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EM-Vergabe 2020: Danke für nichts, Monsieur Platini!

Die EM 2020 gastiert in halb Europa. Das bringt mehr Geld und weniger Unberechenbarkeit. Ganz, wie es die Uefa gern hätte - auf Kosten der Fans. Und so kann uns wohl nur einer davor bewahren.

Ein Kommentar von Joel Stubert

Die EM 2012 war kaum zu Ende, da trug Uefa-Präsident Michel Platini schon wieder eine seiner Visionen vor: Eine EM in Polen und der Ukraine war nicht genug. Nein, eine in vielen Ländern sollte es sein. Zwölf oder so. Noch hatte er die Lacher auf seiner Seite, was für ein Filou, dieser Franzose. Nun ist den Fans das Lachen vergangen. Die EM 2020 wird in halb Europa stattfinden. Statt in ein oder zwei Ländern in "vielen Metropolen".

Offiziell ist es eine Idee zum 60. Geburtstag der Europameisterschaft. Kleinere Länder sollen auch einmal die Chance bekommen, ein großes Turnier (mit)auszurichten. Zudem fallen weniger Kosten für Stadionbauten an. Alles schön und gut. Dennoch geht es für die Uefa vor allem um eines: den eigenen Profit. Zwölf oder dreizehn Gastgeberländer bedeuten nämlich auch: zwölf oder dreizehn Mal Gastgebereuphorie und damit bessere Vermarktung des Produkts "Europameisterschaft". Die Idee, während der Europameisterschaft ständig quer über den Kontinent zu jetten, sie könnte aus einem Konferenzraum der Mineralölindustrie stammen.

Großes Fußballfest adé

In Zeiten wirtschaftlicher Nöte soll sich kein Land für die Ausrichtung verschulden, sagt die Uefa. Jedoch haben die Turniere in einigen Ländern zwar verlassene und ungebrauchte Stadienlandschaften geboren, aber auch notwendige Investitionen in der Infrastruktur gebracht. In Polen wurden Straßen saniert, Autobahnen und U-Bahnen gebaut.

Ein Turnier in einem oder zwei Ländern bedeutet vor allem eines: ein großes Fest. Fans vom ganzen Kontinent sind zu Gast, schauen die Spiele gemeinsam, feiern und tauchen in die Kultur ein. Ein bleibendes Erlebnis, von dem sie ihren Kindern erzählen. Die Nationen können sich zudem der Welt präsentieren, so wie Deutschland 2006. Seitdem gelten wir als lustig und sympathisch. Bei einer "Metropolen-EM" ist die Sache nach einem Abend durch. Eine Städtereise eben - eher wie Champions League.

Favoriten haben es einfacher

Genauso wie die Königsklasse wurde auch die EM unnötig aufgebläht. 24 Teams spielen ab 2016 mit - ein Umfang, der es kaum einem Land noch erlaubt, das Turnier auszurichten. Selbst schuld, Uefa! Keiner will ein so aufgeblähtes Turnier ausrichten. Deswegen dieser ganze Irrsinn.

Und dank Platinis EM-Modell werden die Favoriten mit Leichtigkeit durchs Turnier schweben. Die Großen werden in der Vorrunde wohl drei Heimspiele haben, in der K.o.-Runde ebenfalls Heimrecht genießen. Die Kleinen werden reisen und sich an neue Hotels und Bedingungen gewöhnen müssen. Welch eine Wettbewerbsverzerrung. Überraschungen sind so kaum möglich!

Und die Fans? Die werden (hinterher)reisen. Gerade für Anhänger kleinerer Mannschaften könnte die Vorrunde ein ständiges Pendeln zwischen zwei Ländern bedeuten. Vorrunde in Lissabon und Paris, Achtelfinale in Moskau. Unfassbar! Die EM kostet zwar insgesamt weniger. Für die Fans wird es allerdings ein extrem teurer Spaß. Es wird leider eine EM für die Reichen.

Und so kann die Sache wohl nur einer kippen: der Eyjafjallajökull - der Vulkan, dem die Fußballfans vertrauen. Im Frühjahr 2010 sorgte die isländische Ascheschleuder für europaweiten Flugausfall. Ein Szenario, das womöglich die gesamte Euro kippen würde. Eyjafjallajökull, übernehmen Sie!

P.S. Wie finden Sie die Idee einer europaweiten EM? Diskutieren Sie mit, auf der Fankurve, unsere Facebook-Seite für Fußballfans.

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