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DFB-Pokal Hertha BSC muss Demütigung hinnehmen und der 1. FC Union träumt schon vom Pokal

DFB-Pokal: Hertha verliert gegen Union und Freiburg besiegt Hoffenheim
Herthas Lucas Tousart (l-r), Herthas Kevin-Prince Boateng und Union Berlins Sebastian Griesbeck kämpfen um den Ball.
© Sören Stache / DPA
Feierlaune bei den Fans der Eisernen, Müdigkeit und Erschöpfung dagegen bei den Geschlagenen: Beim Derby im Olympiastadion setzte sich der 1. FC Union gegen den Lokalrivalen Hertha BSC durch. Und der SC Freiburg entschied die Partie gegen den TSG Hoffnheim für sich.

Die Eisernen tanzten und feierten mit ihren 200 Fans, die schon wieder geschlagenen Spieler vom Hauptstadtrivalen Hertha BSC lagen müde und enttäuscht auf dem Rasen des Olympiastadions. Der 1. FC Union hat die neuen Machtverhältnisse im Hauptstadt-Fußball eindrucksvoll manifestiert. Durch ein 3:2 (1:0) bei der Hertha zogen die Köpenicker nach zwei Jahren wieder ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein und demütigten ihren sportlich abgehängten Lokalrivalen nun auch in dessen Olympiastadion. "Wir haben alles gegeben und ich glaube, wir haben hochverdient gewonnen", sagte Unions Starspieler Max Kruse: "Wir haben Musik, wir werden noch ein bisschen feiern."

Zwei Monate nach dem souveränen 2:0 im Bundesliga-Duell war das Team von Erfolgscoach Urs Fischer im Hauptstadt-Derby am Mittwochabend spielerisch und taktisch wieder überlegen. Die Hertha stemmte sich gegen die Niederlage, zeigte aber erschreckende Defensivschwächen. "Wir verteidigen wie eine Schülermannschaft", sagte Herthas Sportdirektor Arne Friedrich bei Sky: "Es ist schwer, in Worte zu fassen."

Biss und Leidenschaft – die Derby-Tugenden auf dem Rasen

Andreas Voglsammer (11. Minute) mit einem artistischen Seitfallzieher, Niklas Stark per Eigentor (50.) und Robin Knoche (55.) trafen für den Pokal-Finalisten von 2001, der sich nach dem ersten Auswärts-Derbysieg seit elf Jahren sogar gute Chancen auf eine Rückkehr ins Olympiastadion beim Endspiel am 21. Mai ausrechnen kann. Für die Hertha traf Suat Serdar doppelt (54., 90.+4). Trainer Tayfun Korkut muss die zähe Aufbauarbeit einer verunsicherten Mannschaft fortsetzen – am Sonntag im Heimspiel der Fußball-Bundesliga gegen den FC Bayern München.

Und die Schmach für den Club aus Charlottenburg deutete sich nach nur wenigen Sekunden an. Nicht mal zehn Sekunden waren gespielt, da prüfte Max Kruse Alexander Schwolow. Nicht mal eine Minute war gespielt, da musste der Hertha-Keeper gegen Voglsammer retten. Biss, Leidenschaft – die Eisernen brachten die Derby-Tugenden direkt auf den neu verlegten Rasen, nichts davon anfangs beim Gastgeber. Die Führung der Unioner war nur die logische Konsequenz des anfangs deutlichen Leistungsunterschieds der Hauptstadtrivalen.

Aus der eigenen Hälfte schlug Dominique Heintz den Ball auf der linken Seite auf Kruse. Der 33 Jahre alte Kreativgeist der Gäste flankte in die Mitte, eigentlich ein bisschen zu weit für Voglsammer. Doch der verwertete die Hereingabe in der Luft. "Es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu", sagte Voglsammer in der ARD. Herthas Kapitän Dedryck Boyata, zurück in die Startelf, stand in der Szene viel zu weit weg.

Treffer aus dem Abseits

Die Miene von Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic verfinsterte sich und nahm die grimmigen Ausmaße vom November an bei der Derby-Pleite in der Liga. Und es wäre schon in der ersten Hälfte trotz einer allmählichen Steigerung der Korkut-Mannschaft fast noch schlimmer gekommen. Nachdem eine Flanke von Voglsammer an Starks Arm geprallt war, drohte ein Handelfmeter. Per Videobeweis wurde aber eine vorhergehende Abseitsstellung festgestellt.

Nach einer guten halben Stunde musste Andreas Luthe im Union-Tor zum ersten Mal eingreifen, eine harmlose Flanke. Dennoch fiel auf, dass die Blau-Weißen sich zurück in die Partie kämpfen wollten. Serdar traf per Kopfball das Außennetz, ansonsten fehlten aber einfach die Mittel, um das nun druckvollere Spiel in Chancen umzumünzen. Als dann der Ball in der Nachspielzeit vor der Pause doch im Netz der Gäste zappelte, brandete Jubel auf im fast leeren Olympiastadion. Wegen einer Abseitsstellung wurde Serdars Treffer aber nicht anerkannt.

Tore fielen danach in einer rasanten Anfangsphase der zweiten Hälfte. Zunächst vergab Vladimir Darida eine Riesenchance aus kurzer Distanz für Hertha. Dann ging es Schlag auf Schlag: Stark schob den Ball ins eigene Tor zum zweiten Union-Treffer, Serdar traf aus spitzem Winkel zum Anschlusstreffer für die Hertha. Doch das Problem blieb, der Wille allein reichte bei der Korkut-Mannschaft nicht. Die massiven Defensivschwächen nutzte Knoche mit einem Billard-Tor aus, drei Treffer waren Union in einem Derby gegen Hertha noch nie gelungen.

Eigentor vor fast leeren Rängen

Und auch der SC Freiburg ist dem DFB-Pokal ein Stück näher gekommen. Kunstschütze Vincenzo Grifo hat die TSG 1899  Hoffenheim aus dem DFB-Pokal geschossen und lässt den SC Freiburg vom ersten nationalen Titelgewinn träumen. Der 28 Jahre alte Italiener erzielte am Mittwochabend beim 4:1 (2:0) im Achtelfinale zwei Tore (10. Minute/36./Handelfmeter) und entschied damit frühzeitig das Baden-Württemberg-Duell zugunsten der Breisgauer. Vor nur 500 erlaubten Zuschauern machte der TSG ein Eigentor von Rückkehrer Nico Schlotterbeck (53.) nur kurzzeitig Hoffnung. Kevin Schade (55.) und Ermedin Demirovic (67.) trafen zum Endstand. Ein später zweiter Treffer der Hoffenheimer durch Ihlas Bebou wurde wegen Abseits aberkannt.

Bei Hoffenheim misslang das Experiment, Stürmer Andrej Kramaric auf der Bank zu lassen, gehörig. Die sonst so offensivstarken Kraichgauer wirkten harmlos und erspielten sich kaum Chancen. Die ganz große Gelegenheit, im nach dem Ausscheiden von Bayern, Dortmund und Leverkusen stark dezimierten Pokal etwas zu gewinnen, hat nun der Sportclub, der bei dem wichtigen Sieg auch von der Rückkehr von Torhüter Mark Flekken und Schlotterbeck profitierte. Das  Viertelfinale findet am 1. und 2. März statt.

"Wir genießen jetzt erst einmal den Abend und dann schauen wir mal, was für ein Los wir bekommen. Und dann werden wir natürlich alles, alles, alles Menschenmögliche zu machen, um gegen den nächste Gegner auch zu gewinnen", sagte Grifo im TV-Sender Sky. Hoffenheims Bebou haderte mit dem Auftritt seiner Mannschaft: "Wir waren in der ersten Halbzeit ein bisschen zu passiv. Die Freiburger haben das einfach gut gemacht."

Spiel mit Emotionen

In einer von Anfang an temporeichen Partie setzte der italienische Nationalspieler Grifo das erste Ausrufezeichen. Einen sauber vorgetragenen Konter der Gäste vollendete er mit einem sehenswerten Schlenzer. Die TSG war in der Rückwärtsbewegung viel zu langsam. Emotional wurde es nach gut einer halben Stunde, als sich TSG-Coach Sebastian Hoeneß nach einem Foul ein hitziges Wortgefecht mit Freiburgs Profis lieferte.

Diese konnten sich wenige Augenblicke freuen, nachdem Schlotterbeck den ausgestreckten Arm von Hoffenheims Bebou anschoss – Schiedsrichter Robert Schröder entschied auf Elfmeter, den wiederum Grifo sicher verwandelte. So war die Vorentscheidung schon vor der Pause gefallen. Der abgezockte Grifo stand sinnbildlich für überaus effiziente Freiburger. Die wenigen Hoffenheimer Fans forderten mit lauten Rufen eine schnelle Einwechslung von Kramaric.

Der Kroate und Stürmer Dabbur kamen dann nach der Pause auch ins Spiel, womit Hoeneß seine ursprüngliche Aufstellung korrigierte. Das half kurzzeitig. Kramaric war direkt an mehreren Szenen beteiligt: Auch das Eigentor von Schlotterbeck, der von der Linie klären wollte, leitete er maßgeblich mit ein. Doch die Freude über den Anschlusstreffer hielt nur kurz, quasi im Gegenzug vollstreckte Schade zum 3:1 und stellte damit den alten Abstand wieder her. Der Treffer von Demirovic brachte endgültig die Entscheidung.

cl DPA

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