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Kommentar: Jetzt erst recht

Bundestrainer Löw gesperrt, die beiden Leistungsträger Frings und Podolski verletzt - es spricht nicht viel für ein Weiterkommen im EM-Viertelfinale gegen Portugal. Auf der anderen Seite kann Negatives auch anderes bewirken - und die Deutschen zu einer kraftvollen Einheit formen.

Von Jens Fischer

Schlimmer hätte es vor dem so wichtigen EM-Viertelfinale gegen die bärenstarken Portugiesen kaum kommen können. Beim Drei-Tore-Bomber Lukas Podolski zwickt die Wade, Mittelfeld-Staubsauger Torsten Frings hat sich gegen die gemeinen Österreicher die Rippe gebrochen – und jetzt auch noch dieses Unheil: Bundestrainer Joachim Löw, der Mann, der die deutschen Kicker von außen lenken und leiten soll, wurde von der Uefa gesperrt und muss wieder hoch auf die Tribüne. Zu Boris Becker, Klara Bierhoff und den restlichen VIP-Konsorten.

Drei Hiobs-Botschaften, die der deutschen Nationalmannschaft endgültig keine Chance auf das Erreichen des Halbfinales lassen? Schließlich muss jetzt Löws Assistent Hans-Dieter Flick auf die Bank und das Kommando übernehmen. Ausgerechnet Flick, dessen Trainer-Vita die Stationen FC Bammental, TSG Hoffenheim und den österreichischen Operetten-Club Red Bull Salzburg (als Assistent!) ausweist und der während der EM bei den bisherigen Frage-Antwort-Spielen nicht immer sicher und sattelfest wirkte.

Trotz, Mut und Willen als wichtige Helfer

Flick, Frings, Podolski – im Prinzip kann das nicht gut gehen. Aber rationale Erklärungsmuster greifen im Fußball oft zu kurz, gerade das ist ja das Schöne an diesem Massen-Phänomen. Fußball ist Emotion – und das macht Hoffnung für Portugal.

Die Versagens-Angst aus dem Österreich-Spiel ist weg, gegen die Ballzauberer aus Portugal wäre alles andere als ein Ausscheiden eine Überraschung. Dazu diese Schocker im Vorfeld der Partie – das wird die Mannschaft zusammenschweißen, die Spieler zu einer Einheit verweben.

Im Fußball war Trotz schon oft ein guter Ratgeber, und über Kampf, puren Willen und ausgeprägten Mannschaftsgeist wurde schon so manches Spiel gewonnen. Außerdem: Auch die Portugiesen haben Angst. Beim letzten Aufeinandertreffen, dem Spiel um Platz drei bei der WM 2006, wurden sie von Deutschland mit 3:1 vom Platz gefegt. Das bleibt hängen – und wiegt vielleicht schwerer als drei vermeintliche Hiobs-Botschaften.

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