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EM 2008: Löw erstickt Torwart-Spekulation

Nach dem müden 2:2 gegen Weißrussland hält die Debatte um Jens Lehmann weiter an. Die deutsche Nummer 1 flatterte im EM-Testländerspiel einige Male bedenklich und schimpfte hinterher mächtig - auf den Ball. Und dennoch: Löw hält weiter treu zu seinem Sorgen-Keeper.

"Der Ball ist sehr schwierig für mich. Ich habe mit ihm erst seit einer Woche trainiert, er ist noch mal anders als der Vorgänger", wetterte der 38-Jährige über das offizielle Fluggerät der Europameisterschaft.

Zwei Schüsse hatte Witali Bulyga von Luch Wladiwostok dem deutschen Star-Keeper ins Netz gehauen, zumindest das 2:2 kurz vor Spielschluss schien nicht unhaltbar. "Mit zwei Gegentoren sind alle nicht zufrieden, gerade ich als Torwart nicht. Zumal ich bei beiden Schüssen noch dran war, aber nicht das Glück hatte, dass sie rausgesprungen sind", sagte Lehmann zum missglückten EM-Probelauf.

"Glaube nicht, dass wir eine Torhüter-Diskussion haben"

Lehmann, der zur Zeit mit dem VfB Stuttgart um die Fortsetzung seiner Karriere in der Bundesliga pokert, sah nicht nur beim Ausgleich unglücklich aus. Er wirkte von Beginn an unkonzentriert, klatschte einen Schuss des Hamburgers Anton Putsilo fast wie ein Volleyballer ab. Leicht gereizt auch von der eigenen Leistung merkte Lehmann am Ende an: "Ich bin doch an den meisten Toren irgendwie ein bisschen mitschuldig. Das ist leider das Schicksal eines Torwarts."

Seine Unsicherheiten führte er vor allem auf die fehlende körperliche Frische nach den Trainingstagen auf Mallorca zurück: "Wir haben vor nicht mal 48 Stunden eine der härtesten Einheiten überhaupt gemacht in diesem Jahr." So musste Lehmann nach 681 Länderspiel-Minuten erstmals wieder hinter sich greifen. Kapitän Michael Ballack trat seinem Torwart sofort zur Seite und betonte: "Ich glaube nicht, dass wir eine Torhüter-Diskussion haben."

Von Lehmann überzeugt

Löw versicherte seiner Nummer 1 direkt den nächsten Einsatz bei der EM-Generalprobe in Gelsenkirchen gegen Serbien, auch um jede Spekulation zu ersticken: "Jens Lehmann wird am Samstag im Tor stehen." Dem Bundestrainer bleibt eine reichliche Woche vor dem Turnier-Auftakt am 8. Juni gegen Polen auch gar nichts anderes übrig. Denn schon vor Wochen hatte er den risikoreichen Kurs gestützt, dass Lehmann auch ohne große Spielpraxis beim FC Arsenal London sein EM-Torwart sein kann: "Er kann das mit seiner Erfahrung ausgleichen." Genau diese fehlt Robert Enke mit 90 Länderspiel-Minuten und Nationalmannschafts-Neuling René Adler.

Nur sieben von möglichen 38 Spielen hat Lehmann 2007/08 in der Premier League absolviert, dazu kamen je drei Einsätze mit Arsenal im FA-Cup und in der Champions League. "Man spürt, dass er Praxis braucht", begründete der Bundestrainer jetzt auch die nächsten 90 Minuten für Lehmann. In der laufenden Spielzeit hat die Nummer 1 im DFB-Team schon 720 der 900 möglichen Einsatz-Minuten bekommen. Und gegen Weißrussland habe Lehmann mit guten Paraden immerhin auch "zwei, drei Tore vereitelt", bemerkte Löw und fügte an: "Wir sind von Jens überzeugt, wir vertrauen ihm."

Metzelder stärkt deutsche Nummer 1

Kapitän Ballack verwies auf den Zeitpunkt des Testspiels mitten in einer schweren Trainingsphase auch für Lehmann. "Klar, in Topform oder wenn er sich gut fühlt, hält er natürlich den Ball", bemerkte Ballack. "Ich denke, da haben wir die wenigsten Probleme." Und Kollege Christoph Metzelder fügte an: "Jens ist sehr ehrgeizig, der sich auch im Training immer wieder überprüft. Da würde ich mir keine Sorgen machen." Lehmann will sich in den noch verbleibenden Tagen bis zum WM-Start einem verschärften Torschuss-Training stellen - auch "um besser mit dem neuen Ball zurechtzukommen".

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