FC Bayern Auf zu neuen Taten


Felix Magath gewährt seinen geknickten Profis genau "einen Tag Trauer". Nach dem bitteren Abschied von der europäischen Fußball-Bühne schmiedet der FC Bayern Pläne, um die Saison doch noch erfolgreich zu beenden.

"Nach so einem Spiel wie heute habe ich da keine Bedenken", äußerte Nationalspieler Michael Ballack totale Zuversicht im Hinblick auf den Titel-Endspurt in Bundesliga und DFB-Pokal. Auch Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge blies am Dienstagabend nur wenige Minuten nach dem nutzlosen 3:2 (0:1)-Erfolg gegen den FC Chelsea im 100. Champions-League-Spiel zum nationalen Großangriff: "Wir müssen jetzt zusehen, dass wir deutscher Meister werden. Die Mannschaft hat die Qualität dazu."

Die gescheiterte Aufholjagd gegen die Millionen-Truppe aus London mochte dem aufopferungsvoll, aber glücklos kämpfenden Rekordmeister keiner übel nehmen. Bis auf Kapitän Oliver Kahn klopfte man sich sogar gegenseitig auf die Schultern. "Wir können erhobenen Hauptes auf diese Champions-League-Saison zurückblicken", meinte Trainer Felix Magath. "Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Rummenigge. "Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft. Ich habe in diesem Stadion lange keine so große Leistung von ihr gesehen", schwärmte Manager Uli Hoeneß, der sogar behauptete: "Heute ist die schlechtere Mannschaft weitergekommen."

"Es hat verdammt nochmal das Glück gefehlt" so Beckenbauer

,Schließlich haderten ausgerechnet die oft als Dusel-Bayern titulierten Münchner mit dem fehlenden Beistand von oben: "Es hat verdammt nochmal das Glück gefehlt", betonte Club-Präsident Franz Beckenbauer. Nur Kapitän Kahn machte es sich - wie schon nach dem Hinspiel in London - nicht so einfach im Umgang mit dem verpassten Halbfinale. "Wir müssen analysieren, wo Chelsea dieses eine Zehntel besser ist. Das ist wichtiger, als dass wir uns jetzt in den Armen liegen und sagen, wir haben toll gespielt", forderte der Torhüter eine schonungslose Aufarbeitung des vermeidbaren Ausscheidens.

Er selbst fing damit direkt nach Spielende an, als er Willy Sagnol heftig für das 1:2 von Didier Drogba (80.) kritisierte, das den K.o.- Schlag bedeutet hatte. Der Franzose hatte Joe Cole alle Zeit zum Flanken gegeben. "Das habe ich zum letzten Mal irgendwo bei einem Altherrenspiel gesehen, dass einer eine halbe Stunde den Ball da draußen annehmen kann", schimpfte Kahn.

Unternehmen Titelgewinn

"Wir müssen daran arbeiten, dass wir konsequenter sein müssen", strich Magath den maßgeblichen Unterschied zu Chelsea heraus. Der 35 Millionen Euro teure Torjäger Drogba bestrafte die Schlafmützigkeit von Sagnol und die individuelle Unterlegenheit von Robert Kovac im Kopfballduell. Und Chelseas zweiter Schlüsselspieler Frank Lampard stach nicht nur Ballack im direkten Duell aus, er bestrafte die Bayern zudem mit dem zwar glücklichen, aber vorentscheidenden 1:0 (30.) für ihre ungenügende Chancenverwertung in der Anfangsphase.

"Wir hatten leider das Zielwasser vergessen", klagte Magath. Das 1:1 von Claudio Pizarro (65.) und erst Recht die späten Treffer von Paolo Guerrero (90.) und Mehmet Scholl (95.), die viele der 59.000 Zuschauer schon nicht mehr im Olympiastadion miterlebten, konnten die frühen Versäumnisse nicht mehr ausgleichen. Es blieb nur noch der Blick nach vorne. "Wir wollen die Champions League in den nächsten ein, zwei Jahren noch einmal gewinnen", versprach Kahn ein neues Unternehmen Titelgewinn nach dem Umzug in die neue "Allianz Arena".

Ob das tatsächlich gelingt? Vier Jahre nach dem Triumph von Mailand sind die Bayern in der Champions League in einer Situation angekommen, wie sie ihre Rivalen in der Bundesliga seit vielen Jahren durchleiden. Dank der Millionen von Roman Abramowitsch ist Chelsea den Bayern, die immerhin rund 27 Millionen Euro in dieser Saison in der Champions League einnahmen, finanziell weit überlegen. "Wenn man 300 Millionen investiert, kann man nicht nur Schrott einkaufen", bemerkte Magath mit Blick auf Topstars wie Drogba. In der Bundesliga kann freilich auch niemand mit dem Krösus FC Bayern mithalten. Daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern, international dagegen schon, glaubt Optimist Hoeneß: "Der FC Bayern wird sicherlich länger vernünftig arbeiten, als Herr Abramowitsch bei Chelsea arbeitet."

Klaus Bergmann und Christian Hoffmann/DPA DPA

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