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Fall Hoyzer: DFB droht Haftung im Wettskandal

Der Imageschaden durch den Fall Hoyzer ist unbezahlbar. Für die finanziellen Einbußen der betroffenen Vereine könnte laut Experten neben Hoyzer auch der DFB haftbar gemacht werden.

Im Skandal um verpfiffene Fußballspiele könnte möglicherweise neben dem umstrittenen Schiedsrichter Robert Hoyzer (Berlin) auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zur Kasse gebeten werden. Als Veranstalter des Wettbewerbs und alleiniger Auftraggeber der Schiedsrichter sei eine Haftung des DFB für die wirtschaftlichen Schäden der Manipulation wahrscheinlich, sagte der Hamburger Sport- und Medienanwalt Gerald Neben. Dem Verband sei möglicherweise vorzuwerfen, dass er seine Schiedsrichter nicht sorgfältig genug ausgesucht und ihnen Sportwetten nicht ausdrücklich untersagt habe.

Verantwortlichkeit muss geprüft werden

Es müsse zwar geprüft werden, ob eine Haftung des DFB in den Verbandsstatuten ausgeschlossen werde, so dass Vereine und Trainer eventuell nicht klagen könnten, erklärte der Jurist. Gegenüber außen stehenden Geschädigten wie etwa den Besuchern des manipulierten Spiels oder Teilnehmern der Wetten sei eine Verantwortlichkeit des DFB aber wahrscheinlich.

Der DFB verdächtigt den Berliner Schiedsrichter Hoyzer, das Pokalspiel zwischen dem Amateurverein SC Paderborn und dem Bundesligisten Hamburger SV (Endstand 4:2) mit absichtlichen Fehlentscheidungen verfälscht zu haben. Er hatte zwei Elfmeter gegen den HSV verhängt und dessen Spieler Emile Mpenza vom Platz gestellt.

"Vorsätzliche sittenwidrige Schädigung"

An der zivilrechtlichen Verantwortung des Schiedsrichters bestehe für ihn kein Zweifel, sagte der Anwalt der internationalen Sozietät Lovells. Beim eigennützigen Verpfeifen eines Spiels handele es sich um einen Fall so genannter "vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung", meinte der Jurist. "Und genau für diese Fälle hat der Gesetzgeber in § 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches einen Schadensersatzanspruch vorgesehen."

Hoyzer könne dem Schadensersatz nur mit dem Beweis entgehen, dass der HSV auch ohne sein unsportliches Verhalten das Spiel verloren hätte, sagte Neben. "Obwohl der Pokal bekanntlich eigene Gesetze hat, spricht der Beweis des ersten Anscheins bei einer solchen Spielpaarung aber gegen einen Sieg des ’Underdog’, zumal der HSV bekanntlich schon mit 2:0 in Führung gelegen hatte."

DPA / DPA

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