EM-Qualifikation Italien Auf den letzten Drücker

Ein Blitztreffer von Luca Toni und ein Last-Minute-Tor von Christian Panucci haben Weltmeister Italien den Weg zur Fußball-Europameisterschaft geebnet. Die Rettung in letzter Minute hat jetzt die Negativschlagzeilen nach den Gewaltakten in der Heimat in den Hintergrund gedrängt.

Der Stürmer des FC Bayern München brachte die Azzurri am Samstagabend nach nur 63 Sekunden in Führung, Panucci sorgte nach einem unberechtigten Freistoß in der Nachspielzeit für den 2:1 (1:0)-Siegtreffer. Barry Ferguson (65.) hatte im Hampden Park von Glasgow zwischenzeitlich ausgeglichen. Durch den Erfolg der Italiener steht auch das spielfreie Frankreich als Teilnehmer für das Turnier in Österreich und der Schweiz fest.

Die WM-Finalisten können am letzten Spieltag nicht mehr von den ersten zwei Plätzen der Gruppe B verdrängt werden. "Ich bin überwältigt", sagte Italiens Trainer Roberto Donadoni. Für Schottland ist der EM-Traum hingegen geplatzt. Die Bravehearts schließen die Qualifikationsrunde als Dritter der Gruppe ab und müssen weiter auf ihre erste EM-Teilnahme seit 1996 warten.

Im strömenden Regen von Glasgow erwischten die nach dem Tod eines Fans mit Trauerflor angetretenen Italiener einen perfekten Start. Antonio di Natale bediente im Strafraum Toni, und der Bayern- Angreifer zeigte mit einem Schuss per rechtem Außenrist seine Klasse. Nach dem Spiel gedachte der Wahl-Bayer dem am vergangene Sonntag getöteten Lazio-Fan. "Es ist unsere Pflicht, diesen Sieg Gabriele Sandri zu widmen", sagte Toni. Trainer Donadoni macht die unterlegenen Schotten zum Fair-Play-Vorbild für Italien. "Von ihrem Verhalten auf und abseits des Platzes können wir lernen."

Rettung vor bitterem Los

Die Schotten brauchten einige Minuten, um sich von dem Schock des Rückstands zu erholen. Toni traf bei einer weiteren Gelegenheit das Außennetz (13.). Doch dann machten die Schotten angetrieben von ihren weiter leidenschaftlichen Fans mächtig Druck. Als Zambrotta (16.) den Ball im Strafraum mit angelegtem Arm blockte, forderten die Hausherren Strafstoß.

Bei Alan Huttons Kopfball (18.) parierte der wegen des widrigen Wetters mit turbanähnlicher Mütze angetretene Italien-Keeper Gianluigi Buffon. Glück hatte Schottland, dass Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzales einen regulären Treffer von di Natale (31.) wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannte. Kurz vor der Halbzeit jubelten die Schotten schon, doch Andrea Pirlo klärte David Weirs Kopfball auf der Torlinie.

In der zweiten Halbzeit kontrollierten die Italiener zunächst das Spiel, ohne sich weitere Torchancen zu erspielen. Doch auf der Gegenseite fiel ein Treffer: Nach einem Freistoßabpraller war Ferguson zur Stelle. Obwohl er im Abseits stand, wurde der Treffer anerkannt. Die Italiener dürfte dies nicht weiter stören, denn Panucci sorgte mit einem Kopfball-Treffer in der Nachspielzeit für großen Jubel. Die Azzurri entgingen dem Schicksal, sich zum zweiten Mal nacheinander als amtierender Weltmeister nicht für die dann folgende EM qualifizieren zu können. Nach ihrem WM-Triumph 1982 hatte sie bei den kontinentalen Titelkämpfen 1984 in Frankreich zuschauen müssen.

Arne Richter/DPA


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