EM-Qualifikation Kein Schönheitspreis, aber drei Punkte


Ein Fußballfest war es nicht, das 1:0 gegen Irland, eher ein Festival der vergebenen Chancen. Doch die deutsche Elf sicherte sich drei Punkte in der EM-Qualifikation - und gewann wichtige Erkenntnisse.

Das Daumendrücken von Jürgen Klinsmann half, auch wenn der Übergang in den EM-Qualifikations-Alltag nicht mit weltmeisterlicher Leichtigkeit gelang. Der ehemalige Bundestrainer hatte seinen Freund Joachim Löw extra angerufen und viel Glück gewünscht - und das brauchte der neue Projektleiter beim mühevollen 1:0 (0:0) der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Irland auch. Nach dem wichtigen Auftaktsieg kann Löw an diesem Montag mit seinem kompletten 19-Mann-Kader einschließlich des angeschlagenen Manuel Friedrich (Kapselverletzung am Sprunggelenk) ganz entspannt den Betriebsausflug in den Zwergstaat San Marino antreten.

"Manchmal ergibt auch eine schwere Geburt ein schönes Kind", sagte Löw nach seinem ersten Pflichtspielerfolg mit Blick auf den von ihm angepeilten EM-Titelgewinn 2008. Nahziel ist aber zunächst der von ihm fest eingeplante Start nach Maß mit sechs Punkten aus den ersten beiden Qualifikationsspielen. "Jetzt wollen wir in San Marino nachlegen", sagte Löw und richtete damit den Blick gleich wieder nach vorne.

WM-Stimmung im Daimler-Stadion

Vor Spielbeginn und nach dem erlösenden Abpfiff saugten die deutschen Spieler noch einmal intensiv die weltmeisterliche Stimmung im ausverkauften Daimler-Stadion in sich auf. 40.000 Menschen auf der Stuttgarter Fan-Meile und knapp elf Millionen vor den TV-Geräten dokumentierten ebenfalls ihre ungebrochene Lust am deutschen Team. "Die Mannschaft hat eine unglaublich große Identifikation mit den Zuschauern geschaffen", stellte Löw überwältigt fest.

Während des Spiels mischten sich aber einige Schrecksekunden in die Party-Atmosphäre, die 90 Minuten waren geprägt von harter Arbeit. "Jetzt wissen wir, was Qualifikationsspiele sind", meinte Bastian Schweinsteiger beeindruckt. "Da ist kein Schönheitspreis zu gewinnen", betonte Ballack, der noch weit entfernt von seiner Bestform kein Denker und Lenker des deutschen Spiels war. "Es war erst mein zweites Spiel in der Saison. Ich brauche natürlich Spiele, um reinzukommen", warb der zum englischen Meister FC Chelsea gewechselte Kapitän um Nachsicht.

"Kein Fußball-Zwerg"

Angesichts der Auftakterfolge von Tschechien (2:1 gegen Wales) und der Slowakei (6:1 gegen Zypern) war der Start mit einem "Dreier" beim Kampf um eines der beiden EM-Tickets in Gruppe D aber die Hauptsache. "Die ersten Punkte sind immer am wichtigsten", sagte Torsten Frings. "Und Irland ist ja kein Fußball-Zwerg", kommentierte Philipp Lahm.

"Poldi" überflügelt Müller und Klinsmann

Löw fühlte sich an das 1:0 in der WM-Vorrunde gegen Polen erinnert, als das erlösende Siegtor sogar erst in letzter Sekunde fiel. Gegen die Iren war beim ersten Erfolg seit 27 Jahren ausgerechnet Lukas Podolski der Erlöser. Dem Bayern-Reservisten gelang mit seinem Freistoßtor in der 57. Minute auch ein persönlicher Befreiungsschlag. "Hauptsache, der Ball ist drin", sagte Podolski zu dem von Irlands Kapitän Robbie Keane angefälschten Schuss.

Im 34. Länderspiel war es bereits der 16. Treffer des 21 Jahre jungen Ausnahmetalentes - so gut war kein anderer der deutschen Top-Torjäger von Gerd Müller bis Klinsmann im selben Alter. "Für ihn persönlich freut es mich, dass er das Tor erzielt hat", kommentierte Löw, der Podolski trotz geringer Spielpraxis beim FC Bayern in der Startelf gelassen hatte: "Das Tor gibt ihm Selbstvertrauen."

Podolski traf bei seiner vierten Chance - Sturmpartner Miroslav Klose, dem blendend aufgelegten Bernd Schneider, Ballack oder auch Schweinsteiger klebte dagegen das Pech an den Schuhen. "Wenn wir früher das erste Tor machen, gewinnen wir das Spiel klar", sagte der glücklose Klose, der per Kopf sowohl die Latte traf als auch am starken irischen Torhüter Shay Given scheiterte. "An der Torausbeute müssen wir noch etwas machen", sagte Schweinsteiger selbstkritisch.

Der "doppelte Friedrich" hielt hinten dicht

Zum Glück stand hinten die Null - und das trotz Notabwehr. Der doppelte Friedrich mit Arne und Manuel bestand seine "Feuertaufe", wie Löw hervorhob: "Sie haben ihre Aufgabe klasse gemacht." Bis auf einige wenige Schwierigkeiten im Luftkampf hatten sie die irischen Angreifer Doyle und Keane gut im Griff. Insbesondere Manuel Friedrich verdiente sich ein Sonderlob, weil er trotz Sprunggelenks-Problemen in den zweiten 45 Minuten seine "Gewissensbisse" unterdrückte und nach der vergeblichen Bitte um Auswechslung bis zum Ende durchhielt. "Am Anfang war es sehr schmerzhaft. Ich habe auf die Zähne gebissen", sagte der Mainzer nach seinem ersten kompletten Länderspiel.

Friedrichs Kampfgeist wurde belohnt. "Ich denke, wir haben hinten verdient zu Null gespielt. Das war die Basis für den Erfolg", sagte er. Gegen San Marino muss allerdings nicht nur hinten wieder die Null stehen, sondern auch vorne mehr passieren. Für mehr Tore gegen den Fußball-Zwerg dürfte selbst Klinsmanns Beistand überflüssig sein, auch wenn Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Sonntag berichtete: "In Gedanken ist der Jürgen immer bei uns."

Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA DPA

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