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FC Bayern: Klinsmann hat ein Herz für Poldi

Sein Debüt als Trainer von Bayern München führt ihn in der Provinz: Beim Sechstligisten SV Lippstadt 08 steht Jürgen Klinsmann zum ersten Mal für die Bayern an der Seitenlinie. Und auch für ein ganz besonderes Sorgenkind hat Klinsmann ein paar gute Nachrichten parat.

Es ist nur ein Testspiel, doch der erste Auftritt von Jürgen Klinsmann als Bayern Coach elektrisiert die Massen in Westfalen. "Das sind für uns schon gigantische Verhältnisse", sagte Kai Hartelt, Aufsichtsratsvorsitzender des SV Lippstadt 08. Weit mehr als 300 Akkreditierungswünsche von Journalisten lagen dem Heimatclub von Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor. Im Stadion "Am Waldschlösschen" wurden extra Zusatztribünen errichtet, der Verein erwartet rund 8000 Zuschauer, das Fernsehen berichtet live.

Schaulaufen durch die Republik

Der Test in Lippstadt ist der Beginn eines Schaulaufens durch die Republik, allerdings mit eingschränkter Aussagekraft. Denn derzeit hat Klinsmann gerade 14 seiner 23 Profis unter seiner Fittiche. Die gerade erst ins Training eingestiegenen Abwehrspieler Lucio, Martin Demichelis und Willy Sagnol fehlen. Und auch im Sturm muss Klinsmann improvisieren, da mit den EM-Fahrern Klose, Toni und Podolski die erste Garde noch im Urlaub weilt.

Gerade über das "Sorgenkind" Podolski hat sich der Klinsmann dabei so seine Gedanken gemacht. "Ich weiß, wie ich ihn anzupacken habe", betonte der neue Bayern-Coach. Anders als Bundestrainer Joachim Löw will er Podolski aber nicht im linken Mittelfeld einsetzen. "Lukas ist für mich kein Außenbahnspieler, sondern ein zentral ausgerichteter Stürmer, der eher mal hinter dem Keilstürmer spielen kann, aber im Zentrum sein muss. Seine Tore schießt er um den 16- Meter-Raum herum, die schießt er nicht von Linksaußen", stellte Klinsmann unmissverständlich fest.

Klinsmann erinnerte daran, dass er schon in seinen zwei Jahren als Bundestrainer von 2004 bis 2006 ein großer Förderer des in München bislang nicht glücklich gewordenen Podolski gewesen sei. "Ich glaube, ich habe Lukas viel geholfen in der Zeit bei der Nationalmannschaft. Ich glaube, ihn charakterlich und sportlich gut einschätzen zu können."

Allerdings befinde sich der 23-Jährige ähnlich wie Bastian Schweinsteiger "nach wie vor in einem Entwicklungsprozess" und könne keine Stammplatz-Garantie erwarten: "Ich weiß, was sein Wunsch und sein Verlangen ist, aber viele andere haben ähnliche Wünsche und Zielsetzungen", bemerkte der 43 Jahre alte Bayern-Coach.

Klinsmann will anderes System als Löw

Das 4-5-1-System mit nur einem Angreifer, das bei der EM unter anderem Europameister Spanien und auch Italien mit Toni spielten und auf das auch Löw im Turnierverlauf umstellte, strebt Klinsmann nicht an. "Ich bin kein Freund des 4-5-1. Es ist ein ganz brutaler Job für einen Stürmer, alleine vorne zu spielen. Da besteht die Gefahr, dass dieser Stürmer über einen längeren Zeitraum hinweg verbrannt wird."

Klose habe bei der EM "durch die Umstellung des Systems auf 4-5-1 ziemlich in der Luft gehangen. Das ist kein Spaß für einen Stürmer, da vorne alleine gegen vier Abwehrspieler zu sein", bemerkte der einstige Weltklasse-Angreifer Klinsmann: "Man kann auch Luca Toni mal fragen, wie er diese Erfahrung miterlebt hat bei der EM."

Die Mannschaft steht

Auch wenn der von den Bayern umworbene Weißrusse Alexander Hleb offensichtlich von Arsenal London zum FC Barcelona wechselt, sieht Klinsmann den deutschen Meister personell gewappnet für die hohen Ziele in der Saison 2008/09. "Wir sind happy mit dem Kader, den wir haben. Der ist qualitativ top besetzt." Auch abgeben will er keinen Akteur mehr, obwohl man quantitativ "fast überbesetzt" sei. "Wir wollen in der Champions League wieder mitreden, da brauchen wir jeden", erklärte der Nachfolger von Ottmar Hitzfeld.

Franz Beckenbauer hält den nur durch Nationalspieler Tim Borowski und Ersatztorwart Jörg Butt ergänzten Kader ebenfalls für "gut und groß genug", um auch in der Champions League erfolgreich zu sein. Der Vereinspräsident räumt Klinsmann bereits eine Schonfrist ein, falls der Saisonbeginn holprig verlaufen sollte. "Also, selbst wenn der Start nicht ganz optimal verlaufen sollte, wird man den Jürgen unterstützen, wo es nur geht", versicherte Beckenbauer.

DPA / DPA

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