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EM 2012 EM-Historie - Komm zum Punkt! - Elfmeterschießen


Die Geschichte des Elfmeterschießens ist eine Geschichte voller Enttäuschungen. Am Anfang war die Idee, auf diese Weise eine Entscheidung herbeizuführen, eher umstritten, doch längst gehört es zum festen Bestandteil großer Turniere.

Beim 62. FIFA-Kongress im Juni 2012 in Belgrad erklärte Joseph Blatter in seiner Grundsatzrede: "Fußball kann eine Tragödie sein, wenn es zum Elfmeterschießen kommt. Fußball ist ein Mannschaftssport, und wenn es zum Duell eins gegen eins kommt, verliert er seinen Grundgedanken.“

Nun könnte man auf dem Standpunkt stehen, wenn Blatter etwas kritisiere, kann diese Sache ja nicht grundsätzlich verkehrt sein und alles bliebe besser so, wie es ist. Schließlich verdanken wir der FIFA auch solche Kopfgeburten wie das Golden und das Silver Goal, Regeln, die inzwischen im Himmel gemeinsame Feste mit den Dinosauriern feiern können. Vielleicht war es auch nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver von der Korruptionsdebatte innerhalb der FIFA, die die letzten Jahre prägte?

Die Engländer sind dagegen

In seiner heutigen Form gibt es das Elfmeterschießen seit 1970, bis dahin musste bei großen Turnieren nach Remis beziehungsweise Punkt- und Torgleichstand - falls es ein Hin- und Rückspiel gegeben hatte - entweder das Los entscheiden, oder es kam zu einem Wiederholungsspiel. Einen eindeutigen Hinweis darauf, dass Engländer in die Zukunft sehen können, gibt die Tatsache, dass die Einführung des Elfmeterschießens angeblich gegen den Widerstand des englischen Verbandes durchgesetzt werden musste.

Das erste große Turnier, das durch ein Elfmeterschießen entschieden wurde, war die Europameisterschaft von 1976 in Belgrad. Insofern ist es nicht uninteressant zu fragen, ob sich Blatter überhaupt bewusst war, dass er sich bei seiner Kritik am Elfmeterschießen beim angesprochenen Kongress auf historischen Boden befand.

Deutschland verliert

Für die deutsche Mannschaft endete das Finale gegen die Tschechoslowakei bekanntlich in einer Niederlage, übrigens der historisch einzigen, die die DFB-Auswahl je in einem Elfmeterschießen kassierte. Damals war noch nicht abzusehen, dass ein anstehende Entscheidung vom Elfmeterpunkt bei Gegnern in aller Welt regelrecht Panik auslösen könnte.

Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik bei dieser Art Entscheidungsfindung, dass es, mit Ausnahmen, vor allem die gescheiterten Schützen sind, die sich ins Gedächtnis einbrennen. Beispielhaft seien hier der Elfmeter von Roberto Baggio bei der Weltmeisterschaft 1994 im Finale gegen Brasilien genannt, mit gesenktem Haupt stand er da, während feiernde Brasilianer den Rasen stürmten. Oder der Strafstoß von Gareth Southgate gegen Andy Köpke, der bei der EM 1996 in England für das Ausscheiden der Engländer sorgte. Oder der Elfer von David Beckham im Elfmeterschießen gegen Portugal bei der EM 2004. Der Autor dieses Artikels hat einige Elfmeterschießen mitgemacht, sehr erfolgreich, aber erinnern kann er sich nur an eins ... in welchem Rahmen ist dabei völlig unwichtig.

Ausnahmen? Aus deutscher Sicht wären da vor allem zwei zu nennen. Zum einen der entscheidende Elfmeter von Andy Möller bei der EM 1996 im Halbfinale gegen England, weniger wegen der erfolgreichen Durchführung als vielmehr wegen der Feierpose im Anschluss als erfolgreicher Stierkämpfer, mit der er den Einzug ins Finale markierte.

Zum anderen der rotzfreche, überragend geschossene, spielentscheidende Strafstoß von Antonin Panenka im Finale der Europameisterschaft 1976 gegen Sepp Maier, als er der Katze von Anzing mit einem zarten Heber in die Mitte eine Erinnerung für’s Leben bescherte. Danach durften die Tschechoslowaken feiern.

Uli Hoeneß erschafft einen Stern

Dafür hatte Uli Hoeneß mit einem Strafstoß gesorgt, den er in den Belgrader Nachthimmel jagte, quasi die Schablone für die Elfmeter von Baggio und Beckham. Die Sportschau nahm das damals zum Anlass, einen Bericht zu senden nach dem Motto: Deutschland übt das Elfmeterschießen, in dem "Fußballlaien" sich in dieser Disziplin beweisen durften. Für Spott war also gesorgt. Allerdings war auch der Grundstein dafür gelegt, dass die DFB-Auswahl nie mehr ein Elfmeterschießen (fünf sollten bis zum heutigen Tag noch kommen) verlor. Denn ab sofort wurde dies auch trainiert.

Olaf Edig

sportal.de sportal

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