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Nach der Niederlage im EM-Halbfinale Die alte Heimat steht geschlossen hinter Jogi


Der Traum vom EM-Sieg ist geplatzt, doch die Fans in seiner Heimat halten dem Bundestrainer die Treue. Schönau im Schwarzwald setzt auf die Weltmeisterschaft 2014 - mit Joachim Löw als Trainer.

An Beistand hat es nicht gemangelt. In Schönau im Schwarzwald, der Heimat von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, haben fast alle die Daumen gedrückt - vergeblich. "Es hat nicht sollen sein", sagt Schönaus katholischer Pfarrer August Schuler. "Es ist keine Schande, gegen einen so starken und agilen Gegner wie Italien zu verlieren." Der Pfarrer hat, wie viele in Schönau, das Aus der deutschen Elf unter Löws Führung am Donnerstagabend im örtlichen Fußballstadion auf der Großleinwand verfolgt. Obwohl es nun Kritik der Match-Taktik hagelt, zweifeln die Schönauer nicht an Löws Trainerqualitäten.

In Schönau, der knapp 2500 Einwohner zählenden Gemeinde im Schwarzwald, sind sie noch immer stolz auf den DFB-Chefcoach. Das Vertrauen in Löw ist ungebrochen. "Joachim Löw hat selbst gesagt, dass er nach dieser EM die Weltmeisterschaft in zwei Jahren in Brasilien im Blick hat. Wir halten das genauso", sagt Pfarrer Schuler, der Löw seit dessen Kindheitstagen kennt und jedes seiner Spiele verfolgt.

Schönaus Bürgermeister Bernhard Seger will auch nicht lange trauern. "Zum Sieg gehört immer auch Glück. Und das hat uns gefehlt", sagt er. "Wir alle hier in Schönau hätten es Jogi gegönnt, dass er als Nationaltrainer seinen ersten Titel holt." Doch Löw habe in der Stunde der Enttäuschung Größe gezeigt. "Es gibt wohl kaum jemanden, der mit dieser bitteren Niederlage cooler und professioneller umgegangen ist." In seiner Heimat finde Löw Ruhe und könne nach der Enttäuschung wieder Kraft tanken. "Wir werden ihn mit offenen Armen empfangen und jeden Rummel vermeiden."

Löw ist in Schönau geboren und aufgewachsen, beim örtlichen FC 08 hat er die ersten Bälle getreten und damit den Grundstein für seine Fußball-Karriere gelegt. Zudem lebt seine Familie hier. Der Trainer wohnt rund 40 Kilometer entfernt in der Nähe von Freiburg.

"Joachim Löw hat seit seinem Amtsantritt eine junge und motivierte Super-Mannschaft aufgebaut. Bei der Weltmeisterschaft wird er für Deutschland erfolgreich sein", sagt Ermis Mehmet, Vorsitzender und Trainer des FC 08 Schönau. Löws Konzept wirke nachhaltig und werde aufgehen. "Er ist keiner, der einzig und allein an den nächsten Titel denkt." Über die Hauptstraße hat die Gemeinde ein großes Transparent gespannt: Schönau wünscht dem Nationaltrainer für die EM 2012 viel Glück. Es soll nun erst einmal hängen bleiben. "Als Zeichen der Verbundenheit mit unserem Bundestrainer", sagt der Bürgermeister.

In Freiburg beim Italiener, bei dem Löw oft seinen Espresso trinkt, war die Freude über den Sieg Italiens groß. "Wenn Jogi wieder kommt, wird es kein Problem geben", sagt einer der Stammgäste. "Jogi ist keiner, der anderen den Sieg neidet." Als Fußballtrainer sei Löw schon heute Kult. "Keiner kann es cooler als er."

Jürgen Ruf, DPA DPA

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