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FUSSBALL: Bye, bye Fußball-Gott: Jancker kann gehen

»Ein oder zwei Stürmer sind vielleicht zu viel an Bord«, sagte Präsident Franz Beckenbauer und lieferte das Rezept für die »Abmagerungskur« gleich mit.

Elber, Pizarro, Sergio, Jancker, Zickler, Santa Cruz, di Salvo - der Angriff des FC Bayern München hat im Vergleich zu den anderen Mannschaftsteilen deutliches Übergewicht und bekommt eine Diät verordnet. »Ein oder zwei Stürmer sind vielleicht zu viel an Bord«, sagte kürzlich Präsident Franz Beckenbauer und lieferte das Rezept für die »Abmagerungskur«: Carsten Jancker soll den Club verlassen. »Wenn das Angebot stimmt, dann kann er eventuell gehen«, so Beckenbauer. Bisher liegen noch keine Offerten für den 26-jährigen Nationalspieler vor, für den die Bayern eine Ablösesumme von 30 Millionen Mark (rund 15 Mio. Euro) verlangen.

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stern: Der Torjäger

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Kräftig eingekauft

Fünf Tage vor dem Trainingsauftakt (ohne Nationalspieler) haben die Bayern ihre Personalplanungen für die kommende Saison auf der Einkaufsseite weitgehend abgeschlossen. Claudio Pizarro kam für 16 Millionen Mark Ablöse von Werder Bremen nach München. Pablo Thiam (VfB Stuttgart/ablösefrei), Nico Kovac (Hamburger SV/11 Mio.) und Robert Kovac (Bayer Leverkusen/15 Mio.) sind die weiteren Neulinge. Eventuell kommt noch eine Verstärkung für die Abwehr dazu. Wie Prager Zeitungen am Mittwoch berichten, ist der FC Bayern am tschechischen Nationalverteidiger Tomas Repka vom AC Florenz interessiert.

Keiner will Jancker

Für Jancker hat sich noch kein Abnehmer gefunden. Sowohl dem AC Florenz, Udinese Calcio wie auch dem FC Fulham ist der bullige Angreifer, in der vergangenen Saison mit zwölf Treffern zweitbester Bayern-Torschütze hinter Giovane Elber (15), zu teuer.

Janckers 49 Tore in 130 Bundesliga- Spielen sind längst kein Argument mehr für den Champions-League-Sieger, der mehr denn je größten Wert auf ein makelloses Image legt. Und Jancker war seit seinem Wechsel 1996 von Rapid Wien an die Säbener Straße nicht unbedingt der Vorzeige-Profi, den sich der Edel-Club wünscht.

»Image-Schädling«

Die Vereinsoberen beorderten den gebürtigen Mecklenburger Anfang März ins ZDF-Sportstudio, wo sich Jancker um eine Korrektur seines schlechten Leumunds bemühte und von rechter Gewalt distanzierte. Aber nicht nur die Jahre lang undementierten Gerüchte, er halte Kontakt zur rechtsextremen Szene, machten den einstigen Glatzkopf zum »Image- Schädling«. Der Berliner »Tagesspiegel« schrieb über den »bösen Buben der Bundesliga«, er habe sich »intern Feinde gemacht, weil er mit der versammelten Arroganz des Parvenüs und dem Befehl 'heb die mal auf' dem Zeugwart die Kickschuhe vor die Füße warf und auch ansonsten den Angestellten des FC Bayern mit ausgesuchter Unhöflichkeit begegnet«.

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