Fan-Studie Offener Rassismus in Ost-Stadien


Insgesamt geht rassistisches und rechtsextremes Verhalten in Fußballstadien zurück, so eine Studie des Bundesinstituts für Sportwissenschaften. Allerdings sind ostdeutsche Fußballfans offener fremdenfeindlich als Fans aus dem Westen.

Trotz der jüngsten Vorfälle in der Bundesliga sind rassistische Äußerungen und gewalttätige Auseinandersetzungen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dennoch besteht weiterhin die Notwendigkeit, alle Maßnahmen gegen Gewalt und Rassismus zu fördern. Zu diesem Fazit kommt die durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Auftrag gegebene Studie, die in Berlin vorgestellt wurde.

Die Wissenschaftler um den Hannoveraner Gunter Pilz haben in ihrer zweijährigen Forschungszeit das Zuschauerverhalten im Profifußball studiert und Vorschläge zur Verbesserung des Klimas erarbeitet. Die Ergebnisse der Studie waren bereits erfolgreich in das Sicherheitskonzept der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 eingeflossen.

Subtiler Rechtsextremismus nimmt zu

Der Studie zufolge geht offener Rassismus in deutschen Fußballstadien zwar tendenziell zurück. Dagegen äußern Fußballfans ihre Fremdenfeindlichkeit zunehmend subtiler. "In allen befragten Bundesligavereinen ist sichtbares und hörbares fremdenfeindliches und rechtsextremes Verhalten auf den Rängen in den Stadien zurückgegangen, aber - dass muss man deutlich sagen - nicht verschwunden", erklärte der Fanforscher Gunter A. Pilz zum Ergebnis der Studie in Berlin. Rassistisches und rechtsextremes Verhalten verlagere sich zunehmend aus den Stadien und in untere Fußballligen, wo es weniger Kontrollen, Mediendruck und Fanprojekte gebe.

Die Forscher fanden zudem heraus, dass Fußballfans in Ostdeutschland offener rassistische und fremdenfeindliche Einstellungen zeigten als die Fans im Westen. Insgesamt sei festzustellen, dass Zuschauer Rassismus und Rechtsextremismus oft versteckter äußerten als früher. Dazu gehöre, dass schwarze oder osteuropäische Spieler schneller ausgepfiffen würden und mehr leisten müssten als deutsche oder westeuropäische Spieler, sagte Pilz. Als Beispiel für subtilen Rechtsextremismus nannte er Fans, die in der Form eines Hakenkreuzes auf der Tribüne standen.

Offen äußerten viele Stadionzuschauer hingegen ihre Ablehnung von Homosexualität. "Schwulenfeindlichkeit gehört zur Normalität im Fußballalltag", sagte Victoria Schwenzer, Ko-Autorin der Studie.

Probleme aus Stadien verbannen

Um die Probleme besser in den Griff zu bekommen und möglichst aus den Stadien zu verbannen, forderten die Forscher die Vereine, die Ligen und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, vor allem den Dialog mit Fangruppen fortzusetzen. Man müsse die Kritik von Fans an der Kommerzialisierung des Fußballs ernst nehmen, sagte Pilz. Fanprojekte müssten weiter gefördert und Ordner in den Stadien besser geschult werden. Zudem müsse es einen regelmäßigen Aktionstag in der Bundesliga gegen Rassismus geben. Die Autoren der Studie sprachen sich auch dafür aus, die Kommunikation zwischen Fangruppen, Vereinen, Verbänden und der Polizei zu verbessern.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Auseinandersetzung der Vereine mit ihren eigenen Fans habe sich in den letzten Jahren positiv ausgezahlt. Im europäischen Vergleich sei die deutsche Situation Richtung weisend. Jährlich fördert die Deutsche Fußball- Liga (DFL) Fanprojekte und Initiativen mit einer Million Euro. Die größte Anti-Rassismus-Aktion soll vom 20. bis 22. Oktober den 8. Bundesliga-Spieltag umrahmen. Mehr als 300.000 erwartete Zuschauer sollen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit dann die Rote Karte zeigen.

Reuters/DPA DPA Reuters

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