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Fußball-Bundesliga: Dortmund erlegt Bayern

Schwere Krise bei den Bayern: In Dortmund hat der Rekordmeister seine nächste Niederlage kassiert. Der Rückstand auf Spitzenreiter Mainz beträgt jetzt 13 Punkte. Leverkusen und Bremen trennten sich leistungsgerecht unentschieden.

Für den deutschen Rekordmeister FC Bayern München rückt die Titelverteidigung nach einem historischen Fehlstart in fast unerreichbare Ferne. Statt der erhofften Aufholjagd musste das Team von Trainer Louis van Gaal mit dem 0:2 (0:0) bei Borussia Dortmund einen weiteren Rückschlag in der nationalen Meisterschaft hinnehmen. Bayer Leverkusen und Bremen trennten sich leistungsgerecht 2:2. Vor allem für die Bremer ist das Remis zu wenig, weil sie in der unteren Tabellenregion auf dem 13. Platz gefangen bleiben. Leverkusen darf mit dem vierten Rang zufrieden sein.

Bayern München liegt nach der klaren Niederlage in Dortmund nach sieben Spieltagen als 13. bereits 13 Punkte hinter dem Tabellenführer aus Mainz und zehn Zähler hinter dem Zweiten aus Dortmund zurück. Trotz überlegen geführter erster Halbzeit wurden die Bayern wieder einmal Opfer ihrer Abschlussschwäche. "Ihr könnt nach Hause fahren", sang die Dortmunder Südtribüne und schwenkte weiße Taschentücher.

Barrios und Sahin erlegen Bayern


Vor 80.720 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park besiegelten Torjäger Lucas Barrios (52. Minute) mit seinem vierten Saisontreffer und der türkische Nationalspieler Nuri Sahin (60.) mit einem herrlichen Freistoß die dritte Saison-Niederlage des Champions- League-Finalisten. Bittere Bayern-Bilanz sind acht Punkte und ein negatives Torverhältnis - schlechter starteten die Münchner noch nie in eine Bundesliga-Saison. Beim Wiesn-Besuch an diesem Montag dürfte die eine oder andere Frust-Maß angesagt sein.

Dabei traten die Gäste 45 Minuten lang dominant auf wie selten in dieser Saison - bis die jungen BVB-Profis nach dem Wechsel ihren Respekt ablegten und den Spielverlauf auf den Kopf stellten.

Gomez vergibt viele Chancen


Überraschend hatte van Gaal den bislang glücklosen Stürmer Mario Gomez erstmals in dieser Saison von Beginn an in den Angriff beordert und Edson Braafheid in der Abwehr aufgeboten. Miroslav Klose und Ivica Olic saßen vor zunächst nur auf der Bank. Und der 35-Millionen- Mann stand mehrmals im Blickpunkt. Zunächst vergab Gomez frei stehend vor BVB-Torwart Roman Weidenfeller aus kurzer Distanz (7.), dann blieb er im Strafraum an Neven Subotic hängen (26.).

Kurz vor der Pause scheiterte der frühere Stuttgarter nach feinem Pass von Bastian Schweinsteiger, der offensiver als sonst auf der Zehner-Position zu Werke ging, am gut reagierenden Weidenfeller (41.), drei Minuten später landete sein Kopfball knapp neben dem Dortmunder Tor. Die Bayern agierten überlegen, klug und engagiert in der Offensive.

Butt kaum geprüft in erster Halbzeit


Bis zur Pause blieb Bayern-Schlussmann Jörg Butt quasi beschäftigungslos. Die junge BVB-Elf startete fast schon ehrfürchtig. "Wir machen bislang kein wirklich gutes Spiel. Wir sind ein wenig beeindruckt. Bayern hat Übergewicht und die besseren Chancen", sagte BVB-Manager Michael Zorc zur Pause im TV-Sender Sky. Nach dem unglücklichen 0:1 in der Europa League am Donnerstag gegen den FC Sevilla wirkten die schwarz-gelben Jungstars müde und ausgelaugt und zitterten sich in die Erholungsphase nach den ersten 45 Minuten.

Was auch immer Dortmunds Trainer Jürgen Klopp in der Kabine seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hatte - es zeigte Wirkung. Torjäger Barrios stellte mit einem Tor aus dem Nichts den Spielverlauf auf den Kopf. Nach missglückter Kopfball-Abwehr des eingewechselten Martin Demichelis überwand der Nationalstürmer Paraguays den machtlosen Butt.

Sahin zauberte den Ball ins Tor


Nur acht Minuten später ließ Sahin vor den Augen seines türkischen Nationaltrainers Guus Hiddink mit einem direkt verwandelten Freistoß ins obere Toreck Butt keine Chance. Als Barrios ausgewechselt wurde, erhoben sich die Dortmunder Fans von ihren Sitzen und feierten den Angreifer.

Die Münchner fanden auf einmal kein Mittel mehr gegen die nun clever auftrumpfenden Gastgeber. Demichelis erwies sich als Sicherheitsrisiko, nach vorne ging in der zweiten Hälfte (fast) nichts mehr. Mit "Nuri"-Sprechchören verabschiedeten die Fans Sahin bei seiner Auswechslung - am Freitag trifft er einige Bayern wieder - im EM-Qualifikationsspiel gegen die DFB-Auswahl in Berlin.

Derdiyok rettet Leverkusen einen Punkt


Der Schweizer Stürmer Eren Derdiyok rettete Bayer Leverkusen beim unterhaltsamen 2:2 (1:0) gegen Werder Bremen einen Punkt. 30.210 Zuschauer und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke sahen eine phasenweise atemberaubende Partie und starke Leistungen der beiden Nationalkeeper Rene Adler und Tim Wiese. Die Partie begann mit 15minütiger Verspätung, weil ein Verkehrsstau rund ums Stadion den pünktlichen Anpfiff verhinderte.

Nach der 0:4-Schmach in der Champions League bei Inter Mailand waren die Bremer mit dem letzten Aufgebot und nur 16 Spielern nach Leverkusen gereist. Die Bremer begannen gut, aber nach einer Viertelstunde konnte Bremens Philipp Bargfrede den Schuss von Hanno Ballitsch noch auf der Linie klären, 60 Sekunden später markierte Helmes nach einem Zuckerpass von Tranquillo Barnetta mit seinem zweiten Saisontreffer das 1:0 (16.). In der Folge dominierte Leverkusen die Partie, die sehenswert blieb.

Almeida brachte Schwung


Zur zweiten Hälfte kam bei Bremen Almeida für Bargfrede, und mit dem Portugiesen wurden die Gäste-Angriffe unberechenbarer. Almeidas Schussgewalt brachte die leidenschaftlichen Norddeutschen schließlich zurück ins Spiel. Durch einen sehenswerten Freistoß-Kracher aus knapp 20 Metern markierte der 26-Jährige den verdienten Ausgleich.

Die Partie nahm jetzt Fahrt auf. Beide Mannschaften wollten den Sieg. Sogar Marin rackerte nach hinten - und wurde vorne für seine stark verbesserte Leistung belohnt. Nach einer Massflanke von Aaron Hunt drückte der nimmermüde Wirbler den Ball mit dem Außenrist über die Linie (62.).

Bayer ging volles Risiko. Derdiyok, erst in der 65. Minute eingewechselt, sicherte dem Team von Trainer Jupp Heynckes am Ende den verdienten Punkt. Der Schweizer tanzte bei seinem unwiderstehlichen Solo drei Werder-Profis aus und ließ Wiese mit einem Flachschuss keine Chance.

DPA/tis / DPA

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