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Fußball-Weltmeister 2011: Japan schlägt USA im Elfmeter-Drama

Es war ein Wahnsinns-Finale: Zweimal gehen die US-Girls in Führung, zweimal gleichen die Japanerinnen aus - und im Elfmeterschießen haben sie die besseren Nerven.

Von Tim Schulze

Die Japanerinnen haben in einem hochklassigen und packenden Finale die US-Frauen besiegt und den WM-Titel gewonnen. Zweimal glichen die Spielerinnen von Trainer Norio Sasaki einen Rückstand aus und retten sich so ins Elfmeterschießen, das sie mit 3:1 (2:2 n.V.) gewannen. Am Ende versagten den Amerikanerinnen die Nerven, sie waren bei vier Versuchen nur ein Mal erfolgreich. Das Endspiel in Frankfurt wird ohne Zweifel in die Geschichte des Frauenfußballs eingehen: Klasse, Tempo, Kampf und spektakuläre Szenen prägten dieses Endspiel, in dem das US-Team lange Zeit hoch überlegen war, aber auch zahlreiche Torchancen nicht nutzte.

Die Tore der USA durch Alex Morgan (69. Minute) und Abby Wambach (104.) wurden durch Japans Aya Miyama (81.) und Homare Sawa (117.) egalisiert. Im Elfmeterschießen versenkte schließlich Saki Kumagai den entscheidenden Strafstoß und schoss Japan zum ersten WM-Titel im Frauen-Fußball.

Furiose US-Frauen


Dabei hatte es lange nicht nach einem Erfolg für die Japanerinnen ausgesehen. Die Amerikanerinnen legten furios los und ließen den Gegnerinnen kaum Luft zum Atmen. Mit einem Powerplay schnürten sie die Japanerinnen von der ersten Minute regelrecht ein und ließen einen gefährlichen Angriff nach dem anderen auf das Tor des Gegners rollen. Schon nach 20 Sekunden scheiterte Lauren Cheney aus spitzem Winkel an Japans Torfrau Ayumi Kaihori, die auch in der Folge im Mittelpunkt des Geschehens stand. Die Amerikanerinnen vergaben zahlreiche hochkarätige Torchancen. Nacheinander scheiterten Carli Lloyd (8.) und Megan Rapinoe (18.) jeweils mit ihren Schussversuchen, die knapp ihr Ziel verfehlten.

In dieser Phase des Spiels hatten die Japanerinnen dem aggressiven und kraftvollen Spiel der US-Frauen kaum etwas entgegenzusetzen. Erst nach 20 Minuten schalteten die Amerikanerinnen einen Gang zurück. Trotzdem blieben sie die überlegene Mannschaft, weil sie auch in der Defensive das Kombinationsspiel der Asiatinnen kaum zur Entfaltung kommen ließen. Nach einer halben Stunde vergab Abby Wambach (29.) die größte Chance der Amerikanerinnen in der ersten Halbzeit. Nach einem schnellen Konter traf ihr strammer Schuss nur die Latte. Auch Cheney scheiterte noch einmal mit einem Kopfball, der wieder knapp über das Tor strich.

Japan befreit sich nur langsam aus US-Umklammerung


Gegen Ende der ersten Halbzeit kamen die Japanerinnen besser ins Spiel. Nach feinem Pass von Shinobu Ohno kam Angreiferin Kozue Ando endlich mal zum Abschluss. Aber ihr schwacher Schuss stellte für US-Torhüterin Hope Solo kein Problem dar, die bis dahin fast beschäftigungslos war (31.). Einmal noch gelang den Japanerinnen eine schöne Kombination in den Strafraum der US-Frauen, aber Ando erreichte den Außenrist-Pass von Ohno nicht mehr. Die Japanerinnen retteten sich mit viel Glück in die Halbzeitpause.

Die zweite Halbzeit begann gleich mit einem Paukenschlag, wieder durch die US-Frauen. Trainerin Pia Sundhage nahm Cheney aus dem Spiel und brachte Alex Morgan – ein absoluter Glücksgriff. Gleich nach Wiederanpfiff kam Morgan nach einer flachen Hereingabe von Außen im Fünfmeterraum an den Ball, doch Asusa Iwashimizu rettete knapp vor der Linie. In dieser Phase des Spiels waren die Amerikanerinnen wieder die spielbestimmende Mannschaft, wenn auch nicht mehr so dominant wie in den ersten 45. Minuten. Wieder war es die famose Wambach, die einen wuchtigen Kopfball auf das Tor brachte, diesmal scheiterte sie an der glänzend parierenden Keeperin Kaihori (65.).

Amerikanerinnen patzen in der Abwehr


Kurz zuvor hatte Japan Pech, als die deutsche Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus einen Konter abpfiff – eine Fehlentscheidung. Ansonsten lieferte die deutsche Unparteiische eine souveräne Leistung ab. Wenige Minuten gab den verdienten Lohn für die bis dahin hoch überlegene US-Mannschaft. Ein langer Ball von Rapinoe fand Morgan, die in bester Stürmerart den Ball behauptete und aus gut sechzehn Meter von halblinks im langen Eck versenkte – die verdiente Führung.

Aber die Japanerinnen steckten nicht auf. Bei einem Klärungsversuch im Strafraum traf Alex Krieger den Ball unglücklich und Aya Miyama versenkte den Ball, der erneute Ausgleich. Das hochklassige Spiel ging in die Verlängerung. Dann war es die großartige Abby Wambach, die für die erneute Führung sorgte. Nach einer Flanke von Morgan stand Wambach goldrichtig und wuchtete den Ball per Kopf zum 2:1 ins Netz.

Wer sich jetzt zurücklehnte und dachte, das Spiel wäre entschieden, irrte. Selbst in den Schlussminuten trieben beide Mannschaften ihre Angriffsreihen immer wieder nach vorne. Die Grande Dame der Asiatinnen war es, Homare Sawa, die nach einem Eckball zum erneuten Ausgleich traf. Ebenfalls per Kopf. Der Wahnsinn setzte sich fort, selbst in den Schlussminuten jagte ein Höhepunkt den nächsten. Sogar eine rote Karte gab es noch für Iwashimizu, die als letzte Frau die heranstürmende Morgan fällte. Steinhaus zögerte keinen Moment und zückte die rote Karte. Dann folgte das Elfmeterschießen, in dem sich die US-Frauen selbst besiegten.

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