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Europa League: HSV und Wolfsburg jubeln - Bremen trauert

Spektakuläre Spiele in der Europa League: Insgesamt achtzehn Treffer fielen in den Achtelfinal-Rückspielen der deutschen Clubs. Der HSV zitterte sich gegen Anderlecht eine Runde weiter. Wolfsburg gewann gegen Rubin Kazan erst in der Verlängerung. Bremen schoss gegen Valencia sogar vier Tore - und flog trotzdem raus.

Nervenkitzel in der Europa League: Den Anfang machte am frühen Abend Werder Bremen im Rückspiel des Achtelfinales gegen den FC Valencia im Weserstadion. Ein 4:4 reichte den Hausherren nach dem 1:1 im Hinspiel aber nicht für den Einzug in die nächste Runde. Der Hamburger SV verlor zwar später am Abend gegen den RSC Anderlecht mit 3:4, aber dank des 3:1-Sieges im Hinspiel können die Hamburger weiter vom Finale im eigenen Stadion träumen. Der VfL Wolfsburg siegte gegen den russischen Meister Rubin Kazan erst in der Verlängerung.

Dem schwach aufspielenden Hamburger SV reichte ein 3:4 (1:2) im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League beim RSC Anderlecht für den Einzug ins Viertelfinale. 55 Tage vor dem "Hamburger Finale" am zwölften Mai hatten Jerome Boateng (42.) und Marcell Janssen (54.) für die 1:0-Führung und den 2:2-Ausgleich gesorgt. Doch im Constant-Vanden-Stock-Stadion zeigte Anderlecht Kämpfer-Qualitäten: Der erst 16-Jährige Romelu Lukaku (44.) schaffte den Ausgleich, ehe Matias Suarez (45.+3) mit einem Foulelfmeter die Hoffnung aufrecht erhielt. Lucas Biglia (59.) und Moubarak Boussoufa (66.) waren dann erneut für den Tabellenführer der belgischen Jupiler League erfolgreich.

Auch wenn der HSV schwach spielte, lief bis drei Minuten vor der Pause alles nach Plan. Mit einer Bogenlampe überwand Boateng Anderlechts Keeper Sylvio Proto. Alles war im Lot. Doch was dann kam, war einfach nur noch peinlich. In den vier Minuten vor der Pause hatten die Hamburger ihre gute Ausgangsposition verspielt.

Die HSV-Spieler waren wohl schon beim Pausentee, als der Ausgleich fiel. Ungehindert flankte Boussoufa auf den 16-jährigen Lukaku, der bei seinem Treffer viel zu viel Platz hatte. Danach kam es noch schlimmer, denn der später ausgewechselte Boateng foulte in der Nachspielzeit völlig unnötig Suarez, der den fälligen Foulelfmeter höchstpersönlich und sicher verwandelte.

Kurz nach der Pause hatte der HSV dann ganz viel Glück. Cheikhou Kouyaté knallte den Ball aus der Drehung aufs Tor, Kapitän David Jarolim rettet auf der Linie für den geschlagenen Torhüter Frank Rost. Jansen sorgte mit seinem Tor zunächst für Entspannung, doch Anderlecht steckte nicht auf. Biglia traf von der Strafraumecke, dann war es Bousaffa, der den HSV-Torhüter Rost alt aussehen ließ. Danach rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf das Hamburger Tor. Schließlich sorgte Petric nach einem Konter für das entscheidende dritte Tor der Hamburger.

Wolfsburg muss nachsitzen


Der VfL Wolfsburg erreichte erstmals in der Vereinsgeschichte das Viertelfinale des Europapokals. Den erlösenden Siegtreffer erzielte Christian Gentner in der Verlängerung (119. Minute) gegen den zweimaligen russischen Champion Rubin Kasan. Nach der regulären Spielzeit stand es 1:1 (0:1) - auch weil in der packenden Nachspielzeit ein regulärer Treffer von Wolfsburgs Edin Dzeko (90.+3) wegen angeblicher Abseitsstellung vom schwedischen Schiedsrichter Jonas Eriksson nicht anerkannt wurde.

Nach dem 120-minütigen Kraftakt gegen am Ende zehn Russen (Cesar Navas sah in der 109. Minute die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels) verdienten sich die Niedersachsen den Einzug in die Runde der besten acht Teams der Europa League dank einer kämpferisch überzeugenden Vorstellung. Ein Fehler von Torwart Marwin Hitz ermöglichte den russischen Gästen die Führung. Der 22 Jahre alte Schweizer sah bei Kasajews Schuss in die kurze Ecke unglücklich aus. Obwohl der VfL in den ersten 45 Minuten optisch überlegen war, fanden die Gastgeber kaum ein Mittel gegen die defensiv gut organisierten Russen. Nach dem Wechsel schickte Köstner den Nigerianer Martins aufs Feld. Das Wolfsburger Angriffsspiel wurde in der Folge intensiver. Weil nach dem 1:1 durch Martins auch Kasan seine Zurückhaltung ablegte, entwickelte sich eine unterhaltsame Partie.

In der Nachspielzeit überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst scheiterte Martins am russischen Torwart. Nur wenige Sekunden später hielt Ryschikow auch gegen Zvjezdan Misimovic und Dzeko drückte den Nachschuss über die Linie - doch die schwedischen Unparteiischen wollten zuvor eine Abseitsstellung Dzekos erkannt haben.

Werder scheitert an sich selbst


Werder Bremen fand gegen den FC Valencia und dessen starker Offensivabteilung um den dreifachen Torschützen David Villa kein Mittel und schied im Achtelfinale der Europa League aus. Eine Woche nach dem 1:1 im Hinspiel kam Werder gegen die Spanier vor heimischer Kulisse trotz einer tollen Aufholjagd nicht über ein 4:4 (1:3) hinaus und muss seine Träume von einer Endspielteilnahme am 12. Mai im Stadion seines Erzrivalen Hamburger SV wegen der weniger erzielten Auswärtstore begraben.

Angetrieben von seinem überragenden Offensiv-Trio Villa, Juan Mata und David Silva verpasste Valencia den Platzherren vor 24.200 Fans im Weserstadion schon in der ersten Halbzeit eine kalte Dusche nach der anderen, begünstigt durch eine extrem schwache Abwehrleistung der Grün-Weißen. EM-Torschützenkönig Villa (2. und 45.) und Mata (15.) trafen jeweils auf Zuspiel von Silva. Der bereits nach 22 Minuten eingewechselte Hugo Almeida hatte zwischenzeitlich verkürzt (26.).

Torsten Frings traf nach dem Seitenwechsel per verwandeltem Foulelfmeter (57.), Marko Marin erzielte kurz darauf das 3:3 (62.). Villas dritter Treffer riss Werder dann aber wieder aus allen Träumen (66.). Claudio Pizarro gelang nur noch der erneute Ausgleich (84.). Aber am Ende reichte eine derart desolate Defensive nicht, um von höheren Europapokal-Weihen zu träumen.

DPA/SID/tis / DPA

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