HOME

Fußball-Bundesliga: Lehmanns Rote Karte kostet Stuttgart den Sieg

Der deutsche Meister im Sinkflug: Der VfL Wolfsburg hat nach einer desolaten Leistung gegen Dortmund verloren. Stuttgart führte lange gegen Mainz, bis Keeper Jens Lehmann die Rote Karte sah. Durch den anschließenden Elfmeter gelang dem Aufsteiger noch der Ausgleich.

Erst sah Jens Lehmann Rot, dann flüchtete er kommentarlos vom Ort des Geschehens: Mit einem Ausraster kurz vor Schluss hat der ehemalige Nationaltorhüter den VfB Stuttgart im Gastspiel beim FSV Mainz 05 um einen sicher geglaubten Sieg und den erhofften Befreiungsschlag in der Fußball-Bundesliga gebracht. Der Routinier trat kurz vor Schluss FSV-Stürmer Aristide Bancé im Strafraum auf den Fuß und sah dafür die Rote Karte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Eugen Polanski in der 90. Minute zum 1:1 (0:1).

"Er hat Erfahrung, aber in Stresssituationen kann so etwas passieren. Er wurde auch provoziert. Ich kenne den Fußballer Jens Lehmann ganz gut, den Menschen aber nicht. Ich werde mit ihm darüber sprechen", sagte VfB-Trainer Christian Gross. "Es ist natürlich bitter, dass wir hier noch den Ausgleich bekommen. Ich muss erst mit Jens über die Szene reden", meinte VfB-Sportdirektor Horst Heldt. Vor 20.300 Zuschauern hatte Pawel Pogrebnjak (11.) die Gäste in Führung gebracht und vom ersten Bundesligasieg seit elf Wochen träumen lassen. Nach dem neunten sieglosen Bundesligaspiel hängt der VfB als 15. mit 13 Punkten weiter im Tabellenkeller fest. "Die Mannschaft hat gefightet und alles gegeben", sagte Heldt.

Lehmann war der Buhmann


Die zu Hause immer noch ungeschlagenen Mainzer stockten ihr Punktekonto auf 24 auf und liegen damit weit über Soll. Nach dem Abpfiff drehte sich jedoch alles um Lehmann. Der hatte mit seiner Weigerung, die wegen seiner Kritik an der Vereinsführung verhängte Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro zu bezahlen, schon vor der Partie für Wirbel gesorgt. "Das ist keine Provokation, sondern sein gutes Recht", meinte Heldt dazu.

In der vor allem nach der Pause emotionalen Begegnung avancierte Lehmann mit einigen schauspielerischen Einlagen zum Buhmann der Mainzer Fans, die nach dem Abpfiff hämisch skandierten: "Lehmann auf den Zaun." Zu diesem Zeitpunkt irrte der Stuttgarter Sündenbock auf der Flucht vor den Journalisten rund um das Stadion. Nachdem er vergeblich versucht hatte, ein Taxi zu ergattern, rettete sich Lehmann vor den Kameras und Mikrofonen in den Stuttgarter Mannschaftsbus.

Mit seiner Unbeherrschtheit gegen Bancé, der ihn kurz zuvor leicht attackiert hatte, erwies Lehmann seiner Mannschaft einen Bärendienst und erntete massive Kritik aus dem gegnerischen Lager. "Das zeigt seinen Charakter und hat mit Sport nichts mehr zu tun. Er ist ein Mensch, der sich in Emotionen und Aggressivität aalt. Es geht ihm immer nur um sich selbst", meinte FSV-Präsident Harald Strutz.

Mainz ohne Durchschlagskraft


Der sportliche Aspekt geriet nach der umkämpften Partie völlig in den Hintergrund. Dabei zeigten die Stuttgarter durchaus gute Ansätze und kauften den vor heimischer Kulisse weiter ungeschlagenen Mainzern im ersten Durchgang den Schneid ab. Der Aufsteiger agierte unkonzentriert, teilweise fahrig und ohne Ideen. Zu allem Überfluss ließ sich die Abwehr beim ersten VfB-Angriff düpieren. Arthur Boka setzte sich am linken Flügel durch, seine Eingabe drückte Pogrebnjak mit dem Oberschenkel aus kurzer Distanz über die Linie.

Ciprian Marica hätte für die Vorentscheidung sorgen können, scheiterte aber fünf Minuten vor der Pause mit einem Kopfball am glänzend reagierenden FSV-Torwart Heinz Müller. 120 Sekunden zuvor hatte dessen Gegenüber Lehmann bei einem Schuss von Tim Hoogland das erste Mal eingreifen müssen. Nach dem Wechsel rückte der Oldie immer mehr in den Fokus, denn Mainz kam nun besser zum Zuge. Allerdings ließen die Hausherren die nötige Durchschlagskraft vermissen, kamen durch Lehmanns Blackout aber doch noch zum verdienten Ausgleich.

Den Spielbericht zu Wolfsburg gegen Dortmund lesen Sie auf der nächsten Seite.

Im zweiten Sonntagsspiel gab es in Wolfsburg gellende Pfiffe zur Pause, "Armin-raus"-Rufe am Ende: Fünf Tage nach dem Champions-League-K.o. hat der kriselnde deutsche Meister den nächsten schweren Tiefschlag bekommen. Mit versteinertem Gesicht schlich Trainer Armin Veh nach der bitteren 1:3 (0:3)-Schlappe vor heimischer Kulisse gegen Borussia Dortmund in die Kabine. Seit sechs Pflichtspielen warten die "Wölfe" nun schon auf einen Sieg. "Das war ein absoluter Tiefpunkt, was wir hier in den ersten 45 Minuten gesehen haben", schimpfte Geschäftsführer Jürgen Marbach in der Pause im TV-Sender "Sky". "Die Dortmunder haben uns gezeigt, wie Fußball geht in der ersten Halbzeit", räumte VfL-Profi Sascha Riether ein.

Mit einem 110-Sekunden-Doppelpack brachte Goalgetter Lucas Barrios (8. Minute/10.) die Borussen auf die Gewinnerstraße, Patrick Owomoyela (36.) machte vor 30.000 Zuschauern in Wolfsburg schon in der ersten Hälfte den Sack zu. Grafites Treffer (55.) in der etwas besseren zweiten VfL-Hälfte war zu wenig gegen die seit neun Meisterschaftsspielen ungeschlagenen und auf Platz sechs vorgerückten Borussen. "Die erste Halbzeit war taktisch herausragend", stellte BVB-Coach Jürgen Klopp hocherfreut und mit breitem Grinsen fest. "Das waren toll erkämpfte Tore."

DPA/tis / DPA

Wissenscommunity