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2:4 gegen Deutschland: Jamas! Griechen feiern trotz Niederlage

Aus und vorbei, Griechenland ist raus aus der Europameisterschaft. Ausgerechnet gegen die Deutschen. Das tut der Stimmung bei den Griechen in Offenbach - der Stadt mit der größten Griechen-Dichte in Deutschland - aber keinen Abbruch.

So sehen keine Verlierer aus: Kurz nach dem Schlusspfiff beim EM-Viertelfinale springen die Griechen in der Grillbar Taverna in Offenbach auf und tanzen Sirtaki, Teller zerscheppern, der Ouzo macht seine Runde. "Jamas", prostet man sich gut gelaunt zu - und schwingt die blau-weiß-gestreifte Fahne. "War ja von vorneherein fast sicher, dass die Deutschen gewinnen", sagt Jannis Cholevas, der in der hessischen Stadt zuhause ist, seine Tischnachbarin sitzt eingehüllt in die Griechen-Flagge und schaut trotz allem ein wenig enttäuscht. In Griechenlands Hauptstadt Athen sitzt die Enttäuschung dagegen etwas tiefer.

Schon zu Beginn des Spiels ist die Stimmung in manchen der proppevollen Bars, Restaurants und Cafés in der griechischen Hauptstadt leicht aggressiv. Kaum erscheint Kanzlerin Angela Merkel auf dem Fernsehbildschirm, entbrennt eine ohrenbetäubende "Buh"-Welle. Schimpfwörter fliegen durch die Luft, "Fuck Merkel, fuck Merkel" und "I hate Germans" skandieren einige.

Für so manchen deutschen Fan ist es nicht immer angenehm in Athen an diesem Abend. Nur wenige outen sich daher als Deutsche, so zum Beispiel Sabrina Preuß aus Übach-Palenberg bei Aachen. Mit ihrer aufgemalten schwarz-rot-goldenen Flagge im Gesicht zieht sie den Ärger einiger halbstarker Griechen auf sich. Genauso wie Gunnar aus Köln: "Hier sind auch Gläser geflogen, es war zum Teil schon eine aggressive Stimmung - aber das gilt auf keinen Fall für ganz Griechenland, das ist hier die absolute Ausnahme", sagt er. Nachdem der zwischenzeitliche Ausgleich die Griechen in Euphorie versetzt, müssen sie zum Schluss die Stärke des deutschen Teams anerkennen - und bleiben dabei weitgehend gelassen. "Wir haben uns gut geschlagen - und den Euro haben wir immerhin auch noch", sagt ein älterer Mann auf dem Heimweg.

Sportlich-politischer Abend in Offenbach

Würde die Nationalität der Gäste zählen, wäre der Abend in Offenbach wohl eher unentschieden ausgegangen. Mal werden griechische Fahnen an den Tischen geschwenkt, mal deutsche. Wirt Sideris Christoforos hat sein kleines Lokal am zentralen Wilhelmsplatz in der Innenstadt mit fünf Flachbildschirmen in ein kleines EM-Studio verwandelt, nach dem Turnier will er sie versteigern. Hinter den Fernsehern dreht sich der Gyrosspieß, während Sideris einen Blick auf die Gäste, den nächsten auf den TV-Schirm wirft. "Bei uns fehlt der beste Mann, unser griechischer Schweinsteiger, zweite gelbe Karte", sucht der Wirt nach einer Erklärung.

Gute Laune beim Kicken, Wut im Bauch bei der Politik: Immer wieder entfernt sich das Gespräch zwischen Deutschen und Griechen vom Fußball - vor allem dann, wenn die jubelnde Kanzlerin Angela Merkel zu sehen ist. Dann werden die Griechen - im Gegensatz zu den aggressiven Landsleuten in Athen - vor allem ernst: "Es gibt natürlich eine schlechte Stimmung zwischen Griechen und Deutschen wegen der aktuellen EU-Lage", sagt Jannis. "Aber das überträgt sich nicht auf die Spieler."

Bei den Fans sieht das wohl anders aus: Der 46-Jährige braucht nur wenige Momente, um nach dem Führungstor der Deutschen auf die EU-Rolle der Deutschen und die Mängel der Integrationspolitik zu sprechen zu kommen. "Weißt Du, wie ich mich fühle, wenn ich mich als Offenbacher im Videoladen wegen meines griechischen Passes rechtfertigen muss?"

"Wir feiern trotzdem. Wir sind ein lustiges Volk"

Wirt Sideris, in dessen Heimatstadt die größte Griechen-Dichte in der Bundesrepublik herrscht, sieht es mit einem Augenzwinkern: Neben seinen Speisekarten in der Grillbar steht ein kleines Plakat, es zeigt den Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und einen griechischen Spieler. Unter dem Motto "... denn Wimpel sind doch nichts für gute Freunde" reicht Philipp Lahm dem Gegner einen Koffer voller Euroscheine - im Gegenzug wird dem Deutschen ein Tablett mit Ouzo angeboten.

Als am späten Abend das EM-Aus für die Griechen schließlich besiegelt ist, bricht die gute Stimmung keineswegs ab. "Wir feiern trotzdem. Wir sind ein lustiges Volk", sagte Irin Tachou. Die deutsch-griechischen Beziehungen sieht sie durch das Ergebnis nicht belastet: "Das ist ja nur in der Politik", sagt sie - und wird von ihren Freundinnen zum Sirtaki gerufen.

dho/DPA / DPA

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