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Klagenfurt: Deutsche grölen Nazi-Parolen

Unschöne Szenen am Rande des Fußballspiels zwischen Deutschland und Polen: Die österreichische Polizei nahm in Klagenfurt 140 deutsche Hooligans fest. Diese hatten Nazi-Parolen gegrölt, darunter "Alle Polen müssen einen gelben Stern tragen".

Am Rande der EM-Partie zwischen Deutschland und Polen hat es allein in Klagenfurt mehr als 150 Festnahmen gegeben. Bereits am Sonntagabend nahm die österreichische Polizei mehr als 140 Personen - hauptsächlich deutsche Hooligans - in Gewahrsam, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. In der Nacht seien noch einmal mehr als 20 Personen vor allem nach alkoholbedingten Scharmützeln aus dem Verkehr gezogen worden. Ein deutscher Fan wurde ausgeraubt.

Am Sonntag hatte zunächst eine rund 60 Mann starke Gruppe vor dem Spiel Deutschland gegen Polen in den Straßen Sprüche gerufen, die an die Nazi-Zeit erinnerten, beispielsweise "Alle Polen müssen einen gelben Stern tragen". Mit Beginn der Begegnung sei eine zweite Gruppe in Erscheinung getreten. Auch diese habe Sprüche skandiert, die an die NS-Zeit erinnerten, meldete APA weiter. So hieß es etwa: "Deutsche wehrt euch. Kauft nicht bei Polen!" Beide Gruppen seien binnen kürzester Zeit von der Polizei eingekreist worden. Die Festgenommenen sollten wegen Landfriedensbruches angezeigt und des Landes verwiesen werden.

Etwa 60.000 Menschen hielten sich am Sonntagabend während und nach dem Spiel Deutschland gegen Polen in Klagenfurt auf. Zu den 30.000 Besuchern des Wörthersee-Stadions gesellten sich noch einmal 30.000 in der Innenstadt, hieß es bei der Polizei auf APA-Anfrage. Viele der Stadionbesucher dürften sich nach dem Abpfiff noch kurz zu den Siegesfeiern in die Stadt begeben haben, wo es in der Nacht noch einmal etwa 20 Festnahmen gegeben habe.

Ein deutscher Fußball-Fan wurde in der Nacht Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls. Der 22-Jährige wurde laut Angaben der Polizei von drei Unbekannten mit einem Messer und einem Schlagstock bedroht und seiner gesamte Habe beraubt, wie APA berichtete. Der Mann befand sich auf dem Weg zu seiner Unterkunft, als er von den Tätern angehalten und bedroht wurde. Mit den Worten "Money, Money" sei er gezwungen worden, 190 Euro Bargeld, die Armbanduhr, das Handy, den Fotoapparat und seinen Ring auszuhändigen. Danach verschwanden die Unbekannten in der Dunkelheit.

Weitgehend friedlich blieb es in Wien und Salzburg. Selbst ein Platzregen konnte der guten Stimmung der deutschen Fans auf dem Heldenplatz keinen Abbruch tun. Laut singend und tanzend freuten sich die Deutschen über den Sieg, wie APA berichtete. Die Polizei in Wien meldete neun Festnahmen und sprach von einem sehr ruhigen Abend. "Die Menschen haben ausgelassen gefeiert", sagte ein Polizeisprecher der APA zufolge. Die Festnahmen seien unter anderem wegen Ordnungsstörung, Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt erfolgt.

Vor dem Gewitter hatte die Stimmung völkerverbindend an ein Picknick erinnert: Fans mit Österreichflagge bejubelten das Tor der Deutschen, Kroaten sahen sich das Spiel im deutschen Trikot an, und auch die meisten Polen nahmen die Niederlage ihrer Mannschaft gefasst hin. Nur vereinzelt war der Sprechchor: "Niemand hat Euch lieb!" zu vernehmen.

AP / AP
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