Euro 2004 Ottos Griechen trotz Niederlage im Viertelfinale


Es war wohl Ottos schönste Niederlage: Seine Griechen verloren das letzte Vorrundenspiel gegen Russland mit 1:2, qualifizierten sich wegen der spanischen Niederlage gegen Portugal trotzdem für das Viertelfinale.

Otto Rehhagels Fußball-"Götter" haben sich in einem hoch dramatischen Gruppenfinale erstmals in die Runde der letzten Acht bei einer Europameisterschaft gezittert. Die Hellenen feierten ihre 1:2-Niederlage gegen Russland am Samstagabend in Faro wie einen Sieg, denn als Zweiter der Gruppe A erreichten sie das Viertelfinale, weil Gruppensieger Portugal die Spanier zeitgleich mit 1:0 bezwang. Den Ausschlag für die Griechen im Vergleich mit den punktgleichen Spaniern (je 4) gaben die mehr erzielten Tore (4:4/Spanien 2:2).

Vor 24 000 Zuschauern im Algarve-Stadio mussten die Griechen bis zum Schlusspfiff zittern, denn die Russen waren nahe an einem dritten Tor, das gleichbedeutend mit dem EM-Aus für das Rehhagel-Team gewesen wäre. Die Russen verabschiedeten sich mit einer beherzten Vorstellung und verhinderten, dass sie punkt- und torlos nach Hause reisen müssen.

Schnellstes Em-Tor

Dimitri Kiritschenko vom ZSKA Moskau hatte die "Sbornaja" nach 1:08 Minuten durch das schnellste Tor der EM-Geschichte in Führung gebracht. Dimitri Bulykin erhöhte auf 2:0 (17.). Für die nach dem größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte überglücklichen Griechen traf Zisis Vrizas vom AC Florenz (43.), der sich seine zweite Gelbe Karte einhandelte und im Viertelfinale am Freitag gegen den Sieger der Gruppe B gesperrt ist.

Obwohl den Griechen bereits ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht hätte, war Rehhagels Taktik ganz auf Sieg ausgerichtet. In Dimitrios Papadopoulos von Panathinaikos Athen stellte er dem Bremer Angelos Charisteas und Vrizas einen dritten Stürmer zur Seite. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Überraschend starke Russen

Die Russen überraschten mit einem blitzschnellen Angriff gleich zu Beginn die griechische Hintermannschaft. Kiritschenko setzte sich im Strafraum durch und traf nach 1:08 Minuten. Sein zweites Länderspieltor war eines für die Geschichtsbücher. Kiritschenko löste als schnellster EM-Schütze seinen Landsmann Sergej Aleinikow ab, der während der 1988 beim 3:1 gegen England nach 2:06 Minuten getroffen hatte. Zugleich sorgte der Moskauer für das erste EM-Tor der Russen, seit die Sowjetunion 1988 im Halbfinale Italien 2:0 bezwungen hatte.

Die spielfreudigen Russen waren im Vergleich zu den Niederlagen gegen Spanien (0:1) und Portugal (0:2) nicht wiederzuerkennen. In der ersten Halbzeit rollte eine Angriffswelle nach der anderen Richtung griechisches Tor. Die hoch gelobte Abwehr der Hellenen war dem Druck nicht gewachsen. In der 19. Minute ließ sie Bulykin nach einer Ecke ungehindert zum 2:0 einköpfen.

Wichtiges Anschlusstor vor der Halbzeit

Russland hätte vor der Pause noch ein drittes Tor machen können, doch Andrej Karjaka schoss aus sieben Metern überhastet über das Tor (24.), und Bulykins Kopfball-Aufsetzer nach einem Eckball streifte nur den rechten Außenpfosten (28.). Auf der Gegenseite vergab Charisteas eine hundertprozentige Chance, als er aus vier Metern den Ball über das Tor bugsierte (25.).

Rehhagel reagierte auf den unverhofften Spielverlauf und wechselte kurz vor der Pause Spielmacher Vasilios Tsiartas ein (42.). Nicht einmal eine Minute später glückte Vrizas der Anschlusstreffer, als er sich im Strafraum um seinen Gegenspieler drehte und den Ball über Torhüter Wjatscheslaw Malafejew hob.

Ines Reichelt, dpa DPA

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