VG-Wort Pixel

EM 2012 Drei Skandale vor dem EM-Endspiel

Für die Schergen der UEFA ist klar, es muss mehr Drama her. Nun wird Bildmaterial aus alten Familien-Videos live eingeschnitten. Währenddessen hat eine seriöse deutsche Tageszeitung den Skandal der EM aufgedeckt. Es gab Uhren und Klamotten für Jogis EM-Versager.

Die Uefa will Drama um jeden Preis und täuscht den Fan erneut, während bei der Bild die Recherche-Maschine angeworfen und Erschreckendes aufgedeckt wurde. Und dann darf auch noch ein Prügel-Schiri das EM-Finale pfeifen. Ein Turnier der Skandale neigt sich seinem Ende entgegen - aber lesen Sie selbst.

Live is life, Na na na na na

Religion ist das Opium des Volkes, sagte Karl Marx einst. In der heutigen Zeit ist wohl eher Fußball Opium fürs Volk. Da stört es doch auch sicher niemanden, wenn uns die Droge in der unterhaltsamsten Form verabreicht wird – so denken zumindest die Schergen der UEFA. Nach dem Führungstreffer durch Mario Balotelli zeigte die TV-Regie eine weinende Frau. Besser hätte man die betrübte Stimmung der deutschen Fans nicht verbildlichen können. Da spielt es doch keine Rolle, dass dieses Bild schon vor dem Spiel entstand und nachher reingeschnitten wurde.

Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, war die Frau bei der Präsentation der Mannschaften so gerührt gewesen, dass sie Tränen vergoss. Ob nun Rührung oder Enttäuschung, dachte sich die UEFA, die das TV-Signal für alle ausstrahlenden Sender erstellt, Hauptsache Drama! Dies war schon die zweite Inszenierung, die die Live-Berichterstattung ad absurdum führt. "Wir sind erstaunt und irritiert", sagte der ARD-Verantwortliche Jörg Schönenborn der SZ. "Diese Bilder sind für uns so nicht akzeptabel - zumal wir mit der UEFA über diese Problematik vor wenigen Tagen gesprochen hatten. Wir werden jetzt erneut das Gespräch suchen."

Im Endspiel der Europameisterschaft trifft Spanien auf Italien. Im Falle eines Balotelli-Tores erwarten wir von der Schöne-Neue-Welt-Redaktion der UEFA, die weinende Stiefmutter von Super Mario zu sehen. Die Aufnahmen stammen zwar von der Hochzeit der Schwester, aber wen interessiert das. Falls Gerard Piqué einen Elfmeter verwandelt, wird Freundin Shakira eingeblendet, wie sie sich lustvoll und ekstatisch über den wohlgeformten Körper streicht. Die Bilder stammen von der letzten Tour der Sängerin? Egal, Hauptsache heiße Spielerfrauen sind zu sehen!

Wirklich witzig wäre, wenn die UEFA-Produzenten den popelnden Jogi Löw auf der Tribüne reinschneiden würde. Davon gibt es zumindest genügend Bilder und die Welt würde denken, der enttäuschte und frustrierte Löw - was für ein Bild der EM. Wie heißt es da noch im One-Hit-Wonder der Gruppe Opus: Live is life, when we all feel the power.

Bild deckt auf: Kuschel-Luxus statt Streckbank, Frechheit!

Die renommierte Bild-Redaktion wurde im Mai mit dem Henri-Nannen-Preis in der Kategorie Investigation ausgezeichnet. Dafür musste sich das seriöse Medium von dahergelaufenen Journalisten wie Hans Leyendecker als "Scheißblatt“ (laut taz) titulieren lassen. Erschreckend! Die Bild ist den heroischen Weg monatelanger Recherche und intensiver Hintergrundarbeit weitergegangen und hat nun - nach der Wulff-Affäre - ein neues Stück Investigativen Journalismus hervorgebracht.

"Luxus Versager. So verhätschelt der DFB die Stars“, enthüllte die Bild schonungslos. Der erschreckende Inhalt (bitte lassen Sie Ihre Kinder diese Zeilen nicht lesen): Die DFB-Elf wurde mit drei Learjets, die der DFB "spendiert“ hat nach München und Dortmund geflogen. Während die abgehängten Bild-Reporter auf den Linienflug warten mussten, verschwanden die EM-Versager in den unverdienten Urlaub. "eine Welt, die für den normalen Arbeitnehmer unvorstellbar ist“, kommentiert die "Zeitung“ gewohnt bissig. Damit nicht genug. Das Luxus-Leben der Stars wurde weiter enttarnt. Jogis Jungs bekamen Uhren, Laptops und Designer-Anzüge – alles umsonst.

"Es ist eine Kuschel-Welt, in der unsere Nationalspieler beim DFB leben“, heißt das Fazit der Rechercheleistung. Auf der einen Seite das peinliche Versagen der DFB-Kicker gegen Italien, auf der anderen Seite diese Luxus-Kuschelwelt. "Ein Fall“, so hört man schon die Henri-Nannen-Preis-Jury im nächsten Jahr loben, "von größtmöglicher Fallhöhe.“ Die Reporter der Bild bleiben am Ball und so sind die Lettern der nächsten Titel schon in den virtuellen Druckmaschinen gesetzt. "Luxusurlaub statt Streckbank“, oder "Wein und Hummer statt Wasser und Brot – EM-Versager schlemmen sich die Bäuche rund“ und das während der normale Arbeitnehmer... arbeitet. Skandal!

Erst die Zähne verloren, dann Einsatz im EM-Finale gewonnen

Toni Schumacher wollte dereinst den von ihm rüde gefoulten Patrick Battiston "die Jackettkronen" zahlen, ob dazu ein Benfica-Fan nach einer Attacke auf den Final-Schiedsrichter Pedro Proença bereit war, ist nicht überliefert. Für den derzeitigen Lieblings-Unparteiischen der UEFA - schließlich durfte er bereit das Champions League-Finale pfeifen - begann das Fußballjahr 2011/12 wenig verheißungsvoll.

Im August des letzten Jahres hatte der bekennend Benfica-Fan in einem Einkaufszentrum eine unschöne Begegnung mit einem Anhänger der Lissaboner, der ihm mit einer Kopfnuss zwei abgebrochene Zähne bescherte. Den lang gehegten Groll des Angreifers hatte er sich anderthalb Jahre zuvor zugezogen, als er in einer Partie zwischen Benfica und Porto trotz einer später nachgewiesenen Schwalbe von Lisandro Lopez auf Elfmeter gegen Benfica entschied. Proenças Eingeständnis eines Fehlers wurde zumindest von diesem einem Anhänger nicht gutgeheißen.

Seine Anfälligkeit für Schwalben hat der neue Stern am Schiri-Himmel nun aber abgelegt, in den drei bisherigen Gruppenspielen der EM, eines mit italienischer, eines mit spanischer Beteiligung, stellten ihm alle ein tadelloses Zeugnis aus. Damit dürften dem persönlichen Happy-End des Unparteiischen nur noch höchstens 120 Finalminuten im Weg stehen - ganz ohne Schwalben und mit allen noch vorhandenen Zähnen mag man ihm wünschen.

sportal.de sportal

Mehr zum Thema



Newsticker