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Ungarns "gewalttätigste Gruppe der Kurve" Polizei verhindert Blocksturm: Das ist die "Carpathian Brigade"

Leon Goretzka (l.), Kevin Volland und Jamal Musiala nach dem Tor zum 2:2, im Hintergrund die als gewaltbereit geltenden Anhänger der sogenannten "Carpathian Brigade" sowie Einsatzkräfte der Polizei
Leon Goretzka (l.), Kevin Volland und Jamal Musiala nach dem Tor zum 2:2, im Hintergrund die als gewaltbereit geltenden Anhänger der sogenannten "Carpathian Brigade" sowie Einsatzkräfte der Polizei
© Markus Gilliar / Picture Alliance
Sie gelten als ultrarechts und gewaltbereit: Anhänger der sogenannten "Carpathian Brigade" haben beim Spiel zwischen Deutschland und Ungarn erneut für hässliche Szenen gesorgt. Die Gruppierung wollte sogar einen anderen Fanblock stürmen.

Schon vor der Partie fielen sie in der Münchner Innenstadt mehrfach negativ auf. Später im Stadion provozierten sie mit homophoben Sprechchören und Pöbeleien in Richtung Spielfeld: Ungarische Hooligans und Ultras haben bei der Fußball-EM erneut für hässliche Bilder gesorgt. Laut Angaben der Polizei drohte die Lage in der Allianz Arena am Mittwochabend sogar kurzzeitig zu eskalieren. Demnach war es bereits vor Anpfiff nur dem Einsatz von Ordnern und Polizeikräften zu verdanken, dass die mehrheitlich in schwarz gekleideten Anhänger am Sturm auf einen benachbarten Block mit Deutschland-Fans gehindert werden konnten.

Die Polizei selbst hatte im Vorfeld des letzten Vorrundenspiels der Gruppe F zwischen der DFB-Elf und Ungarn mit rund "200 Anhängern von problematischen Fangruppierungen" gerechnet, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Auch wenn einigen Personen im Vorfeld wegen des Mitführens von Pyrotechnik die Eintrittskarten entzogen worden waren, schaffte es der Großteil dennoch ins Stadion. Darunter zahlreiche Problem-Fans der sogenannten "Carpathian Brigade", die von Experten als eine paramilitärisch organisierte Gruppierung eingeschätzt wird und deren Mitglieder als ultrarechts und gewaltbereit gelten. "Sie sind die gewalttätigste und auch einflussreichste Gruppe in der Kurve", sagte Bálint Josá, Gründer einer Organisation gegen Diskriminierung und Rassismus im ungarischen Fußball, 2016 dem Magazin "Vice".

Josá zufolge wünschen sich die in der Neonazi-Szene zu verortenden Anhänger die alten Territorien und Grenzen von Großungarn aus den 1920er-Jahren zurück. Auch der Name verrate diese Gesinnung. So kämpfte während des Zweiten Weltkriegs unter gleichem Namen eine paramilitärische Einheit als Kollaborateur Nazideutschlands in mehreren Ländern.

 

Festnahmen und Hitlergruß in Münchner Innenstadt

Die Anhänger sollen laut Münchner "Abendzeitung" auch schon vor der Partie durch homophobe und rassistische Sprechchöre in der Innenstadt aufgefallen sein, ein Anhänger habe den Hitlergruß gezeigt, hieß es. Im Stadion machte der Zusammenschluss von Hooligans und Ultras verschiedener Klubs aus Ungarn damit dann weiter. Schon vor Anpfiff schallte es "Deutschland, Deutschland, homosexuell" durch das Rund. Geltende Abstandsregeln und die Maskenpflicht ignorierten die Anhänger durchweg. Laut Polizei kam es vereinzelt zum Zünden von pyrotechnischen Gegenständen. 

Beim erwähnten Versuch, einen benachbarten Fan-Block zu stürmen, habe ein Anhänger die Beamten mit einer Flasche beworfen. Verletzt wurde dabei zum Glück niemand, der Werfer selbst sei wenig später festgenommen worden und müsse sich nun wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten, teilte die Polizei mit.

Weil die Stimmung im Spielverlauf immer aggressiver wurde, erhöhte die Polizei die Anzahl der Einsatzkräfte im Gästeblock schon zu Beginn der zweiten Halbzeit. Aus Sorge vor einem Platzsturm nach Abpfiff seien zudem Polizisten vor dem Block postiert worden. Wohl auch aufgrund dieser Polizeipräsenz blieb es dann trotz des EM-Aus für Ungarn im weiteren Verlauf des Abends und der Nacht ruhig. 

Frankreich-Stars rassistisch beschimpft

Anhänger der "Carpathian Brigade" hatten bereits im ersten Vorrundenspiel der Ungarn gegen Portugal in Budapest mit gezielten Provokationen gegen Superstar Cristiano Ronaldo für negatives Aufsehen gesorgt. Und auch in der zweiten Gruppenpartie gegen Weltmeister Frankreich sorgten sie für einen Eklat. So sollen sie die französischen Nationalspieler Kylian Mbappé und Karim Benzema immer wieder rassistisch beschimpft und mit Affenlauten bedacht haben, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor wenigen Tagen berichtete. 

Ungarns "gewalttätigste Gruppe der Kurve": Polizei verhindert Blocksturm: Das ist die "Carpathian Brigade"

Die Uefa teilte daraufhin am vergangenen Sonntag mit, wegen "möglicher diskriminierender Vorfälle" Ermittlungen eingeleitet zu haben. Ob auch die jüngsten Vorfälle in München untersucht werden, blieb zunächst unklar.

Quellen:Polizei München / "Abendzeitung München" / "Vice" / DPA

mod

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