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Roberto Rosetti: Der Mann fürs Finale

Trotz des schwachen Auftritts der italienischen Mannschaft bei der EM, steht ein Italiener im Finale, Roberto Rosetti. Der 40-jährige Schiedsrichter wurde für das Endspiel nominiert - eine große Ehre für Rosetti. Dennoch hätte er lieber seiner "Squadra Azzurra" den Erfolg gewünscht.

Eigentlich wollte Roberto Rosetti seinen Einsatz im EM-Finale unbedingt vermeiden. "Schon seit meiner Kindheit bin ich einer der größten Fans der Nationalmannschaft. Der Sonntag mit dem Viertelfinal-Aus im Elfmeter-Krimi gegen Spanien war also kein schöner Tag für mich", sagte der italienische Schiedsrichter, der lieber den Fußball-Weltmeister als sich selbst im Endspiel zwischen Deutschland und Spanien am Sonntag in Wien gesehen hätte.

Doch Rosetti, der bereits das Eröffnungsspiel zwischen Co-Gastgeber Schweiz und Tschechien (0:1) sowie zwei weitere EM-Partien geleitet hat, kann auch nicht leugnen, dass ihm die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit der Endspiel-Nominierung einen Lebenstraum erfüllt hat. "Schiedsrichter zu sein, ist einfach alles für mich. Deshalb ist das EM-Finale eine wundervolle Sache", erklärte der 40-Jährige, der auf eine Journalistenfrage gerne mal mit einem fünfminütigen Monolog antwortet.

Rosetti hatte schon das Eröffnungsspiel geleitet

Ausführlich wird Rosetti, der ebenso wie der Argentinier Horacio Elizondo bei der WM 2006 in Deutschland das Turnier an- und abpfeifen wird, auch beim beliebten Thema "Schiedsrichter und ihre Fehlentscheidungen. "Die Fehler der Unparteiischen gehören zum Fußball wie die Fehler der Torhüter, der Stürmer und der Trainer. Alles das macht doch den Fußball aus", betont der Referee, der seit 25 Jahren pfeift und seit 2002 auf der Liste des Weltverbands FIFA steht.

Rosetti weiß sehr gut, wovon er spricht, denn seine bisherigen EM-Auftritte waren nicht fehlerfrei. Dennoch war der Italiener, der neben dem Eröffnungsspiel auch die Vorrundenpartie Griechenland gegen Russland sowie das Viertelfinale zwischen Kroatien und der Türkei (1:3 i.E.) leitete, schon vor der Final-Nominierung einer der Favoriten des deutschen Schiedsrichter-Lehrwarts Eugen Strigel: "Er hat insgesamt sehr gut gepfiffen."

Respekt ist alles

Auch Rosetti, der schon bei der WM vor zwei Jahren viermal eingesetzt wurde und sein Geld in Turin als Krankenhaus-Direktor verdient, will seine Leistung nicht aufgrund einzelner Entscheidungen bewerten. "Wichtig ist der Respekt, der mir von Spielern und den Trainern entgegengebracht wird. Man kann mir sagen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Das ist in Ordnung. Aber der Respekt vor dem Menschen muss bleiben", betonte der Unparteiische.

Für Rosetti steht ohnehin fest, dass Fehler in jeder Partie vorkommen und aufgedeckt werden. "Die TV-Kameras halten doch alles fest. Aber Fußball ist ein Spektakel, man kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen", sagte der Bücherwurm, der von seinen Assistenten Alessandro Griselli und Paolo Calcagno unterstützt wird. Von den Wiederholungen der Szenen auf der Anzeigetafel hält Rosetti gar nichts. "So können gefährliche Situationen unter den Fans im Stadion entstehen. Und ich bin eigentlich in erster Linie dafür da, um die Sicherheit zu garantieren", erläuterte der Referee.

Von Zuschauer-Ausschreitungen möchte Rosetti im Finale natürlich verschont bleiben: "Ich würde mich freuen, wenn es am Ende ein tolles und sportlich aufregendes Endspiel wird. Ich habe die Mannschaften in den Halbfinals live im Stadion studiert und versuche so, mich optimal auf das Finale vorzubereiten."

Alexander Sarter/SID / SID

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