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FC St. Pauli: Finanzspritze DFB-Pokal

Ein Regionalligist mischt den DFB-Pokal auf: Durch den 4:3-Sieg gegen Hertha BSC steht der FC St. Pauli im Viertelfinale. Für den "Pokalschreck" ist dies ein Glücksfall - und könnte einen Millionen schweren Vorteil bedeuten.

Von Frauke Hansen

Damit haben die wenigsten gerechnet: "Pokalschreck" FC St. Pauli steht im Viertelfinale des DFB-Pokals. Zum vierten Mal in der Geschichte kann Pauli vom Einzug ins Halbfinale träumen. In der nächsten Runde wird der Hamburger Regionalligist auf den Bundesligisten Werder Bremen treffen. Ein harter Brocken - und doch ein Glücksfall für den Kiez-Klub. Sollte die ARD am 24. Januar die Partie St. Pauli - Werder übertragen, könnten die Hamburger mit einem Schlag einen Großteil ihrer Schulden begleichen.

Aktuell sitzt St. Pauli auf einem Finanzloch von knapp 3,2 Millionen Euro, die TV-Übertragung des Viertelfinales könnte dem Verein eine knappe Million Euro einbringen. Zuschauerreinnahmen in Form von Ticketgebühren und Merchandising-Geldern (schon gestern kursierten T-Shirts mit "Wir sind Pokal"-Aufschrift unter den Pauli-Fans) erhöhen den Gewinn noch weiter. "Diese Einnahmen decken natürlich nicht alle unsere Schulden, bauen jedoch jede Menge Druck ab", sagt Christian Bönig, Pressesprecher beim FC St. Pauli. Der finanzielle Vorteil des Viertelfinal-Einzuges stehe jedoch im Hintergrund, das Spiel und der sensationelle Sieg gegen Hertha BSC sei ein "emotionales Highlight für alle St. Pauli-Anhänger" und der eigentliche Kracher des Abends. Gespielt werden soll auf jeden Fall im maroden Millentor-Stadion, denn ein Umzug in die ungeliebte AOL-Arena sei schon wegen der Stadionmiete wenig lukrativ. Ausserdem weigern sich viele Pauli-Anhänger ins Stadion zu gehen, weil die Gelder teilweise dem Lokalrivalen HSV in die Kassen fließen würden.

"Wen, wenn nicht uns?"

Wie groß die Differenzen bei Live-Spielen sind, hat sich schon beim Achtelfinale gezeigt: Ohne die TV-Übertragung verdiente Pauli am Spiel gegen Berlin lediglich 247.000 Euro (plus Zuschauereinnahmen). Der HSV hingegen - sein Spiel gegen "Herbstmeister" Bayern München wurde von der ARD übertragen - kann sich auf Grund der Live-Übertragung über satte 677.000 Euro (plus Zuschauereinnahmen) freuen.

Noch hat die ARD nicht entschieden, welches Viertelfinale sie live senden wird. Christian Bönig rechnet fest mit einer TV-Übertragung von St. Pauli gegen die Bremer Erstligisten. "Wenn das Fernsehen uns nicht überträgt, dann verstehe ich die Fußball- und die Medienwelt nicht mehr. Wen, wenn nicht uns? Wir sind der einzige Regionalligist, der noch im Spiel ist, der HSV ist auch schon draußen - unser Spiel gegen Werder verspricht große Spannung." Auch Werder freut sich auf das nächste Nordderby im Viertelfinale. "Das ist eine ganz besondere Paarung. Wir spielen beim letzten Amateurverein, und wir freuen uns auf die tolle Atmosphäre am Millerntor", sagte Trainer Thomas Schaaf. Die Partie St. Pauli - Werder Bremen würde Pauli auch in anderer Hinsicht gut gelegen kommen: Ein Viertelfinale birgt das Potential für hohe Zuschauerzahlen. Das Spitzenspiel Bayern gegen HSV zum Beispiel konnte am Mittwoch 9,03 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 28,4 Prozent) vor den Fernseher locken.

Ungewöhnliche Geldbeschaffung

Im "normalen" Fußballalltag kann der FC St. Pauli nicht mit TV-Geldern rechnen und greift auch gerne mal zu ungewöhnlichen Methoden zur Geldbeschaffung: zum Saisonende 2002/03 zeichnete sich eine Liquiditätslücke in Höhe von rund 1,95 Millionen Euro ab. Ohne die Deckung dieser Lücke wäre der Verein vom DFB nicht zur Regionalliga zugelassen worden. Durch mehrere, bundesweit Aufsehen erregende Spendenaktionen gelang es Anhängern und Verein innerhalb von nur drei Monaten, weit mehr als die benötigten 1,95 Millionen Euro aufzutreiben und so den doppelten Abstieg innerhalb einer Saison in die Oberliga abzuwenden. Und auch in dieser Saison sieht die Finanzlage schlecht aus. Doch durch den Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale ist der St. Pauli-Fußballalltag alles andere als "normal" - wenn sich die ARD dazu entschließt, die Finanzspritze DFB-Pokal gut zu füllen.

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