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Torloser DFB-Star: Warum Thomas Müllers Krise gar keine Krise ist

Läuft bei der deutschen Nationalmannschaft - aber Thomas Müller hat das Glück verlassen. Nur gut, dass sich kein Spieler der Welt seinen Problemen so furchtlos stellt wie einer der zuverlässigsten Torschützen der letzten Jahre.

Thomas Müller läuft mit gesenktem Kopf über den Rasen

Thomas Müller schleicht nach seinem verschossenen Elfmeter gegen Italien mit gesenktem Kopf über den Rasen

In der Fußball-Talkshow "Doppelpass" werden die Fragen gerne ein bisschen spitzer formuliert. "Muss Thomas Müller wirklich immer spielen?", hieß deshalb ein Diskussionsansatz in der aktuellen Ausgabe - frei nach der legendären Einschätzung des früheren Bayern-Trainers und Müller-Förderers Louis van Gaal, dass Müller eben immer spielen müsse.

Nur wenige Stars der Fußballgeschichte verkörpern den Typus des Spielers, bei dem immer was geht, so konsequent wie Thomas Müller - spontan fällt einem höchstens noch sein Namensvetter Gerd ein. Einen Müller wechselt man nur ungern aus. Aber was tun, wenn der ausgewiesene Turnierspieler Thomas Müller ausgerechnet während eines Turniers zunächst keine Torchancen hat, dann keine Torchancen nutzt und zum vorläufigen Höhepunkt einen Elfmeter im Elfmeterschießen kläglich vergibt? Die Antwort: Keine Panik kriegen - und Müller weiter machen lassen.

Thomas Müller macht und tut und lässt keine Krise zu

Denn das Beruhigende an Müllers Krise, die genau deshalb keine Krise ist: Müller macht. Er macht und tut und gibt der alten Phrase von dem Kampf, über den man ins Spiel zu finden versucht, ihre ursprüngliche Bedeutung zurück. Er stellt sich auf dem Platz und außerhalb. Müller kann Krise, weil er die Krise gar nicht erst zulässt. Und so ist der zuverlässige WM-Torjäger bei dieser EM noch ohne persönliches Erfolgserlebnis, sein Wert für die Mannschaft bleibt aber unverändert hoch.

Im Gegensatz zu Pep Guardiola, der Müller in dessen für seine Verhältnisse zugegebenermaßen mittelprächtigen Rückrunde auch schon mal auf die Bank setzte, weiß Bundestrainer Joachim Löw das. "Ich kenne ihn schon länger. Er lässt sich nicht davon runterziehen, dass er noch nicht getroffen hat. Und ich habe bei ihm das Gefühl, dass er ein Tor macht, wenn wir es wirklich brauchen."

Auch ZDF-Experte Oliver Kahn sang am Tag nach dem Italien-Spiel gegen den Trend eine Hymne auf den Ur-Bayern und lobte dessen einzigartige Mentalität, die er in der für ihn nicht leichten Situation zeigt. Wie Müller sich in jede Spielsituation werfe und gleichzeitig trotz eigener Probleme seine Mitspieler motiviere und pushe, beweise nur, was für ein "Superspieler" Müller sei.

"Die Tore kamen zu ihm, selbst wenn er nicht wollte"

Müller muss also weiterhin immer spielen, so furchtlos und unbeirrt, wie es auch in harten Zeiten seine Art ist. Im "Doppelpass" wurde das zwar in Frage gestellt, aber die Diskussionsrunde war sich ziemlich einig, dass Müller muss. Eben weil er macht und tut. Und dass das Glück irgendwann mit den Tüchtigen sein wird, hob Reporter Wolff Fuss in der Runde noch einmal hervor: "Bei Thomas Müller war es über Jahre auch so, dass die Tore zu ihm gekommen sind, selbst wenn er nicht treffen wollte. Ich kann mich an ein Champions-League-Spiel in Piräus erinnern: Da wollte er flanken, da hat er dann ins Tor geflankt."

Vielleicht gelingt Müller so eine Flanke ja schon am Donnerstag wieder. Im EM-Halbfinale gegen Frankreich, einem Spiel, in dem Müller natürlich spielen muss. Wie immer.

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