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Pep Guardiola beim FC Bayern: Opfer des eigenen Erfolgs

Pep Guardiola schürt immer Hoffnung auf das Triple. Doch selbst mit dem besten Kader der Welt ist der maximale Erfolg keine Selbstverständlichkeit. Guardiolas Gesicht steht nun auch für: Niederlagen.

Eine Analyse von Felix Haas

Pep Guardiolas neues Gesicht beim FC Bayern München: geschlagen und niedergeschlagen

Pep Guardiolas neues Gesicht beim FC Bayern München: geschlagen und niedergeschlagen

Nach dem dritten Gegentor in der Nachspielzeit zuckten bei Pep Guardiola kurz die Mundwinkel nach unten und dann die Augenbrauen nach oben. Es war eine Geste, die das gesamte Gefühlschaos in Guardiola in einer einzigen Sekunde zum Ausdruck brachte. Lange gab es Hoffnung für seine Bayern, doch spätestens das 0:3 bedeutete den absoluten K.o. Ärger, aber noch viel mehr Trauer, steckten in Guardiolas Blick. Es war ein neues Bild, das sich da auf die Iris der Fußball-Welt einbrannte: Pep Guardiola, niedergeschlagen.

Bislang hatte die Welt ja eher einen lachenden oder gestikulierenden Guardiola vor Augen. Oder einen, der eine beliebige Trophäe des Weltfußballs in den Himmel reckt. Auch die Bayern kannten Guardiola vor allem nach fulminanten Siegen als nach zehrenden Niederlagen. Bayern vs. Rom 7:1, Bayern vs. Donezk 7:1, Bayern vs. Porto 6:1. Jedes Mal hatte Guardiola sein Team zur Perfektion getrieben, hatte seinen Spielern unerschütterliches Selbstvertrauen mit auf den Weg gegeben. Und jetzt zweimal das gleiche Bild innerhalb einer Woche: Guardiola, gescheitert.

Die Bayern müssen das erst einmal verdauen. Sie haben den Super-Super-Trainer, sie haben den besten Kader der Welt (jedenfalls in der Breite). Die Erkenntnis der vergangenen Wochen aber ist: Ein Triple garantiert das nicht.

Es garantiert die Meisterschaft, weil eben Woche für Woche ein Spitzenteam topmotiviert auf dem Rasen steht. Doch es garantiert keinen Champions-League-Titel. Dort kann mit einem schlechten Spiel gegen ein Team mit den besseren Einzelspielern alles vorbei sein (noch ist nicht alles vorbei, schließlich gibt es noch ein Rückspiel gegen Barcelona).

Kritik an Guardiola wird lauter

Natürlich muss sich Guardiola nun Kritik stellen. Effenberg, Matthäus, all' die alten Bayern-Recken wagen sich aus ihren Verstecken und kritisieren, diskutieren Einwechslungen und Taktik-Entscheidungen. Guardiola muss das aushalten, er selbst ist für das Anspruchsdenken verantwortlich, er schürt schließlich die Hoffnung auf den maximalen Erfolg: "Nur das Triple ist genug", sagte er nach der gewonnenen Mesiterschaft vor ein paar Wochen. Gewinnen, das war bislang Guardiolas zweiter Vorname.

Das Absurde ist, dass erst Guardiolas Perfektion diese große Enttäuschung nach Niederlagen hervorruft. Wer so durch die Liga braust, der kann sich ja nur noch auf die Champions League und die Duelle in der großen weiten Welt freuen, weil daheim - auf den Plätzen in Hoffenheim und Bremen - da wartet keine Herausforderung mehr. Pep Guardiola wird so zum Opfer des eigenen Erfolgs.

Kein Verein gewinnt immer das Triple

Weil die Münchner so dominant in der Liga sind, merkt keiner, was Guardiola geschafft hat. Er hat den Triple-Sieger von 2013 stabilisiert, ihn zu absoluter nationaler Dominanz und zweimal ins Champions-League-Halbfinale geführt.

Kein Welt-Verein, nicht der FC Barcelona, nicht Real Madrid, nicht der FC Chelsea, gewinnt regelmäßig ein Triple. Barcelona kommt gerade aus einer mehrjährigen Durststrecke, Real Madrid gewann im vergangenen Jahr zwar die Champions League, in der Meisterschaft hatte aber Atlético die Nase vorn. Und der FC Chelsea dominiert zwar in England, ist aber schon im Champions-League-Achtelfinale rausgeflogen.

Guardiola erträgt die Niederlage mit Haltung

Beim FC Bayern scheinen sie diesen Gedanken, dass es in Europas Spitze eng zugeht, dass Kleinigkeiten entscheiden können, zu kennen. Sie bewahren einen kühlen Kopf. Matthias Sammer, der Dauernörgler und "schlechteste Verlierer" der Münchner betonte vor dem Spiel, dass man Guardiolas Wirken nicht verurteilen werde, wenn die Bayern gegen Barcelona ausscheiden würden.

Und so war es fast ein Trost, dass sich aus Pep Guardiolas Gesichtsausdruck nach dem 0:3 auch noch etwas anderes ablesen ließ als Trauer. Es war: Haltung. Selbst der erfolgsverwöhnte Pep Guardiola hat nach einer Woche voller Rückschlage gelernt, Niederlagen mit Fassung zu tragen - sie passieren eben auch den Besten.

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