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EM 2012: Italien und Spanien trennen sich 1 -1

Italien steht nur hinten und Spanien macht das Spiel? Das gängige Vorurteil bestätigten beide Mannschaften zum Auftakt der Gruppe C nicht. Italien zeigte mit neuem System und Abwehrchef de Rossi eine tolle Defensivleistung, setzte aber auch offensiv Akzente. Di Natale und Fabregas trafen in einem phasenweise hochklassigen Spiel.

Die durch verletzungsbedingte Ausfälle, den Wettskandal, Erdbeben in Italien und die Testspielniederlage gegen Russland insgesamt völlig verkorkste Vorbereitung der Italiener hat keine Spuren hinterlassen.

Dank der Umstellung Cesare Prandellis auf ein 3-5-2 und der Beförderung des etatmäßigen Mittelfeldspielers Daniele de Rossi zum Abwehrchef kam die Squadra Azzurra in einem bemerkenswerten und teilweise hochklassigen Spiel gegen Welt- und Europameister Spanien zum Auftakt der EM-Gruppe C zu einem verdienten 1:1 in Danzig.

Der eingewechselte Antonio di Natale ließ Italien nach seinem Führungstreffer (61.) sogar kurzfristig vom Sieg träumen, ehe Cesc Fabregas (64.) allerdings der schnelle Ausgleich gelang

Italiens de Rossi defensiv wie offensiv stark

In der torlosen ersten Hälfte zeigte das von Cesare Prandelli komplett umformierte Italien eine starke Vorstellung. Das Abwehrchaos aus dem Testspiel gegen Russland war komplett vergessen. Die Entscheidung, den etatmäßigen Mittelfeldspieler Daniele de Rossi zum zentralen Mann in der Dreierkette neben Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini zu machen, ging voll auf. Der Römer war bei Angriffen der Spanier der Turm in der Schlacht und ordnete geschickt seine variable Defensive.

Italien zog sich bei Angriffen der Gegner geschickt zurück – zu den drei Verteidigern gesellten sich je nach Situation noch zwei Mittelfeldspieler. So stellten sie den Spaniern, die auf eine echte Sturmspitze verzichtet hatten und mit Cesc Fabregas flankiert von Andres Iniesta und David Silva aufgelaufen waren, durch geschicktes Stellungsspiel die Pass- und Laufwege zu. Ihr schnelles Kurzpassspiel konnten die Spanier so nicht zur Entfaltung bringen. Die einzige richtige Chance vergab Iniesta nach Zuspiel von Xavi

Aber auch die Italiener versteckten sich bei aller Defensivordnung nicht. Vor allem de Rossi machte sich um den Spielaufbau verdient. Insgesamt hatten Italiens Vorstöße deutlich höheres Tempo als die der Gegner und wurden in der packenden und im mitunter bissig geführten Partie mit den besseren Chancen belohnt. Antonio Cassano hatte den Ball von der linken Seite an den Strafraum gebracht, der Direktabnahme von Claudio Marchisio fehlte allerdings die nötige Wucht und wurde ebenso zur Beute von Iker Casillas wie ein Kopfball von Thiago Motta aus kurzer Distanz ebenfalls nach Cassano Vorarbeit kurz vor dem Pausenpfiff.

Fabregas gleicht di Natales Führungstreffer aus

Gegenüber Gianluigi Buffon hatte dank seiner Vorderleute in der ersten Hälfte noch einen relativ ruhigen Frühabend verleben dürfen, bekam nach dem Seitenwechsel mehr zu tun. Zunächst musste er einen Schuss von Fabregas auf das linke untere Eck entschärfen. Das Spiel nahm an Tempo auf, beide Teams verabschiedeten sich auch von taktischen Zwängen, sodass sich ein echter Schlagabtausch mit vielen Torszenen in rascher Folge entwickelte.

Nachdem Mario Balotelli eine dicke Möglichkeit leichtfertig vergeben hatte und für di Natale weichen musste, bugsierte der Udinese Calcio-Stürmer nur 237 Sekunden nach seiner Einwechslung und einem Steilpass von Andrea Pirlo den Ball zum 1:0 ins Netz. Die Freude währte aber nur drei Minuten, dann kam der Ball über Iniesta und Silva in den Strafraum, wo Fabregas angerauscht kam und zum 1:1 traf.

Beide Trainer wechselten. Bei Italien kam Sebastian Giovinco für Cassano, bei Spanien Jesus Navas für Silva und Fernando Torres anstelle von Fabregas. Giovinco bereitete einen Volleyschuss von di Natale vor, der knapp am Tor vorbeirauschte. Insgesamt ließen bei den Italienern aber mit zunehmender Spieldauer Konzentration und Kraft etwas nach.

Spaniens Kurzpassspiel funktionierte besser und so hätte Torres nach Doppelpass mit Xavi fast die Entscheidung vergeben, als er einen Lupfer über den herausstürmenden Buffon und das Tor bugsierte, anstatt den freistehenden Navas anzuspielen. Aber auch Italien vergab noch eine dicke Möglichkeit, als Marchisios Abschluss freistehend vor Casillas den nötigen Druck vermissen ließ.

Malte Asmus

sportal.de / sportal

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