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CL-Niederlage gegen Barca: Ausgelaugt und ausgebrannt: Wohin geht's, FC Bayern?

Nach dem 0:3 gegen Barcelona beginnt der FC Bayern schon mit der Aufarbeitung der Saison. Die Münchner geben sich betont sachlich. Auf keinen Fall soll Kritik an Mannschaft oder Trainer aufkommen.

Von Mathias Schneider, Barcelona

Die Rückkehr in Barcelonas Camp Nou geriet für Pep Guardiola zur Demütigung

Die Rückkehr in Barcelonas Camp Nou geriet für Pep Guardiola zur Demütigung

Da saß er also nun, im sich schnell lehrenden Saal Cataluna des Hotels Princesa Sofia, einen Steinwurf von jenem Stadion entfernt, in dem er seine größten Triumphe gefeiert hatte; und das ihm nun Stätte seiner bislang wohl schwersten Niederlage war. Der Donnerstag hatte bereits übernommen, 1.24 Uhr war es, um genau zu sein. Die Bayern-Mannschaft hatte sich schon vom obligatorischen Bankett verabschiedet, nur die Spanier Thiago und Alonso trieben sich noch in dem riesigen schmucklosen Raum herum.

Auch Pep Guardiola mochte noch nicht allein sein. Nicht nach diesem 0:3 seines FC Bayern beim FC Barcelona. Ins Camp Nou war er als Trainer zurückgekehrt. Zu jenem Klub, mit dem er einst als Spieler und danach als Coach fast alles gewann. Barcelona, das ist Heimat für Guardiola.

Am Ende bleibt nur die Meisterschaft

Er hatte also quasi gegen sich selbst verloren. Es muss ihn hart getroffen haben. Ruhig ging es an seinem Tisch zu. Ein Abend in Moll. Im Rückspiel am kommenden Dienstag geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Das Champions-League-Finale in Berlin wird der FC Barcelona bestreiten, so viel steht so gut wie fest.

Was als erhoffter Triple-Triumph vor einer Woche begann, ist damit quasi über Nacht auf eine Meisterschaft zusammengedampft. Dass die Bayern gegen Barca wirklich drei Treffer aufholen können, glauben sie selbst nicht.

Dafür ging es ihnen schon kurz nach dem Schlusspfiff darum, einen unsichtbaren Kreis um eine Elf und ihren Trainer zu ziehen, die beide zusammen derzeit mehr Fragen als Antworten aufgeben. So lobte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge auf seiner Bankettrede seine Bayern – "sie haben 75 Minuten heldenhaft gekämpft" – als habe sich da ein Fußballzwerg wacker geschlagen. Auch der Sportvorstand Matthias Sammer hatte noch im Stadion auffallend milde geurteilt ("77 Minuten gut gespielt"). Man konnte fast den Eindruck gewinnen, die Ausfahrt nach Katalonien war von Anfang an als hoffnungsloses Unterfangen verbucht worden.

Deutsche Tugenden statt Tempo

Doch nicht nur das Fehlen verletzter Stars wie Robben, Ribéry oder Alaba bremste das Bayern-Spiel. Peps Eleven mögen verbissen verteidigt haben, doch vom Fußball Marke Guardiola – viel Ballbesitz – war wenig zu sehen. Offenkundig wurde, dass dieser FC Bayern zwar noch immer gespickt ist mit Weltmeistern und Champions-League-Siegern, ihm jedoch ohne die auch schon betagte, dauerverletzte Flügelzange Ribéry und Robben aber das im modernen Fußball so dringend benötigte Tempo in der Offensive abgeht.

Veteranen wie Schweinsteiger, Alonso oder der nach langer Verletzung noch um seine Form ringende Lahm mögen jeder für sich potenziell wichtige Stabilisatoren im Zentrum sein, sollen sie aber zusammen den Spielaufbau prägen, fehlt ihnen das Sprintvermögen. Ausgelaugt wirkten sie gestern. In den Weg stellten sie sich ihren Gegnern immer wieder, für mehr reichte es nur selten. Kampf war deshalb Triumph, deutsch sah das aus, fast wie früher. Damals warfen Hamann, Jeremies und Co. auch vor allem das in die Waagschale, was man deutsche Tugenden nannte.

Und jetzt, Pep?

Guardiola muss sich deshalb fragen, ob er mit diesen Spielern überhaupt jenen ballbesitzorientierten Fußball spielen kann, der ihm immer vorschwebt. Zahlreiche Rochaden haben den Mangel nicht beheben können.

Folgt nun der große Schnitt? Der selbst vor Klubikonen nicht Halt macht? Oder heißt das Motto: Durchwurschteln im letzten Jahr seines Vertrages? Es ist eine schlaflose Nacht gewesen für Pep Guardiola. In jeder Hinsicht.

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