Nationalmannschaft Zeit, Geschichte zu schreiben


Dei deutsche Nationalmannschaft präsentiert sich vor dem Halbfinale gegen die Türkei mutig und selbstbewusst. Über das taktische System werde noch zu reden sein, meinte Löw, seine Spieler zeigen sich vom nächsten Gegner unbeeindruckt. Torwarttrainer Köpke schlägt sogar große Töne an.

Im vornehmen Istanbuler Villenviertel Kandilli Hasbahce wird dieser Tage angeblich schon ein Traumhaus für Joachim Löw eingerichtet. Ungeachtet solcher Gerüchte vom Bosporus bereitet sich der Bundestrainer aber seit Samstag in seiner Luxussuite im deutschen EM-Quartier Il Giardano in Ascona auf den deutschen Halbfinalgegner Türkei vor.

"Die Türken haben ihm bisherigen Turnierverlauf gezeigt, dass mit ihnen immer zu rechnen ist, egal wie der Spielstand ist. Sie sind unberechenbar und dadurch auch gefährlich" urteilte Löw über das Team seines exzentrischen Kollegen Fatih Terim. Am Freitagabend war Löw beim Viertelfinal-Krimi zwischen den Türken und Kroaten, den er mit seinen Kollegen aus dem Trainerstab in einem separaten Raum verfolgt hatte, in seiner Meinung bestätigt worden.

Dnnoch habe er "we alle bei uns keine großartige Regung gezeigt, als unser Halbfinalgegner feststand" berichtete Bundestorwarttrainer Andreas Köpke über die Gefühlslage des Bundestrainers nach dem türkischen Sieg im Elfmeterschießen gegen Kroatien. Löw pflegt seit seiner Zeit als Cheftrainer bei Fenerbahce Istanbul (1. Juli 1998 bis 29. Mai 1999) und Adanaspor (20. Dezember 2000 bis 4. März 2001) eine besondere Verbindung zur Türkei.

Löw zu Fenerbahce?

"Ich habe dort viele Freunde, mit denen ich regelmäßig Kontakt habe" erklärte der gebürtige Badener, der im Vorfeld der WM 2006 als Assistent von Jürgen Klinsmann mit der DFB-Auswahl in Istanbul weilte und dort begeistert gefeiert worden war. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass ausgerechnet während der EM sein Ex-Klub Fenerbahce wieder die Fühler nach ihm ausgestreckt hat. Türkische Medien berichteten selbst am Samstag noch, dass in die Villa des scheidenden Fener-Trainers Zico bereits Kisten mit persönlichen Gegenständen von Löw geschleppt würden.

Über die Meldungen konnte Löw, der beim DFB noch bis 2010 unter Vertrag steht, aber nur schmunzeln. Viel mehr bewegte ihn die Frage, wie und und mit welcher Taktik er die Türken schlagen kann. "Darüber werden wir uns noch unterhalten, Grundsätzlich wollen wir an unserem 4-4-2-System festhalten", meinte der Bundestrainer, der im Viertelfinale Portugal mit nur einem Angreifer und fünf Mittelfeldspielern überrascht und irritiert hatte.

Klose will kein anderes System

Miroslav Klose, gegen die Südeuropäer einzige Sturmspitze und Torschütze, sprach sich auch für das Spiel gegen die Türken für diese Strategie aus. "Man hat gesehen, dass wir uns wohl fühlen in diesem System", erklärte der WM-Torschützenkönig, der aber zugleich betonte: "Viel wichtiger ist, dass wieder jeder für den anderen da ist. Da ist er egal, mit welchem System wir spielen."

Dies unterstrich auch Köpke, der wegen der Sperre von Löw am Donnerstagabend an der Seite von Hansi Flick auch als Co-Trainer fungiert hatte. Für den Europameister von 1996 steht unabhängig vom System ohnehin fest, "dass wir den nächsten Schritt machen und ins Finale einziehen. Es ist an der Zeit, mal wieder Geschichte zu schreiben."

Komplimente für Altintop

So weit dachten die Spieler noch nicht. Klose, der beim Gegner vor allem seinen Münchner Vereinskollegen Hamit Altintop herausstellte, warnte vor "einem schwierigen Spiel". Ähnlich bewertet auch Arne Friedrich die Aufgabe, die das deutsche Team aber erneut konzentriert angehen werde: "Wir sind jetzt wieder Favorit. Wir werden sehr hart arbeiten, uns durch nichts ablenken lassen und den Gegner nicht unterschätzen. Die größte Gefahr ist, dass man die Türken nie abschreiben darf."

Der Hertha-Kapitän hat beim Kontrahenten allerdings auch Schwächen ausgemacht: "Die haben hinten ein bisschen Probleme und konnten mich nicht so überzeugen." Über Stärken und Schwächen der Türken werden die deutschen Spieler aber erst ab Sonntag detailliert unterrichtet. Bis dahin sollten Kapitän Michael Ballack und Co. die Köpfe freibekommen. Am Samstagvormittag konnten die 23 Spieler selbst entscheiden, ob sie Tennis oder Wasserball spielen, an einer Bike-Tour oder einer Yoga-Stunde teilnehmen wollten.

Am Nachmittag stand Freizeit auf dem Programm, nachdem bereits der Freitagnachmittag den Profis zur freien Verfügung gestanden hatte und am Abend gemeinsam mit den Spielerfrauen gegrillt worden war. Löw und DFB-Chefscout Urs Siegenthaler verfolgen in Basel das Viertelfinal-Duell zwischen den Niederlanden und Russland live auf der Tribüne, ehe am Sonntagvormittag wieder eine umfangreiche Trainingseinheit auf dem Programm steht. "Ab dann zählt nur noch die Türkei", sagte Köpke.

SID SID

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