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Kritik an FIFA-Chef: Maradona nennt Blatter "Diktator auf Lebenszeit"

Kurz vor der Wahl eines neuen FIFA-Präsidenten erntet Amtsinhaber Joseph Blatter erneut heftige Kritik. Eine Wiederwahl gilt dennoch als sicher.

Übt hefitge Kritik an FIFA-Präsident Joseph Blatter, Ex-Fußballprofi Diego Maradona

Übt hefitge Kritik an FIFA-Präsident Joseph Blatter, Ex-Fußballprofi Diego Maradona

Argentiniens Fußball-Legende Diego Armando Maradona hat wenige Tage vor der Wahl des FIFA-Präsidenten Amtsinhaber Joseph Blatter erneut scharf kritisiert. Der Weltverband sei eine "Spielwiese der Korruption". Unter Blatter sei die FIFA für die, die sich ernsthaft um den Fußball sorgen würden, "eine Schande und eine schmerzhafte Peinlichkeit" geworden, schrieb Maradona in einem Beitrag für die britische Zeitung "The Telegraph".

Eine fünfte Amtszeit Blatters bezeichnete Maradona als "Absurdität". In der FIFA sei so etwas aber irgendwie okay. "Wir haben einen Diktator auf Lebenszeit", schrieb Maradona. Der Weltmeister von 1986 gilt als Unterstützer von Blatters einzigem noch verbliebenen Gegenkandidaten, dem jordanischen Prinzen Ali bin Al-Hussein.

Blatter soll Versprechen gebrochen haben

Der Jordanier bekommt kurz vor der Wahl am Freitag auf dem Kongress der FIFA in Zürich ebenfalls Unterstützung von UEFA-Chef Michel Platini. Der Franzose beschuldigte seinen einstigen Förderer Blatter, aus purem Egoismus eine fünfte Amtszeit anzustreben. "Aber wenn er die FIFA wirklich lieben würde, sollte er ihre Interessen wichtiger nehmen als seine", sagte er in einem Interview der Sportzeitung "L'Équipe". Für Ali bin al-Hussein findet Platini hingegen nur positive Worte: "Er sagt, was der denkt und er hat keine Angst, den Status quo zu verändern". Zudem würde der Jordanier einen Mehrwert bringen und sei jemand, der im Team arbeiten könne - eine Fähigkeit, die der UEFA-Chef Blatter offenbar abspricht.

Platini mokierte sich vor allem darüber, dass Blatter sein Versprechen an die Europäer aus dem Jahr 2011 gebrochen habe. "Er hat uns in die Augen geschaut und gebeten, ihn für seine letzte Amtszeit zu unterstützen", sagte Platini. Er habe damals den UEFA-Verbänden auf Basis einer "Lüge" die Empfehlung zur Wahl Blatters gegeben. Dass der 79 Jahre alte Schweizer erneut antrete, hat laut Platini nichts damit zu tun, dass dieser wie von ihm selbst behauptet "seine Mission" beenden wolle oder noch "große Pläne" für den Weltfußball habe. "Nein - er hat einfach Angst vor der Zukunft, weil er sein Leben an die Institution gegeben hat, bis zu dem Punkt, an dem er sich selbst mit der FIFA komplett identifiziert", sagte Platini. Diese "Angst vor der Leere" könne er sogar verstehen. Für seine eigene Karriere hoffe er, den Zeitpunkt für das richtige Ende im Gegensatz zu Blatter nicht zu verpassen.

Wiederwahl Blatters gilt als sicher

Die Aussichten auf einen Sieg Al-Husseins in Zürich sind trotz der Kritik an Blatter minimal. Der Amtsinhaber hat die Stimmen aus Afrika und Ozeanien bereits versprochen bekommen. Auch aus Nord- und Mittelamerika und sogar aus Asien - der Heim-Konföderation des Prinzen - dürften die meisten Stimmen an den seit 1998 regierenden Schweizer gehen.

Die UEFA-Spitze um Platini - der selbst kein Stimmrecht hat - und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach will sich am Mittwoch am Rande des Europa-League-Endspiels in Warschau noch einmal zu Konsultationen treffen. Einen Tag später tagen alle 54 UEFA-Mitglieder wenige Stunden vor der Kongresseröffnung in Zürich. "Ich bin selber gespannt, ob es einen geschlossenen Auftritt der Europäer geben wird", sagte Niersbach der Deutschen Presse-Agentur.

Der DFB kann nach seinen klaren Aussagen für einen Wechsel nur noch für Prinz Ali stimmen. Lieblingskandidat Michael van Praag hatte wie Luis Figo in der Vorwoche seinen Rückzug verkündet, um die minimalen Aussichten Al-Husseins nicht noch mehr zu schmälern. Letztlich wird es für die Anti-Blatter-Koalition primär noch darum gehen, eine Zwei-Drittel-Mehrheit Blatters zu verhindern, den FIFA-Chef damit in einen zweiten Wahlgang zu zwingen und ihm zumindest eine symbolische Niederlage beizubringen.

db/DPA / DPA

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