HOME

Fan-Attacke: FC Nürnberg-Anhängerin droht Blindheit

Der Besuch eines Fußballspiels kann für einen Fan des 1. FC Nürnbergs gravierende Folgen haben: Die 45-Jährige wird wohl auf einem Auge erblinden. Bayern-Anhänger hatten ihr nach dem Spiel eine Flasche an den Kopf geworfen.

Die bei der Attacke eines Fans des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München schwer verletzte Frau wird wahrscheinlich auf einem Auge erblinden. Das sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Würzburg, Clemens Lückemann. Die 45-Jährige aus dem mittelfränkischen Weißenburg war am Wochenende bei Übergriffen der Münchner Fans auf Anhänger des 1. FC Nürnberg von einer gefüllten Colaflasche am Kopf getroffen worden. Nach Polizeiangaben waren die "Club"-Fans auf einer Raststätte bei Würzburg "blitzartig und ohne Vorwarnung" von den Bayern-Anhängern angegriffen worden.

Bei einer weiteren Auseinandersetzung zwischen Fußballfans wurden 13 weitere Menschen verletzt. Anhänger des Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena hatten in Burghausen bei der Partie gegen den SV Wacker Polizisten unter anderem mit Steinen und beschwerten Plastikflaschen beworfen.

Haupttäter in Untersuchungshaft

Nach dem Übergriff auf der Autobahnraststätte konnte der 20 Jahre alte mutmaßliche Haupttäter aus dem Allgäu in seinem Wohnort festgenommen werden und sitzt nun in Untersuchungshaft, sagte Lückemann. Darüber hinaus wurden zehn Anhänger des FC Bayern im Alter zwischen 19 und 25 Jahren den Ermittlungsrichtern in Würzburg vorgeführt. Gegen sechs von ihnen erging Haftbefehl, unter anderem wegen Verdunklungsgefahr. Die anderen vier seien wieder frei gekommen, weil sie entweder voll gestanden hätten oder kein Haftgrund vorgelegen habe, sagte Lückemann.

Sechs der sieben Inhaftierten bestreiten eine Tatbeteiligung. Einer von ihnen habe ein Teilgeständnis ablegt. Den Beschuldigten drohen Verfahren unter anderem wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch, Raub und Sachbeschädigung.

Flucht über Bundesstraße 8

Nach bisherigen Erkenntnissen hatten zwei Busse mit 73 Bayern-Anhängern auf dem Rastplatz gehalten. Rund 20 Fans sollen dann zu dem Bus der Nürnberger gestürmt sein und sofort randaliert haben. Der mutmaßliche Haupttäter soll die Plastikflasche durch die offene Bustür direkt an den Kopf der 45-jährigen Ehefrau des Busfahrers geworfen haben. Drei weitere Menschen im Alter von 22, 39 und 48 Jahren erlitten Prellungen und Schürfwunden. Darüber hinaus sollen die Bayern-Fans eine Bierflasche gegen den "Club"-Bus geschleudert und dessen Scheibenwischer verbogen haben. Hinweise, die Nürnberger Fans hätten die Bayern-Anhänger provoziert, bestätigten sich nicht.

Nach der Attacke flüchteten die zwei Busse, die auf dem Weg zum Bundesliga-Spiel nach Mönchengladbach waren, über die Bundesstraße 8. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Busfahrer bewusst nicht über die Autobahn gefahren sind, um der Polizei zu entgehen. Die Beamten konnten die Busse aber stoppen und alle Insassen vorläufig festnehmen. 63 kamen kurz darauf wieder frei. Ob die Busfahrer wegen versuchter Strafvereitelung zu belangen seien, sei noch unklar.

Stadionverbote für die Bayern-Fans

Die Bayern-Anhänger gehören zur Fan-Gruppe "Schickeria München", die offenbar gezielt Straftaten begehen wollten, sagte ein Polizeisprecher. 15 der 73 mitgereisten Gruppenmitglieder dürfen bundesweit kein Fußballstadion betreten. Nur 28 hatten eine Eintrittskarte für das Spiel in Gladbach. Der FC Bayern München verhängte unterdessen gegen alle 73 Fans Stadionverbote. Zudem erteilte der Verein allen ein Hausverbot für das Vereinsheim. Der schwer verletzten Frau sicherte der Verein Hilfe zu. Zugleich wurde betont, dass es sich bei der Gruppierung um keinen offiziell anerkannten Fanclub handele. Der 1. FC Nürnberg zeigte sich über die Attacke "zutiefst schockiert und bestürzt".

Zu den Ausschreitungen in Burghausen kam es, als ein Ordner beim Stande von 1:0 für die vom Abstieg bedrohten Gäste einen Jenaer Fan daran hindern wollte, einen Absperrzaun zu erklettern. Als dann kurz vor dem Abpfiff doch noch der Ausgleich gefallen sei, habe der Fan dem Ordner ins Gesicht getreten. Mehrere Fans hätten sich auf den am Boden liegenden Ordner gestürzt. Polizisten, die zum Schutz des Sicherheitsmannes einschreiten wollten, seien von den Jenaer Anhängern zurückgedrängt worden. Zudem seien Wurfgeschosse auf die Beamten geschleudert worden, durch die zwei Polizisten erheblich verletzt worden seien.

DPA / DPA

Wissenscommunity