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FC Bayern München: Ein Festival der Harmonie

Bukarest sicher besiegt, im Achtelfinale der Champions League: Bayern München ist auf dem Vormarsch. Hinter den Kulissen allerdings brodelt es: Was passiert mit Podolski? Wechselt Schweinsteiger? Ist der Kader nicht zu dünn besetzt? Fragen, die Hoeneß & Co. beantworten müssen. Noch aber schweigen sie.

Von Jens Fischer, München

Becker und Meyer-Wölden, Connor und Terenzi oder Ferres und Ehemann – 2008 war sicher nicht das Jahr der Liebe. Prominente Trennungen standen auf der Tagesordnung, Zwiespalt, Neid und Missgunst wurden einem beinahe täglich heiß serviert. Da tut so ein Abend in der Münchner Allianz Arena mal so richtig gut. Denn da wurde es den Bayern-Anhängern trotz eisiger Kälte beim Champions-League-Heimspiel gegen die tapferen Rumänen von Steaua Bukarest endlich wieder richtig warm ums Herz.

Die Bayern haben sich nach langen und enttäuschenden Monaten endgültig wieder mit ihren Anhängern versöhnt und sind nach dem souverän heraus gespielten 3:0-Erfolg gegen Bukarest wieder dort, wo sie nach Meinung der sie Liebenden auch hingehören: National und international Spitzenklasse. In der Bundesliga auf Aufholjagd, jetzt schon im Achtelfinale der Champions League und auch im DFB-Pokal noch mit allen Chancen – über einen Fußball-Beziehungspartner wie Bayern München darf man sich derzeit wieder glücklich schätzen.

Allerdings war der letztlich sichere Sieg gegen Bukarest nicht durchgängig ein spielerisches Meisterstück. Nach starkem Beginn mit zahlreichen vergebenen Großchancen taten sich die Bayern gegen frecher werdende Gäste lange schwer. Erst eine deutliche Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit machte den Sieg möglich.

Die Bayern demonstrierten erst in der letzten halben Stunde, dass die Mechanismen des Trainers greifen. "Ich bin hoch zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft, das schaut einfach toll aus", meinte ein sichtlich aufgeräumter Klinsmann nach dem Spiel. "Wir variieren das Tempo und sind seit sechs bis acht Wochen einfach gut im Rhythmus. Die englischen Wochen sind momentan richtig gut für uns."

Aber auch an einer Beziehung mit den eigenen Fans muss man arbeiten. Oft bekommt die Liebe Risse, wenn einer der Partner nicht mehr funktioniert. Und da könnten auf die Bayern in den nächsten Monaten Probleme zukommen. Denn im wieder erstarkten Klinsmann-Team brodelt es weiter unter der Oberfläche.

Auch gegen Bukarest stand der rauf und runter diskutierte Lukas Podolski nicht im Kader. Ein Umstand, der zum Nachdenken einlädt. Rückenprobleme heißt es offiziell, eine vage Diagnose, zumal ein Einsatz Podolskis in der Nationalmannschaft gegen England möglich war. Jürgen Klinsmann findet offensichtlich momentan nur wenig Verwendung für Podolski. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass gegen Bukarest mit Luca Toni und Miroslav Klose – beide machten die Tore gegen Bukarest - nur zwei nominelle Stürmer im Bayern-Kader standen.

Ein Weggang Podolskis scheint mittlerweile unausweichlich. Sein Weg zum 1. FC Köln ist vorgezeichnet. Zeitgleich zum Bayern-Spiel wurde auf der Mitgliederversammlung der Kölner verkündet, dass ein Finanz-Konzept für den Wechsel des verlorenen Sohnes vorbereitet sei. Klinsmann dementiert weiter alle Gerüchte, spricht wie immer von vier Stürmern, die er benötigt, versucht Podolski mit Durchhalteparolen von der Lethargie zu befreien - gleichzeitig aber sprach um die Ecke ein Franz Beckenbauer davon, dass der Wechsel doch nur eine Frage des Geldes sein. Die Zeichen stehen auf Abschied.

Was wird aus Schweinsteiger?

Auch der Fall Bastian Schweinsteiger birgt jede Menge Brisanz. Bärenstark in die Saison gestartet, scheinen ihm die kolportierten Angebote attraktiver Vereine wie Juventus Turin, AC Mailand oder zuletzt Real Madrid doch den Kopf zu verdrehen. Zumindest spielte der so heiß Umgarnte gegen Bukarest schwach und war meilenweit von bereits gezeigten Leistungen entfernt. Er selbst flüchtete sich im Gespräch in Allgemeinplätze. Alles sei möglich, eine Entscheidung noch nicht gefallen, klar, es geht ums Geld, aber auch ums sportliche – alles keine Treueschwüre für den FC Bayern.

Wie instabil das von Klinsmann errichtete und mittlerweile erfolgreiche Bayern-Bauwerk ist, zeigt sich immer dann, wenn sich Franck Ribéry Verschnaufspausen gönnt. Das wurde auch gegen Bukarest deutlich. Nahezu jede gefährliche Aktion ging vom kleinen Franzosen aus.

Ribéry hebt das Spiel der Bayern auf ein anderes Niveau. Die Frage bleibt: Wie lange ist dieser Mann noch in München zu halten? Angeblich fühlt sich Ribérys Ehefrau in München nicht immer wohl und dass er selbst zu höchsten Weihen und vielen internationalen Titeln strebt, ist bei seiner Klasse verständlich. Uli Hoeneß wird gute Argumente brauchen, um seinen Top-Mann auf lange Sicht hinaus zu halten.

Zu diesen Argumenten gehört sicherlich auch eine Verstärkung des Kaders. Auch wenn Schweinsteiger den "großen Wurf" für möglich hält, fehlen Klinsmann dennoch die personellen Alternativen. Fallen Ribéry, Toni oder Klose – gegen Bukarest ein perfekt funktionierendes Trio – aus, wird es eng. Eine gleichwertige zweite Garde ist weit und breit nicht in Sicht – das große Problem der Bayern auf dem Weg zum ersehnten Champions-League-Titel. Vielleicht auch ein Grund, dass Manager Hoeneß nach dem Spiel fluchtartig die Allianz Arena verließ und zu keiner Stellungsnahme bereit war. Es hätten ja mal wieder Fragen nach irgendwelchen Personalien kommen können – und darauf hatte Hoeneß an diesem so schönen Abend nun wirklich keine Lust.

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