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Ehemaliger Fußballstar in Klinik Tragödie um Paul Gascoigne


Der alkoholkranke Paul Gascoigne liegt auf der Intensivstation. In England ist man schockiert über den Zustand des einstigen Fußball-Helden. Ehemalige und aktive Spieler spenden für "Gazza".

Selbst wenn man wollte, man könnte die Parallelen zwischen Paul Gascoigne und George Best gar nicht ignorieren. Genial auf dem Fußballplatz – verloren im richtigen Leben: dieser Satz fasst die traurige Geschichte der beiden Briten zusammen. Gascoigne und Best gehören zu den besten Fußballern, die je auf der Insel gespielt haben. Doch so unberechenbar die beiden auf dem grünen Rasen agierten, so unkontrolliert gaben sie sich dem Alkohol hin. Für Best endete diese Reise im ständigen Rausch im Jahr 2005 - auch eine Lebertransplantation konnte den Nordiren nicht mehr retten. Best wurde nur 59 Jahre alt.

Paul Gascoigne ist erst 45 – doch viele befürchten, dass ihn das gleiche Schicksal ereilt wie Best. Nur viel früher. Am Sonntag wurde bekannt, dass "Gazza" in einer Klinik im US-Bundesstaat Arizona auf die Intensivstation gebracht wurde. Das bestätigte Gary Mabbutt, Gascoignes ehemaliger Mitspieler, dem britischen Fernsehsender Sky Sports. Am Montag vergangener Woche hatte sich Gascoigne nach einem Alkoholrückfall in eine Entziehungsklinik begeben. Doch offenbar war sein angeschlagener Körper zu schwach für die Behandlung.

Alte Weggefährten sind tief betroffen

"Sein Leben ist nicht in Gefahr", gab Mabbutt nach einem Gespräch mit Gascoignes Ärzten zwar zunächst Entwarnung. Doch in England sind die Sorgen groß um einen ihrer größten Fußball-Helden, dessen Stern vor allem bei der WM 1990 und sechs Jahre später bei der EM im eigenen Land leuchtete. "Ihn so zu sehen, ruft in mir die schlimmsten Erinnerungen an Georges Sucht hervor", sagte Alex Best, die Witwe des verstorbenen George Best, der "Sun". "Ich habe immer gehofft, dass Paul einen Weg findet, ohne Alkohol zu leben. Wenn er an seiner Krankheit stirbt, wäre das eine Tragödie."

Auch alte Weggefährten des 57-fachen Nationalspielers zeigten sich geschockt. "Ich hoffe, er findet irgendwie Frieden", sagte Gary Lineker, der gemeinsam mit Gascoigne bei der WM 1990 in Italien bis ins Halbfinale gestürmt war und dort gegen die deutsche Mannschaft verlor. "Aber ich fürchte, diese Hoffnungen könnten sinnlos sein." Und Alan Shearer, Torschützenkönig der EM 1996, sagte, er habe Angst vor einem Anruf wie im Falle Gary Speed vor gut einem Jahr. Der Waliser Speed hatte sich in seinem eigenen Haus erhängt.

Rooney: Gascoigne war einer meiner Helden

Die Solidarität mit Gascoigne wird in England derweil immer größer. Eine Reihe ehemaliger und aktueller Premier-League-Spieler hat Spenden gesammelt, um seinen Aufenthalt in der Entziehungsklinik mitzufinanzieren. Nach einer von der "Sun" gestarteten Kampagne gehört auch Chelseas John Terry zu den Geldgebern. "Lasst uns alle einem der größten Spieler Englands auf dem Weg der Besserung helfen", sagte der ehemalige Nationalmannschaftskapitän.

Auch Wayne Rooney, Stürmer von Manchester United, äußerte sein Mitgefühl. "Paul Gascoigne war einer meiner Helden, als ich aufwuchs", sagte er. "Was mit Paul in dieser Woche passiert ist, ist ein trauriger Moment für jeden, der den Fußball liebt. Und ich wünsche Paul nur das Beste." Er werde nie vergessen, wie Gascoigne einst bei seinem Heimatverein FC Everton gespielt habe: "Ich war erst 14 oder 15 und viel schüchterner als jetzt, und so kam ich ihm nie wirklich nahe, um mit ihm zu sprechen oder einen Rat zu bekommen", sagte Rooney.

Doch er habe "Gazza" verehrt: "Nur einige Dinge zu sehen, die er mit dem Ball anstellen konnte, war eine fantastische Erfahrung. Ich konnte es nicht erwarten, nach Hause zu rennen und meinen Freunden zu erzählen: ,Ich habe gerade mit Paul Gascoigne trainiert.'"

mxm/DPA DPA

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