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Europa League Das Projekt Paris St. Germain

Paris St. Germain gilt nach dem Einstieg eines Investors aus Katar als das Manchester City Frankreichs. Generaldirektor Leonardo zieht die Fäden im Prinzenpark und mit 86 Millionen Euro wurde man zum Big Player auf dem Transfermarkt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Projekt "Aufstieg in Europas Fußballelite."

Paris St. Germain will nach dem Einstieg eines Investors aus dem Katar in Europas Fußballelite vorstoßen. Auf dem Transfermarkt gehörte der Club aus Frankreichs Hauptstadt in diesem Sommer schon zu den Big Playern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Projekt Paris St. Germain.

Wie erfolgreich war Paris St. Germain bisher?

Paris St. Germain wurde erst zwei Mal französischer Meister (1986, 1994), konnte allerdings schon zehnmal den französischen Pokalsieg erringen. Die erfolgreichste Zeit waren die Neunziger Jahre, in denen der Hauptstadtklub den größten Triumph in der Vereinsgeschichte erringen konnte, den Gewinn des Pokals der Pokalsieger (1996). Zum Helden wurde damals Bruno N’Gotty, der an der Seite von Bernard Lama, Youri Djorkaeff, Raí und Patrice Loko im Endspiel gegen den SK Rapid Wien mit 1:0 siegte. Im Brüsseler König-Baudouin-Stadion konnte N'Gotty den einzigen Treffer in der 28. Spielminute mit einem Fernschuss erzielen.

Weitere berühmte Spieler der PSG waren Ronaldinho (2001-03), David Ginola (1992-95), George Weah (1992-95) und Christian Wörns (1998-99) um nur einige Namen zu nennen. Auch der heutige Sportdirektor Leonardo spielte (1996-97) im Prinzenpark. "...ich habe immer gedacht, dass ich eines Tages nach Paris zurückkehren könnte, wo ich als Spieler 14 intensive Monate verbracht habe", kokettierte der Brasilianer bei seiner Vorstellung als Generalmanager im Juli 2011 mit seinem ehemaligen und neuen Verein.

In der letzten Saison belegte PSG in der Ligue 1 den vierten Platz und verpasste dadurch die angestrebte Qualifikation für die Champions League. Der große Umbruch setzte ein und einige Spieler verließen den Club. Jérémy Clément ging zum AS Saint-Étienne, Ludovic Giuly in die zweite Liga nach Monaco, Apoula Edel zu Hapoel Tel Aviv, Claude Makélélé und Grégory Coupet beendeten ihre Karriere. Ende Mai wurde der Club dann von einer katarischen Investorengruppe übernommen, die ein neues Zeitalter des Erfolgs einläuten will.

Wer sind die Investoren?

Die QSI (Qatar Sports Investements) erwarb 70 Prozent der Aktien vom vorigen Mehrheitsbesitzer Colony Capital. Der Preis für die Aktienanteile wird (je nach Quelle) auf 35 bis 50 Millionen Euro geschätzt. Der Chef von QSI ist Nasser Al-Khelaifi. Er gehört nicht zur Königsfamilie, hat aber sehr gute Kontakte zum Königshaus. Al-Khelaifi schaffte es als Tennisspieler einst auf Platz 995 der Weltrangliste. Danach arbeitete er für den Sender Al-Jazeera Sport, dem er heute als Präsident vorsteht.

Neben seinem Engagement bei PSG hat er als Präsident von Al-Jazeera auch die TV-Rechte an der Ligue 1 für ca. 195 Millionen Euro gekauft und sich dazu die Ausstrahlungsrechte für zwei Live-Spiele pro Spieltag für rund 90 Millionen gesichert. Den Kataris geht es nicht in erster Linie um Rendite, sondern darum das Image ihres Landes zu verbessern. Der Ausrichter der WM 2022 will durch mehr Präsenz im internationalen Fußball positive Presse und gute PR für sein Land gewinnen.

Wohin will Paris?

Die Strategie bei PSG ist mittel- bis langfristig angelegt. Je nachdem, wem man das Gehör schenkt. Bei der Vorstellung des Projekts sagte Al-Khelaifi. "Wir sind langfristig hier, nicht nur für drei Jahre. Unsere Strategie beruht auf einem Fünfjahresplan", so der Investor Ende Juni laut "Le Parisien." Der neue Generalmanager Leonardo konkretisierte die Planungen jüngst. "Wir dürfen uns nicht hetzen, gut Ding will Weile haben, ich hoffe wir sehen erste Früchte unserer Arbeit in zwei, bis drei Jahren“, so der 42-jährige Brasilianer laut sports.yahoo.com.

Zwar ist Leonardo davon überzeugt, PSG zu einem europäischen Spitzenverein machen zu können, doch der Plan muss nicht schon in dieser Saison greifen. "Die Champions League ist sehr wichtig, aber es bringt uns nicht um, wenn wir sie nicht gleich im nächsten Jahr erreichen. Wir haben ein Programm, aber es ist nicht möglich Resultate und die Leistung von Spielern vorzuprogrammieren“, so Leonardo jüngst in einem ausführlichen BBC-Interview.

Das Fernziel ist jedoch klar umrissen und so lässt Leonardo auch keine Möglichkeit aus, dieses in die Mikrofone zu verkünden. "Das wahre Ziel ist es, eines der besten Teams in Europa zu werden, und um das zu werden, müssen wir alle Energien in dieser Stadt bündeln, damit PSG dieses Level erreicht." Gebündelt wurden aber zunächst die Geldscheine aus dem Wüstenstaat. Paris erwuchs in der abgelaufenen Transferphase zum zweitgrößten Investor auf dem Spielermarkt hinter Manchester City.

Mit wem soll der Plan umgesetzt werden?

"Was nützt es mir, zehn Messis zu kaufen? Damit wird man nicht erfolgreich. Wir wollen unser Projekt intelligent und vernünftig vorantreiben und nichts überstürzen“, sagte Leonardo laut zdf.de. Ganz so bescheiden war die Einkaufspolitik der Pariser dann doch nicht. Stürmer Kevin Gameiro wechselt für 11 Millionen Euro vom FC Lorient zum PSG. Jeremy Menez kam vom AS Roma und Blaise Matuidi von St. Etienne (beide für 8 Millionen Euro). Mohamed Sissoko von Juventus kostete 7 Millionen Euro. Diego Lugano war für 3 Millionen (von Fenerbahce Istanbul) geradezu ein Schnäppchen, bedenkt man, dass PSG für Javier Pastore (kam von US Palermo) 42 Millionen Euro auf den Tisch legen musste.

Insgesamt wurden ca. 86 Millionen Euro investiert. Angeblich sind noch 70 Millionen Euro für Neueinkäufe in der Portokasse. Doch auch aus der berühmten Talentschmiede wurden Perspektivspieler mit eingebunden. Mamadou Sakho ist eines dieser Juwelen. Der 21-jährige Abwehrspieler ist bereits Stammspieler (derzeit verletzt) und erzielte in der letzten Saison vier Tore. Aus dem Jungendbereich erhielten mit Jean-Christophe Bahebeck, Loick Landre und Neeskens Kebano drei Spieler einen Profivertrag für die neue Saison.

Im administrativen Bereich wurde ebenfalls entrümpelt. Der bisherige Präsident Robin Leproux , der sich gegen Leonardo ausgesprochen hatte, und auch bei den Ultra-Gruppierungen keinen guten Stand besaß, musste gehen und wurde durch Benoit Rousseau ersetzt. Anders wurde mit dem Trainer verfahren. Antoine Kombouare (seit 2009 Coach bei PSG) blieb im Amt. "Eine harmonische Arbeitsatmosphäre ist das beste Rezept für Erfolg, ich bin hier um den Trainer zu unterstützen, nicht ihn zu behindern“, sagte Leonardo zum Trainer-Thema gegenüber sports.yahoo.com.

Inwieweit kann man das Projekt mit Man City vergleichen?

Die Konkurrenz sieht die Parallelen zu Manchester City und hofft, dass auch das "Man City-Frankreichs“ Anlaufschwierigkeiten bekommt. "Manchester City hat das Gleiche auch versucht, aber in den ersten zwei, drei Jahren nicht den erhofften Erfolg gehabt", sagt der frühere Hamburger David Rozehnal, der beim Double-Sieger in Lille spielt, auf n-tv.de. Leonardo nerven die Vergleiche mit Man City. "Es ist einfach den Vergleich heranzuziehen“, so Leonardo in einem Interview mit der BBC.

"Zwei Vereine, die Gelder in einen Club pumpen, um ihn wieder auf die Beine zu bringen. Aber hier ist nicht die Idee einfach nur Geld, Geld, Geld in den Verein zu pumpen. Natürlich geht es darum neue Einnahmequellen zu schaffen, durch TV-Rechte, das Kreieren einer Marke und gute Ergebnisse. Aber alles andere ist unterschiedlich. Andere Eigentümer aus einem anderen Teil des Mittleren Ostens. Jeder Club hat seinen eigenen Stil und die eigene Mentalität, auch ein unterschiedliches Management", so Leonardo weiter, dem vor allem der Erhalt der Identität am Herzen liegt.

"Dieser Club wird immer Französisch bleiben. Die Mentalität ist 100 Prozent Französisch. Die vergangenen Besitzer waren Amerikaner und Franzosen, nun sind sie halt Kataris, aber der Club wird immer der gleiche sein. Die Eigentümer wechseln, aber der Club bleibt.“ Hoffentlich werden die Fans denken. In der angelaufenen Saison haben sie zumindest sportlich wenig zu klagen.

Wie liefen die ersten Schritte?

Acht Spiele sind in der laufenden Saison der französischen Liga gespielt. PSG liegt punktgleich mit Olympique Lyon auf dem ersten Tabellenplatz. Fünf Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage sind eine ansehnliche Bilanz, auch wenn das Spiel der Pariser bisher noch selten Begeisterungsstürme hervorruft. Javier Pastore scheint jedenfalls Fuß gefasst zu haben in der Ligue 1, er erzielte am letzten Spieltag zwei Treffer beim 3:0-Auswärtssieg in Montpellier. Pastore hat damit bereits vier Saisontreffer auf dem Konto, Kévin Gameiro gar schon deren fünf. In der Europa League läuft es ebenfalls erfolgreich. Im ersten Spiel der Gruppe F besiegte man RB Salzburg mit 3:1.

Fazit

Die ersten Schritte auf nationalem Parkett und auch in der "Zweiten europäischen Liga“ (Europa League) waren durchaus erfolgreich. Dennoch ist das Beispiel Manchester City nicht von der Hand zu weisen. Auch in Paris wird es Zeit brauchen, bis sich der Erfolg einstellt. Einen in der französischen Liga erfolgreichen Club zu erschaffen, ist sicherlich relativ schnell erreichbar. Dafür ist es ungleich schwerer, ein internationaler Topclub zu werden. Hier wird sicherlich mehr Zeit in Anspruch genommen werden müssen, als es Man City brauchte, die im dritten Jahr nach Investoreinstieg endlich eine homogene Truppe auf den Platz bringen.

Lässt man den Blick in die Vergangenheit schweifen, fällt eine Parallele auf. Das Engagement der Kataris kann einen ähnlichen Boom in Frankreichs Fußball auslösen, wie der, den der Einstieg des TV-Senders Canal in den 90er Jahren bewirkte. Canal kaufte die Fernsehrechte und auch den Verein PSG. Alle Clubs profitierten von den höheren TV-Geldern, die ausgeschüttet wurden. Marseille gewann in dieser Zeit die Champions League, PSG war so erfolgreich wie nie und schließlich wurde Frankreich im eigenen Land Weltmeister.

Natürlich gibt es auch andere Beispiele, wie der Einstieg eines Investors einen Club oder seine Identität zerstören, oder nachhaltig verändern kann (z.B.: Wimbledon, etc.). Doch der relativ moderate Einstieg der Kataris bei PSG könnte durchaus von Erfolg gekrönt sein. National wird das gesamte Engagement dem französischen Fußball gut tun. Ob PSG auch international zu den Großen aufrücken kann, das ist mehr als fraglich. Zunächst ist aber mal die Europa League dran und dort gehört der PSG mit Sicherheit zu den Favoriten auf den Titelgewinn.

Michel Massing

sportal.de sportal

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