HOME

Fußball-Bundesliga: High Noon im Abstiegskampf

Noch können Rostock, Bochum und Freiburg den Abstieg aus der Bundesliga verhindern. Vorrausetzung dafür: ein Sieg im nächsten Spiel. Damit das gelingt, hat jeder der drei Vereine einen besonderen Trumpf parat.

Von Kai Behrmann

Die Ausgangslange für die drei Tabellen-Kellerkinder Bochum, Freiburg und Rostock vor dem 20. Spieltag der Fußball-Bundesliga ist klar: Nur drei Punkte würden die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben erhalten. Bei einer erneuten Niederlage droht der Anschluss an einen Nichtabstiegsplatz endgültig verloren zu gehen. Bereits jetzt beträgt der Abstand von Bochum und Freiburg jeweils sechs, für Rostock sogar neun Punkte. Eigentlich trübe Aussichten. Allerdings haben alle drei Vereine einen besonderen Trumpf für die finale Aufholjagd im Ärmel. In Rostock hofft man auf Neuzugang Jari Litmanen, beim SC Freiburg hat vor allem die Rückkehr des lange verletzten Spielmachers Zlatan Bajramovic neue Zuversicht ausgelöst und in Bochum spricht die Statistik für einen Erfolg gegen Arminia Bielefeld.

Bis kurz vor Schließung der Transferliste am 31. Januar hatte es in Rostock so ausgesehen, als wolle Hansa ohne Verstärkungen im Abstiegskampf bestehen. Doch dann landete der einzige Ostverein der Fußball-Bundesliga mit der Verpflichtung des Finnen Jari Litmanen einen fast sensationellen Coup. Als zweiter Neuzugang wechselte kurze Zeit später auch noch Ex-Nationalspieler Michael Hartmann von Hertha BSC an die Ostseeküste.

Zu welchen Leistungen der ehemalige Weltklassespieler Litmanen im Spätherbst seiner Karriere allerdings noch fähig ist, bleibt abzuwarten. Der 33-Jährige gilt zudem als extrem verletzungsanfällig. Als Litmanen noch bei Ajax Amsterdam spielte, trug er deshalb den zweifelhaften Spitznamen "man van glas", Mann aus Glas. Bei Hansa Rostock ist man dennoch davon überzeugt, dass der Finne sich als großes Ass im Abstiegskampf erweisen wird. "Das ist ein echter Hammer. Jari ist genau der Spieler, den wir gesucht haben. Er lässt den Hoffnungsfunken, der ja noch glimmt, etwas heller erleuchten", ist Hansas Vorstandvorsitzender Manfred Wimmer voll des Lobes für die spektakuläre Neuverpflichtung.

"Große Herausforderung für mich"

Auch Rostocks Trainer Jörg Berger freut sich auf den finnischen Nationalspieler. "Mit ihm sind wir nicht mehr so leicht auszurechnen und erreichen einen sportlichen Qualitätssprung. Zudem wird der Konkurrenzkampf wieder angeheizt", so Berger. Den Gesundheitstest bestand Litmanen, der zuletzt in seiner Heimatstadt Lahti gespielt hat, jedenfalls problemlos. Vor seinem Bundesligadebüt gegen den Meisterschaftskandidaten Schalke 04 strotzt der Finne vor Ehrgeiz: " Es ist eine große Herausforderung für mich, mit Hansa um den Klassenverbleib zu kämpfen. Darüber hinaus ist die Bundesliga eine neue Erfahrung für mich."

In Freiburg ruhen die Hoffnungen auf den Schultern von Spielmacher Zlatan Bajramovic. In der Hinrunde war der Bosnier fast die gesamte Zeit wegen einer schweren Verletzung zum Zuschauen verurteilt. Im letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg deutete er mit einer starken Leistung gekrönt von einem Treffer an, wie wertvoll er für die Breisgauer ist. Darüber hinaus kann sich Freiburgs Trainer Volker Finke über sein glückliches Händchen bei der Verpflichtung von drei neuen Spielern während der Winterpause freuen. Besonders der Österreicher Andreas Iberstberger und der Georgier Otar Khizaneishvili haben der wackligen Freiburger Hintermannschaft in den bisherigen zwei Rückrundenspielen neue Sicherheit verliehen.

Aber auch Freiburgs nächster Gegner Borussia Mönchengladbach hat sich offenbar in der Winterpause gut verstärkt. Insgesamt sieben neue Gesichter durfte Borussen-Trainer Dick Advocaat bei den Fohlen begrüßen. Die beiden Belgier Filip Daems und Bernd Thijs, der Australier Craig Moore sowie Ex-Nationalspieler Jörg Böhme und US-Torhüter Kasey Keller entpuppten sich dabei auf Anhieb als echte Leistungsträger. Zudem wird es aufgrund der Gladbacher Heimstärke im jüngst fertig gestellten Borussen-Park schwer für die Freiburger werden, die Miniserie Erfolgsserie von zuletzt fünf Punkten aus drei Spielen fortzusetzen.

Warten auf Samba-Peter

Während bei Freiburg und Rostock zuletzt ein klarer Aufwärtstrend zu verzeichnen war, so hagelte es für den VfL Bochum in den letzten Spielen meist herbe Niederlagen. So wie die 0:4-Klatsche am vergangenen Wochenende bei Bayer 04 Leverkusen. Auch ist die Heimstärke aus der letzten Spielzeit wie weggeblasen. Damals war das Ruhrstadion noch eine Festung. Mit insgesamt 38 Punkten und nur sechs Gegentoren legte der VfL zu Hause den Grundstein für den Einzug in den UEFA-Cup. Stolze Elf Mal hatte Bochum-Trainer Peter Neururer nach Siegen vor der Fan-Kurve Gelegenheit, seine Moonwalk-ähnlichen Tanzeinlagen aufzuführen.

Mittlerweile ist der Gang zu den Fans für Neururer zu einem Spießrutenlauf geworden. Immer lauter fordern die Bochum-Anhänger seinen Rausschmiss. Glaubt man allerdings den Worten der Vereinsführung, so sitzt Neururer auch trotz der akuten Abstiegsgefahr weiterhin fest im Sattel. "Es kann nicht am Trainer liegen, es sei denn, er hat seine Motivation verloren. Das ist aber nicht der Fall", stärkt Bochums Aufsichtsratschef Werner Altegoer seinem Trainer demonstrativ den Rücken.

Dass solche Treueschwüre bei weiteren Niederlagen jedoch schnell wertlos sein könnten, weiß auch Peter Neururer. Die Partie gegen Aufsteiger Bielefeld hat er deshalb zu einem "Endspiel" erklärt. Seine Mannschaft scheint ebenfalls die Bedeutung der Partie verinnerlicht zu haben. "Wenn wir gegen Bielefeld nicht aufwachen, sind wir schneller in der zweiten Liga, als wir denken können. Dieses Spiel ist unsere letzte Chance", so Mittelfeldspieler Tomasz Zdebel.

Hopp oder Topp für Neururer

Seine Mannschaft scheint Peter Neururer offensichtlich noch zu erreichen. Außerdem spricht die Statistik für einen Bochumer Sieg gegen die Arminia. Gegen deren Trainer Uwe Rapolder hat Neururer noch nie verloren. "Die Serie hält", verspricht der 49-Jährige. Wenn nicht, ist auch ein freiwilliger Abgang des VfL-Coaches denkbar. "Ich habe immer gesagt, wenn ich die Mannschaft nicht mehr erreichen kann, gehe ich zum Präsidenten und sage es hat keinen Zweck mehr", betont Neururer.

Wissenscommunity