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England vs. Deutschland: Demütigungen auf beiden Seiten

Der Fußball-Klassiker zwischen England und Deutschland ist etwas Besonderes - auch, weil das Spiel im neuen Wembley-Stadion stattfindet. Heute wollen die beiden Erzrivalen ihrer Geschichte ein neues Kapitel hinzufügen. Allerdings treten die Teams stark ersatzgeschwächt an.

Jürgen Klinsmann ist wieder bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wenn das Team von Bundestrainer Joachim Löw an diesem Mittwoch im neuen Londoner Wembleystadion zum Klassiker gegen England antritt, wird sein Vorgänger auf der Tribüne die Daumen drücken. Der Wahl-Amerikaner Klinsmann traf am Dienstag überraschend in London ein und besuchte sogar das Abschlusstraining. Den Spielern wünschte er viel Spaß: "Das sind Spiele, die vergisst man nicht." Zum ersten Mal seit seinem Rücktritt als Bundestrainer wird der WM-Macher wieder ein Spiel der deutschen Mannschaft live erleben. Klinsmann: "Es ist ein wunderschönes Gefühl."

Löw kämpfte indessen mit großen Personalsorgen. Gleich eine komplette Elf musste der Bundestrainer wegen Verletzungen für das 30. Duell gegen England streichen. Darunter sind die Stammspieler Ballack, Frings, Klose und Podolski. Doch am Dienstag auf dem Flug ins 13 Grad kalte und nasse London wuchs neben der Vorfreude auch der Trotz im ausgedünnten Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. "Wir wollen unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen", kündigte Löw den Hausherren im neuen Tempel Wembleystadion einen heißen Kampf an.

Engländer haben viele Ausfälle

Auch die Engländer bieten nur eine B-Elf. Trainer Steve McClaren sind vor allem die Stürmer ausgegangen. 24 Stunden vor dem Anpfiff sagte auch Andrew Johnson vom FC Everton wegen einer Knieverletzung ab. Vor Johnson hatten sich bereits Wayne Rooney, Steven Gerrard, Owen Hargreaves, Darren Bent, Sol Campbell, Gary Neville, Ledley King und Jonathan Woodgate abgemeldet. Superstar David Beckham reiste zudem noch angeschlagen aus New York an.

Aber eines ist sicher: Wenn heute Abend um 21.00 Uhr das Spiel angepfiffen wird (live in der ARD), werden in Deutschland und in England vermutlich ein paar Menschen weniger auf den Straßen sein. Der Fußball-Klassiker fasziniert. Unvergessliche Elfmeterkrimis, tragische Helden und das bekannteste Tor der Fußball-Geschichte: In 99 Jahren hat der Länderspiel-Klassiker zwischen Deutschland und England für viele Dramen gesorgt - und für Demütigungen in beiden Lagern. Das Duell elektrisiert nicht nur die Fans. Auch die Größen von einst geraten immer wieder ins Schwärmen. "Das Spiel hat einfach immer einen besonderen Reiz. Das Erlebnis Wembley ist einmalig", erzählt Uwe Seeler mit einem Strahlen im Gesicht, obwohl für ihn sowohl das WM-Finale von 1966 als auch sein Debüt in einer DFB-Startelf im Herbst 1954 dort verloren gingen.

Noch eine Rechnung offen

Bei der Premiere des Giganten-Gipfels im neuen Wembley-Stadion haben die Engländer am Mittwoch noch eine Rechnung offen. Die Niederlage beim Abschied aus der alten Arena am 7. Oktober 2000 durch ein Tor von Dietmar Hamann ist noch nicht verwunden. "Es tut ihnen weh", sagt der heute bei Manchester City spielende Hamann. Daran änderte auch der 5:1-Triumph ein Jahr später in München nichts, der wiederum auf deutscher Seite schmerzhafte Erinnerungen weckt. Es ist Zeit, ein neues Kapitel in dieser beonderen Geschichte aufzuschlagen.

DPA/tis / DPA

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