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0:3-Pleite gegen PSG: So äußern sich die Bayern-Profis: "Über die Aufstellung werde ich nichts sagen"

Die Niederlage gegen Paris St. Germain hat die Bayern erschüttert. In die Kritik geraten vor allem Taktik und Aufstellung. Für beides ist Trainer Ancelotti verantwortlich - das sagen die Bayern-Profis über die Pleite.

Ist die Zeit bei von Carlo Ancelotti beim FC Bayern abgelaufen? Nach der klaren 0:3-Niederlage gegen Paris St. Germain in der Champions League ist die Stimmung beim Rekordmeister im Keller. Ancelotti hatte zahlreiche Superstars auf die Bank verbannt und damit für Erstaunen gesorgt: Mats Hummels, Franck Ribéry und Arjen Robben waren diesmal nur Ersatzspieler, lediglich Robben wurde später eingewechselt. Jerome Boateng war noch nicht einmal im Kader und verfolgte das Spiel von der Tribüne aus. Karl-Heinz Rummenigge kündigte nach der Partie an, "in "Klartextform Konsequenzen zu ziehen".

Ancelotti verteidigte seine Aufstellung: "Es stimmt, dass mit Robben, Ribéry und Hummels viele gute Spieler auf der Bank waren. Aber ich habe in jedem Spiel gute Spieler auf der Bank. So ist es in Topclubs. Gute Spieler müssen auf die Bank, das ist mein Job."

Es ist offensichtlich, dass der Trainer mittlerweile höchst umstritten ist. Ob der Italiener aber schon vor seiner Entlassung steht oder noch eine Chance erhält, wird derzeit nur spekuliert. Die "Bild"-Zeitung berichtet von einer Krisensitzung am Nachmittag - bei der offenbar auch über die Zukunft des Trainers gesprochen werden soll.

Die Spieler hielten sich mit direkter Kritik zurück, doch zwischen den Zeilen konnte man auch Frust - über Spiel und Aufstellung - vernehmen.

Die Stimmen der Bayern-Spieler nach dem Spiel

Thomas Müller: "Der frühe Rückstand war sicher nicht unser Plan. Wir können besser verteidigen, sonst würde ja bei jedem Angriff ein Gegentor passieren. Dass die Qualität vorhanden ist, ist klar. Um über die Aufstellung zu sprechen, bin ich der falsche Mann. Der Trainer trifft seine Entscheidungen und wird sich dabei was gedacht haben. Wir als Mannschaft tragen das mit und wir haben nicht so gespielt, wie wir hätten spielen können."

Joshua Kimmich: "Wir sind hier bei Bayern München. Wenn du 0:3 verlierst, sind Diskussionen immer da. Nach zwei Minuten hat es gleich geklingelt, das darf nicht passieren. PSG hat gar nicht so gut verteidigt, aber bei der Qualität in der Offensive ist klar, dass du unter den Umständen irgendwann Chancen zulässt, wir haben zu viele zugelassen. Das ist natürlich fatal, wenn du solchen Spielern Raum zum Kontern gibst. Eigentlich war unser Ziel, das Zentrum kompakt zu machen und die Räume eng zu lassen. Dann kriegst du das Tor und der Plan ist futsch nach zwei Minuten. Wir müssen körperbetonter spielen, wir sind nicht richtig durchschlagskräftig und wir müssen uns da jetzt was einfallen lassen."

Niklas Süle: Das frühe Tor war fatal

Niklas Süle: "Wir wussten, dass Paris eine super Mannschaft hat, aber dürfen nicht so früh ein Tor bekommen, das war natürlich fatal. Wir haben uns Chancen erspielt, sie aber leider nicht genutzt. PSG hat den Lucky Punch gemacht, gegen das Trio ist schwer zu verteidigen, wenn du so früh zurückliegst."

Arjen Robben: "Wir haben uns viel vorgenommen, waren positiv. Da war heute mehr drin, aber wir haben leider das Tor nicht gefunden. Du weißt, dass die brandgefährlich kontern. Über die Aufstellung werde ich nichts sagen, da ist jedes Wort eins zu viel. Wir brauchen keine Unruhe. Dass wir 3:0 in der Champions League verlieren, das sind wir nicht gewohnt. Das ist nicht der FC Bayern."

Sven Ulreich: "Wir haben es Paris phasenweise zu einfach gemacht. Nach dem frühen Rückstand war es gegen diese Weltklasse-Offensive natürlich sehr schwer. Wir haben uns dann zu einfach auskontern lassen. Ich habe gesagt, dass ich Manuel Neuer nicht einhundertprozentig ersetzen kann. Er ist der Welttorhüter. Ich will nicht in diese Diskussion einsteigen. Ich habe in den letzten Wochen gute Spiele gemacht. Am vergangenen Freitag war es kein gutes Spiel, das kommt vor. Heute habe ich ein ordentliches Spiel gemacht, das war ein Schritt in die richtige Richtung. Ich glaube, dass die Mannschaft weiß, was sie an mir hat."


Das sagen die Experten

Oliver Kahn (ZDF): "Das 1:0 und das 3:0 waren ähnliche Situationen, die die Probleme der Mannschaft auf den Punkt bringen. Beim 1:0 kann sich Paris über 20, 25 Ballstaffetten bei Bayern durchspielen, bis dann endlich das Tor fällt. Beim 3:0 läuft Dani Alves dann praktisch über den ganzen Platz. Der FC Bayern hat einfach keine Idee, keine klaren Mechanismen, wie sie gegen den Ball funktionieren sollen. Es ist ein taktisches Problem. Keiner gibt das Kommando: Jetzt wird mal angegriffen, jetzt wird mal draufgegangen, so ist es schwierig gegen so eine Mannschaft. Ich kann nicht erkennen, dass das Ganze einer Idee folgt, dass systematisch attackiert wird, eine Pressing-Staffette aufgebaut wird. Es plätschert so dahin."

Lothar Matthäus (Sky): "Franck Ribery ist in Paris, in Frankreich nicht zum Einsatz gekommen. Ich glaube, dass das Zwischenmenschliche zwischen Ancelotti und Ribery nicht mehr zu reparieren ist. Das Tischtuch ist aus meiner Sicht zerschnitten. Seit langem brodelt es da, das weiß man. Ich bin der Meinung, dass bei Bayern München die Laufwege und die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen noch nicht so funktionieren, wie man sich das wünscht. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber mit der Aufstellung hat sich Ancelotti heute keinen Gefallen getan."


tis

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