VG-Wort Pixel

Bundesliga

Trainersuche beim FC Bayern München Heynckes - per Ausschlussverfahren!


Die Fahndung der Bayern nach einem neuen Trainer hat ergeben: Jupp Heynckes wird es wohl werden. Leverkusens Coach bringt alles auf einen Nenner, was sich die Bayern-Bosse wünschen - und stach im Trainer-Rennen auch deshalb prominente Kandidaten aus.
Von Patrick Strasser, München

Jupp Heynckes also. Der aktuelle Leverkusener Coach soll Nachfolger von Louis van Gaal ab dem 1. Juli als Bayern-Trainer werden, ein Zweijahres-Vertrag ist angedacht. Diese Wahl ist nahe liegend, Heynckes ist ein alter Bekannter, "ein Freund des Vereins", so Präsident Uli Hoeneß. Doch trotz all seiner Qualitäten wurde der 65-Jährige im Ausschlussverfahren "entdeckt". Und am Rhein haben sich die Verantwortlichen schon damit abgefunden, dass sie nun einen Nachfolger für Heynckes finden müssen, er hat ihnen zu lange gezögert. Daher ist in diesen Tagen der Irrungen und Wirrungen auf dem deutschen Trainermarkt ein Überblick hilfreich. Also, ganz oben angefangen, denn: spätestens seit der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann, der sich seinerzeit mehr als Innenarchitekt denn als Trainer an der Säbener Straße verdient gemacht hatte, gilt bei Bayern nichts als ausgeschlossen.

Daher: Joachim Löw. Doch der ist ganz aktuell weg vom Markt. Der DFB hat Ernst gemacht, am Dienstag wurde der Vertrag des Bundestrainers und seines gesamten Stabes (Assistent Hans-Dieter Flick, Torwartttrainer Andreas Köpke) plus Teammanager Oliver Bierhoff bis zur WM 2014 in Brasilien verlängert. Löw erklärte, es habe kein Angebot des FC Bayern gegeben. Und so langfristig kann man nicht mehr planen im hektischen Geschäft.

Emo-Trainer kommen nicht in Frage

Der nächste Kandidat, bitte: Jürgen Klopp. Ihn wollte Uli Hoeneß schon einmal zum FC Bayern lotsen, er gab 2008 dem Drängen von Karl-Heinz Rummenigge nach, der beseelt war von der Idee mit Klinsmann. Na ja. Klopp beeindruckt als Dortmunder Coach, führt den BVB dieses Jahr souverän zur Meisterschaft und hat erst kürzlich die Bayern in der eigenen Arena kräftig vorgeführt. Sein Vertrag läuft noch bis 2014, er dürfte die Münchner in den nächsten Jahren noch oft an der Nase herumführen, da könnte man doch.... Nein, ausgeschlossen. Daraus wird erstmal nichts. Klopp bleibt schwarz-gelb treu, nächstes Jahr warten die Aufgaben Titelverteidigung plus Champions League. Und sonst? Lothar Matthäus? Nein, Spaß muss sein. Mal so zwischendurch. Ernsthaft kämen nur profilierte Trainer wie Ralf Rangnick, Martin Jol, Christian Gross oder Matthias Sammer - wohnhaft in München - in Frage. Doch diese sind ebenso out wie die Emo-Trainer Thomas Tuchel (Mainz) und Robin Dutt (Freiburg), die sich die Hörner erst noch bei größeren Klubs abstoßen sollen. Wie einst der Mainzer Klopp. Ihre Art, die Spieler sozial und emotional zu packen, dabei die reine Fußball-Lehre nicht zu vergessen, gefällt den Bayern-Bossen. Und was wäre mit Felix Magath, der bald wieder auf der Suche ist? Nein, natürlich auch ein Witz. Da wäre die erneute Rückholaktion von Ottmar Hitzfeld schon nahe liegender gewesen. Doch ihn erneut zu bitten, als man entschlossen hatte, den Vertrag van Gaals vorzeitig zum 30. Juni aufzulösen, kam für Präsident Uli Hoeneß nicht in Frage. "Jetzt ist eine neue Situation, er hat sich mit der neuen Aufgabe (Schweizer Nationaltrainer, d.Red.) arrangiert. Man spürt, wenn jemand etwas nicht mehr will. Das Thema ist erledigt." Und nun? Etwa Giovanni Trapattoni? Gar Udo Lattek? Nein, genug herumgealbert.

Heynckes zum dritten Mal in München

Diesmal brauchen die Granden des FC Bayern nicht einmal das Papier-Orakel. Die Legende mit der Münchner Zettelwirtschaft ist verbrieft. Es begab sich im Frühjahr 2009, als man über einen neuen Trainer für den ruhmreichen Verein befinden musste. Seinerzeit schrieben Hoeneß, Rummenigge und Beckenbauer jeweils einen Namen auf einen Zettel. And the winner was: Louis van Gaal, inzwischen einstimmig entlassen.

Er ist nur noch ein Trainer auf Zeit, wird bis Saisonende geduldet, obwohl man den Vertrag im Herbst letzten Jahres bereits bis 2012 verlängert hatte. Die Sanduhr läuft, noch rund acht Wochen, das war's dann mit der Ära van Gaal bei Bayern. Und parallel lief schon wieder die Zeit. Ein Neuer musste her. Ein neuer Trainer. Es wird ein alter Bekannter sein. Jupp Heynckes, 65 Jahre alt, soll es richten. Es wird seine dritte Station in München. Der dreifache Jupp: zum ersten (von 1987 an war er für vier Jahre im Amt, wurde zwei Mal Meister), zum zweiten (im Frühjahr 2009 sprang er nach dem Desaster mit dem Trainerpraktikanten Jürgen Klinsmann für wenige Wochen ein und rettete die Champions-League-Qualifikation) und nun also wohl zum dritten.

Man werde "zu hundert Prozent im Sommer keine Übergangslösung wählen, sondern einen Trainer, der uns erfolgreich macht", betonte Sportdirektor Christian Nerlinger. Erfolgreich und glücklich. Titel und Spaß, das ist die ideale Kombination. Uli Hoeneß beschrieb diese Fähigkeit anhand des Beispiels Ottmar Hitzfeld: "Es ist gigantisch, was der Mann geleistet und was er erreicht hat. Was ihn besonders auszeichnet, ist, dass der Mensch und der Spaß bei ihm im Vordergrund stehen. Gerade in unserer Zeit ist es extrem wichtig, dass man diese zwei Dinge miteinander verbindet. Erfolg verbunden mit Spaß - das ist die Kunst."

Mehr Erfahrung geht nicht

Dies soll nun Jupp Heynckes erneut gelingen. Er gilt trotz seiner bald 66 Jahre und dem besten Ruhestandsalter als moderner Trainer, der es ebenso gut versteht, jungen Spielern als väterlicher Förderer zu dienen und divenhaften Stars die Leviten zu lesen sowie ihnen die Lust am Spiel immer wieder neu zu wecken. Auch der smarte Umgang mit nörgelnden Reservisten ist sein Ding. Vor allem der harte, aber doch souveräne Umgang Heynckes' mit dem ehemaligen Nationalelf-Kapitän Michael Ballack, den es trotz aller Einflüsse von außen rational in die Leverkusener Mannschaft zu integrieren galt, hat den Bayern-Bossen imponiert.

Mehr Erfahrung als Heynckes kann man kaum haben - er hat schließlich Zeiten bei Real Madrid, dem FC Bayern und Schalke hinter sich. Und mehr Kompetenz wohl auch nicht, er ist der warmherzige Fußball-Lehrer à la Hitzfeld, den sich die Bosse wünschen. Und sein Ego ist auch nicht derart ausgeprägt wie das von Louis van Gaal, der keinen Widerspruch duldete. Die Fahndung der Bayern hat ergeben: Heynckes bringt alles auf einen Nenner, dazu braucht es im Kreise der Bayern-Patriarchen auch keine Abstimmung. Man ist sich einig. Ganz ohne Zettel.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker