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Nach der 0:3-Niederlage gegen Barcelona: Guardiola droht zum Schmalspur-Pep zu werden

Für Pep Guardiola ist die 0:3-Niederlage gegen Barcelona eine Schmach, das Erreichen des Finales so gut wie ausgeschlossen – die Folgen wird der Trainer zu spüren bekommen.

Ein Kommentar von Tim Schulze

Pep Guardiola schaute schon während des Champions-League-Halbfinales gegen den FC Barcelona ziemlich sorgenvoll

Pep Guardiola schaute schon während des Champions-League-Halbfinales gegen den FC Barcelona ziemlich sorgenvoll

Die Bayern haben vom FC Barcelona eine Abreibung erhalten – anders kann man die 0:3-Niederlage im Camp Nou nicht bezeichnen. 77 Minuten sah es so aus, als könnte die Mannschaft von Pep Guardiola sogar ein torloses Unentschieden mit nach München nehmen. Doch innerhalb von drei Minuten lösten sich alle Träume vom erneuten Champions-League-Gewinn in Luft auf. Lionel Messi schoss die Bayern mit einem Doppelschlag ab. Neymar setzte in der Nachspielzeit den traurigen Schlusspunkt. Noch gibt es das Rückspiel, doch weder Fußball-Experten noch Bayern-Fans oder die Spieler des FC Bayern glauben wohl ernsthaft daran, dass es der deutsche Rekordmeister noch ins Finale nach Berlin schafft.

Am Tag vor dem Rückspiel gegen Porto hatte Guardiola folgenden Satz gesagt: "Ich weiß, in welchem Verein ich bin. Es ist nicht genug, Meister zu sein hier. Es ist nicht genug, Pokalsieger zu sein hier. Nur das Triple ist genug". Dieser Satz wird Guardiola jetzt nachhängen. Er klang verwegen, vielleicht arrogant, dabei hat der Katalane nur die Realität beschrieben. Die Ansprüche bei den Bayern sind so hoch, dass das Triple nun mal der Maßstab ist. 2013 gelang unter Jupp Heynckes das Titel-Wunder. Seitdem werden die Bayern und vor allem Guardiola daran gemessen.

Der Meistertitel ist zu wenig

Schon nach dem enttäuschenden Aus im DFB-Pokal gegen Dortmund hatte sich die Sache mit dem Triple erledigt. Für die Bayern und ihre hohen Ansprüche war das trotzdem zu verkraften. Schließlich gab (und gibt) es noch die Champions League. Hätten die Bayern noch ernsthafte Chancen, sich die europäische Krone aufzusetzen, dann wäre der Satz von Guardiola nur ein weiterer Beweis für den brennenden Ehrgeiz der Münchner gewesen, aber mehr auch nicht. Ein Champions-League-Gewinn überstrahlt alles.

Wahrscheinlich wird jetzt nur der Meistertitel bleiben – und das ist eine gewaltige Enttäuschung. Und die Worte Guardiolas werden zu einem Brandbeschleuniger werden. Es wird heftige Diskussionen im Club und im Umfeld geben. Die Kritik wird sich hauptsächlich gegen den Trainer richten. Für Guardiola dürfte der Job an der Säbener Straße sehr ungemütlich werden. Er ist vom Heilsbringer zum Schmalspur-Trainer geschrumpft. Meisterschaft kann ja jeder.

Guardiola bietet viele Angriffsflächen

Guardiola bietet viele Angriffsflächen. Das sind seine manchmal schwer verständlichen Taktik-Spielchen (auch für die Spieler!). Gegen Barcelona ließ er erst mit Dreierkette spielen, stellte aber schon nach 15 Minuten um, weil die Idee komplett fehlschlug. Da sind sein Umgang mit dem Weltmeister-Helden Mario Götze, von dem er offensichtlich nicht viel hält, und sein Konflikt mit dem früheren Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt – die Kritiker, so viel ist sicher, wetzen schon die Messer. Man darf gespannt sein, wie der Club und der Trainer damit umgehen. Oder ob es am Saisonende tatsächlich zu einer Trennung kommt.

Gegen Porto im Viertelfinale gelang nach der 3:1-Niederlage noch die sensationelle Wende. Mit 6:1 wurden die Portugiesen im Rückspiel abgefertigt. Einen solchen Sieg werden die Bayern im Rückspiel gegen Barcelona nicht erringen.

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