aktuell überfrachteten Ausbildungssystem hervor. "Wir sind ein Stück über professionalisiert", meinte Schönweitz. 

Zudem stünden nicht die Spieler im Zentrum der Ausbildung, sondern das System: "Der Rahmenterminkalender, die Clubs, Verbände, Medien und so weiter. Daran müssen sich die Wettbewerbe, die Trainer und ganz am Ende auch die Spieler anpassen. Aber genau daran leiden die nachfolgenden Jahrgänge. Wir müssen die Förderstrukturen besser aufeinander abstimmen. Da müssen wir umdenken, und das wird echt schwierig", erklärte der 39-Jährige. Das sei eine gewaltige Aufgabe.

Alarmsignale sind nicht zu übersehen

Die Alarmsignale, auf die Schönweitz hinweist, sind nicht zu übersehen. Die Pleite der deutschen Clubs in den internationalen Wettbewerben zeigt, dass so manche Entwicklung an den deutschen Vereinen vorbeigegangen ist. Noch bedenklicher ist die Entwicklung im deutschen DFB-Nachwuchs Die U19 scheiterte zwei Jahre hintereinander schon die Qualifikation zur Europameisterschaft. Dadurch ist auch kein DFB-Team bei der U20-EM vertreten. Die U17 schied bei ihrer EM nach der Gruppenphase aus, in der es zwei Niederlagen gegen Spanien und Italien setzte. Nur den östereichischen Nachwuchs konnte das Team schlagen.

Toni Kross, ein junger Mann mit kurzen, blonden Haaren, steht im weißen Trikot auf dem Platz und lächelt
tis mit Agenturen

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