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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Post von Beisi: "Lieber Jürgen Klopp ..."

Jürgen Klopp hat den BVB sexy gemacht und war eine Art Ministerpräsident des Ruhrgebiets. Micky Beisenherz gratuliert dem Kinski der Coaching Zone zum 50. Geburtstag.

Micky Beisenherz gratuliert Jürgen Klopp zum 50.

Micky Beisenherz gratuliert Jürgen Klopp zum 50. Geburtstag

Lieber ,

bitte verzeih meine Distanzlosigkeit. Zum einen komme ich aus dem Ruhrgebiet. Zum anderen hast Du Dir das auch selbst eingebrockt. Jeder will Dein Kumpel sein, ach, was red ich, jeder IST Dein bester Freund. Zumindest gefühlt. Das hat mit etwas zu tun, was heutzutage gerne unter dem Begriff "Authentizität" strapaziert wird wie Deuser-Bänder.

Du bist einfach ein so highfivefiger Typ, dass bei Dir selbst das härteste Herz zur Biertheke wird. Sowas wie Dich hatte die Liga so noch nicht gesehen. Als Du beim BVB das Traineramt übernahmst, da hießen Deine Kollegen Fred Rütten, Edmund Becker oder Jürgen Klinsmann. Und der HSV hatte in der Saison nur einen einzigen Trainer - ist also schon ganz schön lange her. 14, um genau zu sein.

Dich hätten sie damals auch haben können, scheiterten aber an der ihnen eigenen mittlerweile schon legendären Steppjacken-Borniertheit: "Der hat so eine Art Casting gemacht: flapsiger Umgang mit der Presse, Unpünktlichkeit, Löcher in den Jeans, Raucher." So ließest Du Dich zitieren.

2008 war das und der war so mittelmäßig, dass selbst der Nachbar aus Gelsenkirchen drauf und dran war, Kondolenzkarten zu schicken. Knapp bei Kasse wie Arno Dübel und grauer als Arjen Robbens lange Unterhosen. Sukzessive hast Du einen Club um- und aufgebaut, von dem man damals annehmen musste, dass das Erreichen des Pokalfinales 2008 eher so eine Art Betriebsunfall war.

Natürlich hast Du das nicht allein geschafft, das ist natürlich auch das Verdienst des viel gescholtenen Wirtschaftsweisen Aki , um nur mal einen zu nennen. Was Du aber geschafft hast, ist diesem Verein ein Gesicht zu geben. Und gleich noch ein paar fette, haarige Testikel dazu.

Jürgen Klopp - eine Art Ministerpräsident des Ruhrgebiets

Guckt sich heute noch einer mit Interesse Pressekonferenzen an? (Mit Ausnahme von Streich oder Lienen, okay.) Du und Schneck, das war so gut, das hätte bei Sky eigentlich auf dem Entertainment-Channel laufen müssen. Du hast Borussia Dortmund sexy gemacht, und fast wäre Dir das sogar bei Opel gelungen. Okay, das war gelogen.

Du wurdest nicht nur zum Gesicht des BVB, sondern einer gesamten Region. Eine Art Ministerpräsident des Ruhrgebiets, der schwarzgelb schon lange vor Laschet und Co. zur stärksten Kraft in NRW gemacht hat. Und nicht nur dort.

Ich bin mir sicher, selbst ein paar Schalker werden heimlich gejubelt haben, wenn Du die Gesichter des bajuvarischen Fußball-Establishments in den tiefroten Bereich getrieben hast. (Das 5:2 gegen Hoeneß und Co. im Pokalfinale 2012 war vielleicht ein bisschen zu viel der Demütigung. Darunter hat die Liga bis heute zu leiden.)

Du Kinski der Coaching Zone

Dass wir am Ende selbst plötzlich zu eben diesem Establishment gehören sollten, das haben wir Deinem, nennen wir es mal, unkonventionellen Stil der Menschenführung zu verdanken. Du hast jugendliche Wildheit auf die bis dato muffelige Bank gebracht, lange bevor es in der Bundesliga Usus wurde, Kinder als Trainer zu verpflichten. Kaum zu glauben, dass Du heute schon 50 wirst.

Das alleine ist natürlich schon eine Sensation. Am wenigsten daran geglaubt hätte vermutlich Dein Kardiologe. Du Kinski der Coaching Zone. Ich mein, spätestens wenn einem bescheinigt, dass man sie nicht mehr alle hat, muss man schon so weit aus sich raus gegangen sein, dass man für den Weg zurück Google Maps braucht. Gascoigne selbst ist nun auch nicht gerade für Sternstunden der Selbstbeherrschung bekannt.

In England lieben Sie Dich und Deine selbstironische Art. Was wenig verwundert: Angeblich haben sie in England ja ein Faible für Humor, sagt man. Du. "The normal one". Eine fast schon schamlose Verharmlosung. Du hast bewiesen, dass ein Brexit, wenn man ihn nur umgekehrt wählt, eine durchaus coole Sache sein kann. Bist Du da in England immer noch so hart drauf?

Du fehlst uns

Ich sehe Dich leider nicht mehr so häufig wie früher und verfolge dennoch intensiv und mitfiebernd aus der Ferne, wie weit Du Deinen neuen Club nach oben pushst. Platz 4, Champions League Quali, puh, enge Kiste, gut gemacht. Beim Weltclub Liverpool. Praktischerweise ohnehin so eine Art Dependance der schwarz-gelben Emotionsfabrik. Macht uns alle stolz, dass "unser Kloppo" es dorthin geschafft hat. Ehrlich. Trotzdem fehlst Du uns.


Immer noch. Oder gerade wieder? Man kann nur mutmaßen, wie häufig Hans-Joachim Watzke nachts schweißgebadet aufgewacht ist und Deinen Namen (oder wahlweise "Skaaaaaaaatrundeeeee!") geschrien hat. Jedes Wort über Deinen Nachfolger erübrigt sich. Man muss nicht andere herabwürdigen, um Deine Klasse herauszustellen.

Und wie sehr diese geschätzt wird, kannst Du hier bei jedem sehen, dessen Augen nur bei Erwähnung Deines Namens so feucht werden, wie es keine Bierdusche mit installierter GoPro je schaffen kann. Gut, dass Du nicht zum HSV gegangen bist. Sonst hieße es jetzt nicht "was, schon 50?!", sondern: "Was, erst 50?!"

Alles Gute zum Geburtstag, lieber Kloppo. Und verzeih diese klassentreffenartige Kumpeligkeit. Echte Liebe macht zuweilen etwas blöd.

Happy Birthday, Pöhler!


Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo